Aquaman (2018)

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Mit „Aquaman“ bekommt nun einer weiterer DC-Superheld ein Soloabenteuer geschenkt. Kann der von Horrorspezialist James Wan inszenierte maritime Actioner die Ernüchterung nach „Justice League“ vergessen machen?

Aquaman (2018)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Atlantis is calling

Seine ersten größeren Leinwandauftritt feierte der Comic-Held Aquaman alias Arthur Curry bereits im Giganten-Treffen Justice League, dem fünften Teil der lose verbundenen DC-Filmreihe. Obgleich der dauerlärmende Blockbuster in weiten Teilen Ernüchterung hervorrief, blitzte ab und an das kernige Charisma des Muskelprotzes auf, dem – so durfte man hoffen – ein Soloabenteuer noch ein Stück mehr Profil verleihen würde. Horrorspezialist James Wan (Conjuring 2) schickt ihn nun auf eine wilde Reise, die inhaltlich leider in allzu vertrauten Superheldengewässern fischt. Dank einiger visueller Leckerbissen, einer einprägsamen Begleiterin und einer mitreißenden Kameraarbeit bietet das Spektakel aber halbwegs passable Popcorn-Unterhaltung.

Der im Jahr 1985 spielende Prolog beschreibt die unerwartete Zusammenkunft des Leuchtturmwärters Tom Curry (Temuera Morrison) mit Atlanna (Nicole Kidman), der Königin des Unterwasserreiches Atlantis. Ohne lange zu zögern, nimmt er die an die Küste gespülte Meeresbewohnerin bei sich auf, um ihre Wunden zu verarzten. Nur wenig später verlieben sich die beiden und bringen schließlich ein Kind zur Welt, dem sie den Namen Arthur geben. Eines Tages sieht sich Atlanna jedoch schweren Herzens dazu gezwungen, ihre neue Familie zu verlassen und in ihre Heimat zurückzukehren. Ein harter Schlag nicht nur für Tom, sondern auch für Arthur, dessen übermenschliche Fähigkeiten schon früh zu Tage treten.

Mehrere Jahrzehnte später ist aus dem kleinen Jungen ein muskelbepackter Draufgänger (nun verkörpert von Jason Momoa) geworden, der im Handumdrehen die Besatzung eines gekaperten Atom-U-Bootes befreit. Bei der Mission lässt Arthur den Anführer der Piraten vor den Augen seines Sohnes Manta (gefangen in einer eindimensionalen Rolle: Yahya Abdul-Mateen II) sterben, weshalb der junge Mann grausame Rache schwört. Die Hilfe Aquamans benötigt kurz darauf auch Prinzessin Mera (Amber Heard), da Arthurs Halbbruder Orm (mit bösem Lächeln: Patrick Wilson) die Armeen der sieben Unterwasserdynastien um jeden Preis vereinen und benutzen will, um gegen die an der Oberfläche lebenden Menschen in den Krieg zu ziehen. Mit der Kraft des sagenumwobenen Dreizacks könnte Aquaman, der rechtmäßige Thronerbe von Atlantis, die finsteren Pläne seines Verwandten im Keim ersticken.

Die Schwemme an Superheldenfilmen verfestigt zunehmend das Gefühl, die verwendeten Erzählbausteine langsam in- und auswendig zu kennen. Fast immer sind es die Erde bedrohende Allmachtsfantasien, die ein heroisches Eingreifen erfordern. Oftmals treiben Rachemotive die Handlung an. Familiäre Zwistigkeiten werden gern genommen. Und regelmäßig geht es für die im Zentrum stehenden, mit Superkräften ausgestatteten Protagonisten darum, sich ihrem Schicksal zu stellen. All diese Elemente finden sich auch im DC-Blockbuster Aquaman wieder, der sich – ähnlich wie viele andere Bombast-Werke – nur wenig Mühe gibt, den Weg seiner Titelfigur etwas tiefschürfender und überraschender zu gestalten. Einmal mehr verläuft die Geschichte nach Schema F, gleicht einem Stationen-Parcours und vertraut auf emotionale Beats, die mehr behauptet als konkret spürbar werden. Narratives Potenzial verschenken Wan und seine Autoren geradezu leichtfertig, wenn sie die Rücksichtslosigkeit der Menschen und die dramatische Verschmutzung der Meere thematisieren. Obwohl sich aus eben diesen Aspekten ein handfester Konflikt für Aquaman hätte stricken lassen, kommen die Einwürfe letztlich über den Status von Fußnoten nicht hinaus.

Im Gegensatz zu einigen anderen Beiträgen der DC-Reihe – zu nennen wären hier vor allem Suicide Squad und Justice League – hält sich die Verärgerung allerdings in Grenzen, weil im Zentrum zwei Figuren stehen, die sich auf recht unterhaltsame Weise die Bälle zuspielen. Nicht jeder Witz gelingt. Manche Pointen wirken etwas zu forciert. Und doch sorgen die Scharmützel zwischen Aquaman und Mera für ausreichend Dynamik. Viel spannender als ihre langsam füreinander aufkeimenden Gefühle ist die Tatsache, dass die Prinzessin nicht auf eine Statistenrolle reduziert wird, sondern als taffe, gewitzte und schlagkräftige Kämpferin daherkommt, die ein ums andere Mal mit ihrem Gefährten darüber diskutiert, wer wen wann gerettet hat.

Vergnüglich ist zweifelsohne auch Wans augenzwinkernde Inszenierung, deren große, nicht selten kitschige Gesten mehrfach eine ironische Brechung erfahren. Gut zu sehen etwa im Prolog, bei dem das heimelige Familienidyll plötzlich durch das schockartige Eindringen der Atlantis-Soldaten zertrümmert wird. Oder aber während einer fulminanten Actionsequenz, die eine sizilianische Postkartenkulisse mit strahlend blauem Himmel in ein Trümmerfeld verwandelt. Die Liebe des Regisseurs zum Horrorgenre drückt sich in Verweisen auf H. P. Lovecraft und im Auftauchen unheimlicher Seemonster aus, die den Film stellenweise zu einem echten creature feature machen. Neben einigen aufregenden Impressionen der Unterwasserwelt bleiben besonders die markanten und kreativen Kostüme und die agile, in das Geschehen hineinziehende Kamera in Erinnerung. Ist die meistens auf Überwältigung ausgerichtete Strategie von Aquaman lange Zeit erträglich, muss man im Finale einen etwas ermüdenden CGI-Overkill über sich ergehen lassen, der das Interesse für die Leinwandereignisse nicht gerade in neue Höhen schraubt.

Aquaman (2018)

In „Aquaman“ mit Jason Momoa in der Titelrolle geht es um die Vorgeschichte des halb menschlichen Atlanters Arthur Curry, der sich seinem Schicksal stellen muss, um herauszufinden, wer er wirklich ist: Verdient er es überhaupt, die ihm von Geburt an zustehende Königswürde anzunehmen?

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