Intrigo: Tod eines Autors (2018)

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Das letzte Manuskript des verstorbene Schriftstellers Germund Reim landet in den Händen des Übersetzes David Moerk – und schon bald ahnt er, dass es bei Reims Ableben nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Aber nicht nur das: Es gibt Verbindungen zu dem Verschwinden von Moerks Frau ...

Intrigo: Tod eines Autors (2018)

Eine Filmkritik von Eugen Zentner

Zwischen Tod und Literatur

Håkan Nesser gilt als einer der bedeutendsten Autoren Schwedens, dessen Kriminalgeschichten sich durch Spannung, atmosphärische Dichte und Hintersinn auszeichnen. Seit Ende der 1980er Jahre schreibt er ein Buch nach dem anderen. Am bekanntesten sind seine Romane um den Kommissar Van Veeteren und den Inspektor Barbarotti, die nicht nur in der Heimat, sondern auch hierzulande für das Fernsehen verfilmt wurden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch das Kino aus dem Inventar des Ausnahmeliteraten zu schöpfen beginnen sollte. Nun bringt Twentieth Century Fox eine Trilogie auf die Leinwand, die auf drei älteren Geschichten des Autors basiert, welche unter dem Titel Intrigo nun gesammelt in einem Band erscheinen. Den Anfang macht Tod eines Autors, eine verschachtelte Geschichte mit doppeltem Boden.

Wie Nesser in seinen Romanen macht es auch Regisseur Daniel Alfredson in seinem Film nicht leicht, den Überblick zu behalten. Er legt falsche Fährten, überrumpelt mit spektakulären Wendungen und unterläuft Erwartungen, wo es nur geht. Ehe sich die Zuschauer versehen, werden sie Teil eines Verwirrspiels, das höchste Konzentration erfordert. Irgendwie scheint in Tod eines Autors jeder ein Romancier zu sein, selbst der Protagonist David Moerk, der eigentlich ein Übersetzer ist. Benno Fürmann spielt ihn als getriebenen Sprachhandwerker mit selbstzerstörerischen Zügen. Im Laufe des Films kippt er eine Menge Alkohol in sich hinein und durchstreift so manches Tal, physisch wie metaphorisch.

Alles beginnt mit einem Wanderurlaub, den er gemeinsam mit seiner Frau Eva (Tuva Novotny) an einem malerischen Ort macht. Auf der Fahrt dorthin ahnt David noch nicht, dass es ihr letzter sein wird. Eva will ihn wegen eines anderen Mannes verlassen und verkündet diese Entscheidung, noch bevor beide die Wanderschuhe angezogen haben. Mit dieser Nachricht im Gepäck werden die steilen Wege in den Bergen umso beschwerlicher. David sucht zwar das Gespräch, kann jedoch nicht verhindern, dass die Stimmung mit jedem Tag weiter sinkt. Schließlich verschwindet Eva, spurlos.

Jahre später fühlt sich David an diese Ereignisse erneut erinnert, als er von seinem Verleger den Auftrag erhält, ein Manuskript des renommierten Schriftstellers Germund Rein zu übersetzen. Die Geschichte fesselt ihn. Sie scheint nicht nur Antworten auf den rätselhaften Tod des Urhebers zu enthalten, sondern weist auch Parallelen zu Davids Vergangenheit auf. Je tiefer der Übersetzer in das Werk eintaucht, desto mehr entwickelt er sich zu einem Privatdetektiv, der die einzelnen Puzzleteile zusammenzufügen versucht. Das erweist sich als überaus schwierig. Denn nichts ist so, wie es scheint. Dieses Gefühl überträgt sich schnell auf das Publikum, das bis zur Auflösung so manch eine Überraschung verkraften muss. Doch die Anstrengung lohnt sich.

Tod eines Autors garantiert nicht nur feinste Kinounterhaltung, sondern auch erbauliches Kopftraining. Selten gelingt es einem Regisseur, leichtfüßig so viele Handlungsstränge auf mehreren Ebenen zu verknoten, dass die Komplexität des Konstrukts weder prätentiös noch abschreckend wirkt. Es bereitet geradezu Vergnügen, in die Geschichte zu versinken und die unübersichtlichen Verhältnisse zu entwirren. Dieser Effekt verdankt sich unter anderem den traumhaften Landschaftsbildern und stillvoll eingerichteten Interieurs, die Regisseur Daniel Alfredson als Kulisse ausgesucht hat. Ob mehrstöckige Bibliotheken, bildungsbürgerliche Wohnräume oder trendige Restaurants, die Eleganz der Schauplätze fesselt die Aufmerksamkeit und trägt dazu bei, die Zuschauer in die erzählte Welt hineinzuziehen.

Als wichtigstes Dekorationselement fungieren immer wieder Bücher. Der Geist der Literatur scheint in diesem Film allenthalben präsent zu sein, selbst in der Diktion des Erzählers, der aus dem Off über Gedanken, Emotionen und Handlungen berichtet. Seiner kunstvollen Sprache könnte man stundenlang lauschen. Am Ende wird diese poetische Welt, in der sich Wirklichkeit und Fiktion mehr und mehr vermengen, um einen Schriftsteller ärmer. Es kommt zum angekündigten Tod eines Autors, nur anders als erwartet. 

Intrigo: Tod eines Autors (2018)

Basierend auf der sogenannten Intrigo-Trilogie von Håkan Nesser erzählt Daniel Alfredson, der bereits zwei Teile der Millenium-Filmreihe nach Stieg Larssons Büchern verfilmte, von verschiedenen rätselhaften Ereignisse, die allesamt miteinander in Verbindung zu stehen scheinen. 

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