Mayerling

Liebe bis in den Tod hinein

Eine Filmkritik von Gregor Ries

Aus seiner Lethargie reißt ihn die Begegnung mit Baroness Maria Vetsera (Catherine Deneuve), der er sich zunächst nicht zu erkennen gibt. Bei einer Ballettaufführung entdeckt Rudolf Maria erneut im Publikum. Als seine Cousine Gräfin Larisch (Geneviève Page) ihre gegenseitige Anziehung bemerkt, arrangiert die geübte Kupplerin ein heimliches Treffen der beiden. Doch ihre aufkeimende Beziehung sorgt für einen Skandal, zumal Rudolf wenig Anstalten macht, die Affäre zu verschleiern. Seine Beförderung zum Generalinspektor kann den Konflikt mit dem Vater nur für kurze Zeit zurückdrängen, denn bald fühlt sich Rudolf verraten und zur Marionette der Hofgeschäfte degradiert.

Jenseits der schwülstigen Romanze handelt es sich bei dem angeschnittenen Generationenkonflikt um den weitaus interessanteren Part des epischen Dramas. In den Dialogen und Diskussionen schwingen 68er-Themen wie die Abnabelung von Elternhaus, Traditionen und Autoritäten mit. Zunehmend drängt der desillusionierte Rudolf auf seine Wünsche nach Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, was ihm sein Vater nachdrücklich verwehrt. Der Status der Monarchie soll niemals in Frage gestellt werden. Besser versteht sich der Konzprinz mit seiner Mutter Elisabeth, die als vielgereiste Regentin jedoch nur selten zur Stelle ist.

Dass Kaiserin Elisabeth von Ava Gardner verkörpert wird, die lediglich neun Jahre älter ist als Omar Sharif und eigentlich eine seiner Geliebten hätte verkörpern können, gehört zu manchen Unstimmigkeiten der englisch-französischen Großproduktion. Gegen Gardner bleibt die attraktive Catherine Deneuve blass, was allerdings zugleich an ihrer konturlosen Rolle liegt. Zwar erhalten einige der Nebenfiguren mehr Gewicht. Doch sie verschwinden oft hinter dem Prunk aus Militärparaden, Hofbällen und Ballettaufführungen, wobei das Stück Giselle als Verweis auf den späteren Tod der Protagonisten dient.

Trotz Intrigen und Verwicklungen wirkt Terence Youngs aufwändiges, elegant ausgestattetes Liebesdrama schwerfällig und zerdehnt. Dem kann Henri Alekans solide Kameraarbeit wenig hinzufügen; nur selten findet hier die für Alekan typische Arbeit mit Spiegeln und Lichtmagie statt. Im Vergleich erweist sich Litvaks Melodram, dem er 1957 eine TV-Version nachschob, kompakter und stringenter inszeniert. Beide Regisseure konzentrieren sich auf die Version eines von außen forcierten (Doppel-)Selbstmords. Auf die Verschwörungstheorie, der sich etwa die französische Verfilmung Das Geheimnis von Mayerling von 1946 anschloss, geht Young nicht ein. Dass seine Stärke eher im Spannungskino liegt, bewies er zuvor mit dem Thriller Warte, bis es dunkel ist mit Audrey Hepburn.

Leider enthält die DVD von Winklerfilm außer deutschen Untertiteln keine Extras – obwohl ein Promofilm über die Dreharbeiten existiert, den man sich ebenso wie den Kinotrailer zur Ergänzung gewünscht hätte. Da man bei der versierten Synchronisation Wert auf einen authentischen Dialekt legte, macht die deutsche Fassung von Mayerling übrigens fast mehr Sinn als der Originalton.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/mayerling