Kalte Füße (2018)

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Schon wieder stellt ein Spielfilm einem Pflegebedürftigen im Rollstuhl einen jungen Betreuer ohne Ausbildung und den nötigen Ernst zur Seite. Der vermeintliche Pfleger ist in der deutschen Verwechslungskomödie ein Ganove auf Diebestour, der am Tatort lediglich seine Haut zu retten versucht.

Kalte Füße (2018)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Der Stumme, seine Enkelin und der falsche Pfleger

Es gibt filmische Konstellationen, deren bloße Erwähnung den Menschen schon ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Eine solche Assoziation ruft das Bild eines wohlhabenden Mannes im Rollstuhl hervor, der einen jungen Pfleger ohne Ausbildung, aber mit zwielichtigem Ruf bekommt. Geadelt durch den Erfolg der Komödie "Ziemlich beste Freunde" hält diese Zweierkonstellation nun auch in anderen Filmen Einzug. Noch bevor das amerikanische Remake "The Upside" in die deutschen Kinos kommt, startet schon einmal die deutsche Komödie "Kalte Füße". Der Regisseur Wolfgang Groos ("Hexe Lilli rettet Weihnachten") und der Drehbuchautor Christof Ritter haben aber kein Remake im Sinn, sondern entwickeln um einen Pflegebedürftigen und seinen Betreuer eine neue Geschichte mit reizvoller Screwball-Dynamik.

Raimund (Heiner Lauterbach) residiert in einer stilvollen Landvilla am Fuße der Alpen. Während er den illegal gefällten Weihnachtsbaum schmückt, blafft er die Haushälterin (Gerti Drassl) wieder einmal so unfreundlich an, dass sie kündigt. Im selben Moment erleidet Raimund einen Schlaganfall. Enkelin Charlotte (Sonja Gerhardt), die eine Ausbildung zur Polizeikommissarin macht, freut sich gerade auf den Beginn des Skiurlaubs mit Sebastian (Roman Schomburg) und anderen KollegInnen. Da erhält sie den Anruf ihrer vielbeschäftigten Mutter, die sie bittet, zu Raimund zu fahren, der aus dem Krankenhaus entlassen wird. Sie soll eine Nacht dort verbringen und den Krankenpfleger einweisen.

Eher widerwillig macht sich Charlotte auf den Weg, schließlich hat sie den Opa seit zehn Jahren nicht gesehen, weil er im Streit mit der Tochter brach. In der Villa angekommen, trifft sie bereits einen jungen Mann beim Opa an, der im Rollstuhl mit halb geöffnetem Mund nur hilflos brummen und krächzen kann. Der junge Tunichtgut Denis (Emilio Sakraya) aber ist gar nicht der Pfleger, für den sie ihn hält. Er sollte gerade auf Befehl eines Gangsters, dem er Geld schuldet, die Villa ein wenig ausrauben.

Es ist einfach herrlich, Heiner Lauterbach dabei zuzusehen, wie er seine Enkelin mit eingeschränkter Mimik und krächzenden Lauten über die Verwechslung aufklären will. Charlotte versteht rein gar nichts, merkt nichts und macht dabei als angehende Kommissarin nicht gerade eine gute Figur. Sehr lustig ist, dass Schäferhund Max als einziger die Fingerzeige Raimunds richtig deutet – und Denis dazu zwingt, sich vorübergehend in einem Zimmer zu verbarrikadieren. Am nächsten Morgen ist die Villa eingeschneit und Denis und Charlotte müssen ihren Aufenthalt verlängern. Nun muss der vermeintliche Pfleger beweisen, was er draufhat, aber Raimund macht es ihm nicht gerade leicht. Er setzt seine verbliebenen Körperkräfte ein, um Denis zu attackieren. So entstehen ganz witzige Slapstickeinlagen.

Denis ist nicht auf den Mund gefallen und seine Sprüche entlarven oft eine naiv-abwegige Mentalität. Aber er besitzt Herz und einen ausgeprägten Sinn für Familie. Er stellt Charlottes distanziertes Verhältnis zu ihrem Großvater infrage und ebnet so den Weg für eine Wiederannäherung.

Die beiden jungen Menschen vernehmen die Stimme des Herzens immer lauter – aber die Romantik, die den Geschmack eines jugendlichen Zielpublikums treffen will, bleibt pure Behauptung. Die beiden Darsteller entwickeln keine funktionierende Chemie. Sobald sich abzeichnet, dass die Handlung auf einen sanft versöhnlichen Kurs zusteuert, der mit Popsong-Begleitung und nächtlicher Skifahrt hinterm Haus kaum noch Überraschungen bietet, verliert sie viel von ihrer frechen Spannung.

In Erinnerung bleiben peppige Dialoge, eine folgenschwere Pinkelszene, der eine oder andere Sturz über ein ausgestrecktes Bein. Vor allem aber sorgt Heiner Lauterbach in seiner ungewöhnlich wortkargen und dabei so ausdrucksstarken Rolle für Vergnügen.

Kalte Füße (2018)

Durch eine Verwechslung findet sich der Kleinkriminelle Denis plötzlich in der Position des Krankenpflegers für den Schlaganfallpatienten Raimund wieder. Dabei wollte er nur in dessen Villa einbrechen. Stattdessen sitzt er nun im herrschaftlichen Anwesen des reichen Unternehmers fest, der seit dem Anfall nicht mehr sprechen kann und an den Rollstuhl gefesselt ist. Als dann auch noch Raimunds Enkeltochter Charlotte  auftaucht, wird es Denis endgültig zu viel

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