Another Forever - Die Stille um Alice

Another Forever - Die Stille um Alice

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Trauerreise

Der Fotograf John (Marlon Moreno) war noch „voller Leben“, als er einen frühen, krankheitsbedingten Tod starb. Seine Ehefrau Alice (Daniela Escobar) bleibt in tiefer Trauer zurück. In Another Forever – Die Stille um Alice zeigt der aus Kolumbien stammende Filmemacher Juan Zapata den beschwerlichen Weg der Witwe aus der Isolation und dem Schmerz. Zusammen mit seiner brasilianischen Hauptdarstellerin verfasste er das Drehbuch, mit welchem das Duo all jenen Mut machen will, die wie die Protagonistin einen Verlust erleiden mussten.
Zu Beginn sehen wir, wie Alice – eine Frau in ihren Vierzigerjahren – vor Kummer wie gelähmt ist: Es gelingt ihr nicht, die Couch zu verlassen – auch nicht, um zu Johns Beerdigung zu gehen. Die luxuriöse Wohnung wirkt trotz der stil- und liebevollen Einrichtung kalt; Alice ist von Stille umgeben, die nur durchbrochen wird, wenn der Anrufbeantworter ertönt und Johns freundliche Stimme in den Räumen zu hören ist. Immer wieder kommt es zu Rückblenden, die das Paar in glücklichen Tagen zeigen – ausgelöst etwa durch ein Gemälde an der Wand oder durch die Worte von Alices Freundin Ana (Barbara Scolaro), die sich via Telefon nach dem Befinden der Trauernden zu erkundigen versucht. In einem erinnerten Gespräch erfahren wir, dass John ein Weltenbummler war, während Alice es vorzog, zu Hause zu bleiben und Johns Reiseberichten zu lauschen – stets mied sie Flughäfen und Begegnungen mit „verrückten Leuten“. Nun fasst sie jedoch den Entschluss, eine Europareise anzutreten, welche sie zunächst nach Amsterdam führt. Als sie später einen Zug Richtung Österreich nimmt, lernt sie den deutschen Fotografen Tom (Peter Ketnath) kennen.

Im ersten Drittel kann Another Forever auf bildsprachlicher Ebene vollauf überzeugen: Die von Pablo Chasseraux geführte Kamera sowie die Montage, für welche Lisi Kieling und Onon verantwortlich zeichnen, machen das Ineinanderfließen von gegenwärtiger Einsamkeit und vergangener, in Dingen, Worten oder Gesten noch lebendiger Zweisamkeit anschaulich. Hinzu kommt, dass Daniela Escobar ihre Rolle mit Hingabe verkörpert und in den Rückblicken auf die Beziehung zwischen Alice und John eine stimmige Chemie mit dem kolumbianischen Schauspieler Marlon Moreno (Perro come Perro) hat. Die gemeinsamen Szenen der beiden zählen auch im weiteren Verlauf zu den Stärken des Films; ebenso entwickelt das Geschehen einen gewissen Reiz, wenn Alice auf dem Bahnsteig und schließlich im Zug auf Tom trifft. Der in München geborene Peter Ketnath verleiht dem Part dieser Zufallsbekanntschaft den nötigen Charme; dankenswerterweise ist Another Forever jedoch keine Geschichte, die uns erzählen will, dass man mit einer neuen Liebe den Verlust der alten überwinden kann. Die Begegnung zwischen Alice und Tom ist flüchtig. Alice zieht alsbald weiter, um letztlich die Person zu finden, die von Anfang an für sie da war beziehungsweise da sein wollte. So steht am Ende der Trost durch Freundschaft: „Dedicated to all best friends everywhere“, heißt es vor dem Abspann – und kurz zuvor fallen die Worte „Schön, dass du es hierher geschafft hast!“ Schaffen musste es Alice an diesen Punkt aus eigener Kraft und in ihrem eigenen Tempo, ehe sie bereit dafür ist, sich bei ihrer Trauerarbeit helfen zu lassen.

Während Einstieg und Schluss gänzlich für sich einzunehmen verstehen, lässt Another Forever im Mittelteil einige deutliche Mankos erkennen. Die Songs, die Alices Wege untermalen, werden oft viel zu aufdringlich eingesetzt; die Bilder muten indes nicht selten wie aus einem Reise-Werbefilm an und gehen in ihrer pittoresken Gestaltung bis an die Kitschgrenze – zuweilen auch darüber hinaus. Wenn Alice mit diversen Bewohnern vor Ort ins Gespräch kommt, erreicht das Werk inszenatorisch und dialogisch eher Telenovela- als Kinoqualität. Another Forever ist eine kleine Produktion, die nicht frei von Schwächen ist; in ihren gelungenen Momenten und vor allem dank Escobars Interpretation der Titelfigur hinterlässt sie aber dennoch Eindruck und ist in ihrer schwebenden Narration gewiss eine Alternative zu den dramaturgisch perfekt abgestimmten Arbeiten aus Hollywoods Gefühlsfabrik.

Another Forever - Die Stille um Alice

Der Fotograf John (Marlon Moreno) war noch „voller Leben“, als er einen frühen, krankheitsbedingten Tod starb. Seine Ehefrau Alice (Daniela Escobar) bleibt in tiefer Trauer zurück. In „Another Forever – Die Stille um Alice“ zeigt der aus Kolumbien stammende Filmemacher Juan Zapata den beschwerlichen Weg der Witwe aus der Isolation und dem Schmerz.
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Meinungen
Gaby Flegel · 28.07.2017

Aber wo läuft der Film in Berlin

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