Wasted on the Young

Wasted on the Young

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Bruderkrieg

Sie sind – zumindest hat es den Anschein – Brüder und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Was daran liegt, dass Zack und Darren in Wirklichkeit nur Stiefbrüder sind und sie außer der Partnerwahl ihrer Eltern nichts vereint. Zack (Alex Russell) ist der strahlende Star der elitären High School und zudem der umschwärmte Star des Schwimmteams, Darren (Oliver Ackland) hingegen ist ein introvertierter und schüchterner Junge, der die meiste Zeit vor dem Computer verbringt, statt Party zu machen und Mädchen aufzureißen. Als er dann doch auf eine Mitschülerin trifft, für die er sich begeistern kann, ist es ausgerechnet Zack, der ihm bei der bezaubernden Xandrie (Adelaide Clemens) in die Quere kommt.
Auf der abendlichen und ziemlich ausgelassenen Siegesfeier anlässlich des Sieges der Schwimmer, bei der nahezu die halbe Schule versammelt ist und bei der auch Drogen eine wichtige Rolle spielen, verpassen sich Xandrie und Darren immer wieder, während Zack die unsichtbaren Fäden wie ein perfider Zeremonienmeister in der Hand hält. Sei es, um sich an seinem verhassten Stiefbruder zu rächen oder aus falsch verstandener Zuneigung zu Xandrie lässt er das Mädchen unter Drogen setzen und vergeht sich an ihr. Weil Xandrie danach spurlos von der Party verschwindet, kursieren bald die wildesten Gerüchte und es ist allein Zacks Ruf als Alpha-Mann der Schule zu verdanken, dass die hässliche Angelegenheit vorerst unter den Teppich gekehrt werden kann. Darren aber stellt auf eigene Faust Nachforschungen an und als Xandrie dann wieder an der Schule auftaucht, fasst der Junge bald Rachepläne, die sich aber auf ganz andere Weise erfüllen werden, als Darren dies im Sinn hatte.

Es ist erstaunlich, dass Wasted on the Young, der bislang immerhin auf dem Filmfest München und beim Fantasy Filmfest 2011 in den Kinos zu sehen war, Ben C. Lucas erster Spielfilm ist. Denn die Art und Weise, wie der junge Australier, der ursprünglich aus der Games-Branche kommt, sein schwieriges Thema sowohl formal wie auch narrativ umsetzt, ist absolut sehenswert und verbindet eine subtil formulierte Botschaft mit einer Bildsprache, die wie gemacht ist für die große Leinwand.

Das beginnt bereits mit der eindrucksvollen Einstiegsszene am Strand und setzt sich nahtlos über die wunderschön gefilmte und exakt auf den Punkt geschnittene Exposition während des Schwimmwettkampfs fort. Mit ähnlicher Konsequenz wie das ästhetische Konzept werden auch die erzählerischen Mittel eingesetzt: Statt jenes Figurenrepertoire wiederzukäuen, das man sonst in High-School-Filmen (gleich welchem Genre zugehörig) immer wieder vorfindet, variiert der Film das Ensemble durch einen Bruderkrieg und durch Typen, denen man bei aller Stilisierung ihr Handeln abnimmt. Weil der hochgradig vernetzte Mikrokosmos, den Lucas in Wasted on the Young beschreibt, ein ganz und gar hermetischer ist, in dem Erwachsene vor allem als (lästige) Kontrollinstanzen begriffen werden, blendet der Film diese konsequenterweise komplett aus, um sich ausschließlich auf die Schüler zu beschränken. Mit genauem Blick für die Selbstwahrnehmung der verwöhnten jeunesse d'orée imitiert Wasted on the Young eine cleane und durchgestylte Werbe- und Lifestyle-Ästhetik und unterläuft den schönen Schein der Oberflächlichkeit zugleich immer wieder gekonnt.

Es wäre ein Leichtes gewesen, zielsicher all die Fallgruben und Fettnäpfchen zu treffen, die der Plot bereithält: Der Computerspiel-Nerd als Amokläufer ist ja mittlerweile aus der Argumentationskette zahlreicher wenig netzaffiner Politiker kaum mehr wegzudenken. Ben C. Lucas aber macht es sich selbst und dem Zuschauer weniger leicht, indem er die Sympathien seines klugen und genau beobachteten High-School-Drama-Thrillers eindeutig auf die Außenseiter lenkt. Man kann darin durchaus auch eine Parabel auf die moderne Gesellschaft (und nicht nur die australische) sehen, in der man sich gegen den Egoismus einer moralisch verkommenen Oberschicht und Pseudo-Elite am Ende nur noch mit einer Mischung aus Aggression und Verzweiflung zur Wehr setzen kann. Ein starkes Debüt!

Wasted on the Young

Sie sind – zumindest hat es den Anschein – Brüder und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Was daran liegt, dass Zack und Darren in Wirklichkeit nur Stiefbrüder sind und sie außer der Partnerwahl ihrer Eltern nichts vereint.
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