Zama

Zama

Eine Filmkritik von Maria Wiesner

Irgendwie hat man das alles schon einmal gesehen: Ein weißer Kolonialbeamter sitzt irgendwo in den Tropen auf einem Außenposten und wartet auf seine Versetzung zurück in die Zivilisation. Es ist warm und drückend, die Zeit zieht sich wie Kaugummi und obendrein hat man auch noch so viel davon, denn der Brief für die Versetzung braucht ewig bis hierher. Permanent muss der Kolonialherr zudem seinen Status verteidigen, gegen aufmüpfige Untergebene, arbeitsunwillige Sklaven und cholerische Vorgesetzte. 

Die Geschichte ist keine neue, nur die Namen der Protagonisten und Schauplätze sind neu. Der Kolonialherr heißt dieses Mal Zama (Daniel Gimenez Cacho), arbeitet für die spanische Krone und sitzt irgendwo im Hinterland von Paraguay. Als Vorlage diente dem Film der Roman Und Zama wartet, den der argentinische Schriftsteller Antonio di Benedetto 1956 schrieb. Bis vor kurzem war das Werk nur im Heimatland des Autors bekannt, in den vergangenen Jahren gelangte es jedoch international noch einmal zu Aufmerksamkeit, da es in englischen und deutschen Neuauflagen noch einmal einem breiteren Publikum vorgestellt wurde und Benedetto post mortem größere Anerkennung für sein Schaffen bescherte. An die Verfilmung wagte sich nun die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel, die hier in Venedig eine der wenigen teilnehmenden Regisseurinnen ist. Im Wettbewerb gibt es genau einen Film von einer Frau, Martels Zama ist es nicht, denn der läuft in Venedig außer Konkurrenz. 

Auch wenn Martels Name im deutschsprachigen Raum nur einem kleinen Arthouse-Publikum geläufig sein dürfte, ist die Regisseurin auf den großen europäischen A-Festivals kein Neuling. La Cienaga, ihr erster Langspielfilm, lief 2001 im Wettbewerb der Berlinale und wurde mit dem Alfred-Bauer-Preis für das beste Erstlingswerk ausgezeichnet. Ihre nächsten Filme Das heilige Mädchen (2004) und La mujer sin cabeza (2008) schafften es in den Wettbewerb von Cannes. Immer wieder nahm sich Martel Gesellschaftskritik vor und stellte Frauen in den Mittelpunkt ihrer Filme. Nach fast zehn Jahren Abwesenheit kehrt die Regisseurin nun mit dem Spielfilm Zama auf die große Leinwand zurück und ist das erste Mal in Venedig dabei. 

Wer jedoch auch dieses Mal auf starke Frauenfiguren hofft, wartet vergeblich. Zwar spielt Lula Duenas als Gattin des Finanzbeamten der Kolonie eine starke und für ihre Zeit sehr selbstbestimmte Frau, doch ist ihre Rolle marginal, ohne größere Bedeutung für die Handlung. Die ist bestimmt vom Warten. Martel schafft es aus dem Stoff das Elegische herauszuholen, die zähe Zeit des Ausharrens auf der Leinwand nachvollziehbar zu machen - auch wenn das für manchen Zuschauer heißt, dass man sich zwischenzeitlich gelangweilt fragen wird, wie lange das sinnlose Warten in der großen Hitze noch so weitergehen soll. Aus purem guten Willen unterstellen wir Martel aber einmal, dass sie genau das bezweckte. Den Existentialismus, den Kritiker an  Benedettos Buch so lobten, lässt der Film aber vermissen. Ebenso wäre hier die Chance für kluge Kritik am Kolonialismus, dem Rollenverständnis der weißen Eroberer oder den hier angelegten noch Jahrhunderte nachwirkenden Konfliktfeldern zwischen unterschiedlichen Ethnien gewesen. Allein, sie wurde verpasst. 

Und wie gesagt, ist Martel nicht die erste, die den Kampf des Weißen Mannes gegen Hitze, Ennui und Eingeborene verfilmt. In erschreckend ähnlicher Form hat man das schon in Aguirre - Der Zorn Gottes, Fitzcarraldo oder Apocalypse Now gesehen. Martel zieht für ihren Film nur die Sättigung bei den Landschaftsaufnahmen hinauf und hüllt ihre Protagonisten in schickere Kleider. Wenn Zama im roten Taftjäckchen auf der letzten Jagd nach einem Banditen, der die Kolonie unsicher macht, durch sattgrüne Sümpfe reitet, dann ist das hübsch anzusehen. Allein dafür hätte es dieses Films jedoch nicht bedurft. 

Zama

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Antonio De Benedetto (deutscher Titel: „Zama wartet) aus dem Jahre 1956 erzählt Zama die Geschichte eines spanischen Kolonialoffiziers, der auf einen fernen Außenposten versetzt wird, wo er fernab seiner Familie, aber mit großer Geduld auf seine Beförderung wartet. Stattdessen aber scheinen ihn die Behörden in Buenos Aires vergessen zu haben und der wackere Diego de Zama verliert sich im kleinlichen Konkurrenzkampf mit seinen Kollegen.

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