Percy (2020)

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In der modernen Landwirtschaft ist es um die bäuerliche Freiheit oftmals schlecht bestellt. Agrar- und Chemiekonzerne, die Herbizide und Saatgut vertreiben, können als Marktmacht ungeahnte Abhängigkeiten schaffen. Das Drama erzählt von einem Kanadier, der Herr auf seinem Feld bleiben wollte.

Percy (2020)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Ein Bauer kämpft um sein Saatgut

Der kanadische Farmer Percy Schmeiser (Christopher Walken) geht schon auf die 70 zu, als sein Leben im Jahr 1998 eine abenteuerliche Wendung nimmt. Eine Klageschrift des Konzerns Monsanto flattert ihm ins Haus: Er habe auf seinen Rapsfeldern ohne Lizenz das gentechnisch veränderte Saatgut des Unternehmens verwendet. Percy ist sich keiner Schuld bewusst, denn er benutzt ausschließlich Samen von eigenen Pflanzen, wie das schon sein Groß- und sein Urgroßvater machten. Als er den Anwalt Jackson Weaver (Zach Braff) konsultiert, rät ihm dieser zu einem Vergleich statt zu einem Prozess. Zu groß sei die Gefahr, dass sich auf Percys Feldern zumindest ein paar gentechnisch veränderte Pflanzen befänden, die unter Patentschutz stünden. Aber Percy zieht in einen sechsjährigen Kampf um sein Recht, in dessen Verlauf er zur Symbolfigur für zahlreiche Landwirte überall auf der Welt wird, die ebenfalls unter den Geschäftspraktiken des Konzerns leiden.

Das kanadische Drama des Regisseurs Clark Johnson basiert auf der wahren Geschichte des 2020 verstorbenen Percy Schmeiser. Im Jahr 2007 erhielt der Farmer aus der kanadischen Provinz Saskatchewan den Alternativen Nobelpreis für sein Engagement, das Auswirkungen weit über den eigenen Fall hinaus hatte. Der Spielfilm erzählt Schmeisers Geschichte sehr realitätsnah und eher unaufgeregt, was dem brisanten Thema aber nichts von seiner emotionalen Fallhöhe nimmt. Mit Percy unternimmt der Film sogar einen Abstecher nach Indien. Dort erfährt der Farmer, dass sich viele indische Baumwollanbauer wegen Lizenzgebühren von Monsanto heillos verschuldet haben. Der 2018 von der deutschen Bayer AG aufgekaufte Konzern kommt nicht gut weg in diesem Film. Dieser zeigt, wie das Unternehmen mit der Verbindung von Patenten auf gentechnisch veränderte Nutzpflanzen und dem Verkauf von Herbiziden, die ihnen nichts anhaben können, eine Marktposition errungen hatte, die Landwirte in ungeahnte, neue Abhängigkeiten zu bringen vermochte.  

Percy benutzt aber kein Herbizid von Monsanto, er bräuchte die gentechnisch veränderten Saaten also gar nicht. Er führt sogar Zeugen auf, die erklären, wie die tatsächlich in Stichproben gefundenen Monsanto-Saaten auf sein Feld gelangen konnten. Der Wind habe sie von benachbarten Feldern herübergeweht, bei einem Transport von Monsanto-Saaten an seinem Grund vorbei sei einmal ein Sack gerissen. Allein, es nützt nichts: Das erste Gericht urteilt gegen Percy, denn für den Patentschutz sei es irrelevant, wie das fremde Eigentum auf sein Feld gelangte. Der gesunde Menschenverstand eines Bauern, der nie auf die Idee gekommen wäre, sich über die Konsequenzen einer solchen Regelung den Kopf zu zerbrechen, bildet das dramaturgische Rückgrat der Geschichte. Aber weil in seiner Gemeinde die meisten Bauern Monsanto-Saat kaufen, steht Percy bei einigen nun in Verdacht, sich um die Lizenzgebühren zu drücken oder gar ein Dieb zu sein.

Christopher Walken spielt Percy als bedächtigen, im Grunde menschenscheuen Mann, den es enorme Überwindung kostet, vor Leuten zu sprechen. Die schönsten Szenen zeigen Percy in Gedanken, wenn er mit sich selbst ringt. Der Film überhöht ihn nicht auf kitschige Weise als Verteidiger der Scholle, sondern erweist sich als angenehm zurückhaltend im Umgang mit Klischees. Das gilt beispielsweise für die Schilderung seiner Ehe. Percys Frau Louise (Roberta Maxwell) steht natürlich an seiner Seite, auch wenn sie ihm manchmal widerspricht. Aber sie himmelt ihn nicht mit glühenden Blicken an, es fallen keine pathetischen Worte. Vielmehr neigt sie dazu, seine persönlichen Eigenheiten humorvoll zu kommentieren. Diese Beziehung wirkt so glaubwürdig, weil sie mit leisen Tönen auskommt.

Die Rolle des Anwalts ist völlig unprätentiös gestaltet und gespielt, während sich die Aktivistin Rebecca (Christina Ricci) als eine etwas penetrante Person erweist, die Percy anfangs ziemlich auf die Nerven geht. Mit viel Überredungskunst bewegt sie den Mann dazu, mit ihrer Organisation zu kooperieren, auf Veranstaltungen aufzutreten und mit der Presse zu sprechen. Im Gegenzug erhält er Spenden für seine Prozesse und auch viel Zuspruch, der ihn motiviert, weiterzukämpfen. Aber auch diese Verbindung ist nicht aus Stahl, sondern kommt an ihre Grenzen. Der Realismus des Dramas findet eine gelungene Entsprechung in der Filmmusik von Steven MacKinnon. Sie klingt nach Folk und Country, dosiert diese Eigenschaft aber dezent und bewahrt sich ihre Eigenheit. Am Schluss sind dann noch ein paar beinahe nüchtern klingende Takte und Zeilen des Klassikers von Woody Guthrie, This Land Is Your Land, zu hören. Das passt sehr gut zu diesem Film, der auf Natürlichkeit und Bodenhaftung viel Wert legt.

Percy (2020)

Ein kanadischer Farmer legt sich mit einem Großkonzern an, nach dessen genmanipulierter Raps sein Getreide verseucht hat. Dadurch wird er plötzlich zu einer Art Volksheld in dem verzweifelten Kampf der Farmer um ihre Rechte und gegen die Gier der Konzerne.

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