Machete Kills

Machete Kills

Eine Filmkritik von Rochus Wolff

Danny Trejo kann’s nicht lassen

Was für eine Figur! „Du musst gar nicht spielen, sei einfach nur du selbst“, so soll Robert Rodriguez seinem Cousin zweiten Grades, Danny Trejo, die Rolle seines Lebens angepriesen haben. Trejo hatte da schon den einen oder anderen Film mit Rodriguez gemacht, ein wenig, aber wohl nicht unwillig, festgelegt auf den schweigsamen, mörderischen Bösewicht mexikanischer Abstammung. Eine Weile wussten beide, so geht die Mär, wohl auch noch nichts von ihrer Blutsverwandtschaft, da war man sich aber längst verbunden.
Und wie das dann so ist: In Machete fand Trejo tatsächlich mit der Titelrolle eine Position, die perfekt zu ihm und seiner Physiognomie passte. Der Mann war schon 66 Jahre alt, als der Film ins Kino kam und spielt hier doch erfolgreich einen Superhelden, so gut das halt ein Trashfilm mit reichlich Budget und großen Stars hinkriegen kann. Machete ist eine reine und ehrfürchtige Hommage an das Kino, das Rodriguez und sein Kumpel Quentin Tarantino so verehren: Blutig, schnoddrig, ohne allzu enge moralische und ästhetische Grenzziehungen und mit vielen schönen Frauen gespickt.

Zugleich schrie der Streifen nach einer Fortsetzung, und so dreht Machete Kills die Wahnsinnsspirale natürlich weiter. „Machete“ Cortez ist als ehemaliger mexikanischer Agent natürlich immer noch fit wie ein Turnschuh, gerät aber innerhalb von zehn Minuten erst in einen Hinterhalt und dann an den Privatgalgen eines Südstaaten-Sheriffs, bevor er wortwörtlich direkt von dort weg ins Weiße Haus beordert wird. Für den Präsidenten soll er den wahnsinnigen Chef eines Drogenrings stoppen, der mit einer Massenvernichtungswaffe die USA bedroht. Schnell stellt sich aber heraus, dass der Mann wegen eines psychischen Traumas alle paar Minuten seine Persönlichkeit wechselt, und so gerät Machete in die dumme Lage, mit ihm im Schlepptau schleunigst in die USA zurückkehren zu müssen.

Bis dahin ist schon einiger irrer Schmarrn passiert (auch Dünndarm fliegt diesmal wieder), und zahlreiche Frauen haben sich weitgehend entkleidet, aber sobald es Machete mit seinem Anhang zurück in die Vereinigten Staaten geschafft hat, begibt der Film sich in ganz neue Gefilde, die einfach nur und zumeist im besten Sinne bescheuert sind. Machete Kills greift tief in alle Klischees des Agentenfilms (sogar die Musik zitiert das James-Bond-Thema) und schwingt dann zuletzt in eine Genrerichtung, bei der man sich fortwährend mit der flachen Hand gegen die Stirn schlagen möchte.

Zweifellos: Als Unterhaltungsmaßnahme funktioniert das. Der Film ist aber, dem enormen Aufgebot an Star-Cameos zum Trotz, dadurch nicht nur weniger konsistent als sein eh schon eklektisch komponierter Vorgänger; er hat vor allem kaum interessante Figuren vorzuweisen. Die stärksten Personen aus Machete haben hier zum Teil nur sehr kurze oder unbedeutende Auftritte (das gilt bedauerlicherweise sowohl für die Figuren von Michelle Rodriguez als auch von Jessica Alba), vor allem aber macht die Hauptfigur wenig mehr, als Bekanntes unter milde veränderten Vorzeichen noch einmal zu tun.

In den letzten Minuten kündigt sich schon ein dritter Film an – er müsste dann doch noch etwas frischer werden, um überzeugen zu können. Bis dahin hat Rodriguez in Machete Kills im Grunde das einzige getan, was möglich war: Da eine Steigerung allein von Machete aus im Grunde nicht möglich war, ist er tief, hoch und weit ins Gagaland abgedriftet und hat seinen Film von allen Verpflichtungen befreit, sich an ausgetretene Genrepfade zu halten. Leider reicht das eben nicht ganz.

Machete Kills

Was für eine Figur! „Du musst gar nicht spielen, sei einfach nur du selbst“, so soll Robert Rodriguez seinem Cousin zweiten Grades, Danny Trejo, die Rolle seines Lebens angepriesen haben. Trejo hatte da schon den einen oder anderen Film mit Rodriguez gemacht, ein wenig, aber wohl nicht unwillig, festgelegt auf den schweigsamen, mörderischen Bösewicht mexikanischer Abstammung.
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