Swelter - Gier. Rache. Erlösung.

Swelter - Gier. Rache. Erlösung.

Eine Filmkritik von Martin Beck

Schwitzen in Braun und Blau

Man möchte Swelter gerne gut finden, mindestens wegen der Mitwirkung von Jean-Claude Van Damme. Das hier sollte eigentlich geradliniges Männer-Heimkino sein, positiv besetzte Actiongülle mit blutstarrendem Macho-Aroma – und eben kein billig zusammengeschraubtes Möchtegern-Filmchen. Mit zu wenig Action, einem geschmacksunsicheren Regisseur und einem dummen, ungemein zerfaserten Drehbuch.
Was Regisseur und Drehbuchautor Keith Parmer anscheinend vorschwebte, war eine Art Reservoir Dogs-Riff mit Western-Flair, eingerahmt zum Beispiel durch eine schwadronierende Gang, einen schief gelaufenen Heist und ein staubiges Wüstenkaff, in dem ein ehemaliges Gangmitglied, das einzige ohne Gitterstäbe auf der Stirn, den Sheriff gibt. Und dabei leider, einer schweren Verletzung sei Dank, keinerlei Erinnerung mehr an die Vergangenheit hat.

Wer nun denkt, "okay, selbst in einem Hinterwäldler-Kaff sollte ein funktionierendes Gedächtnis eine Einstellungsvoraussetzung sein", hat damit völlig Recht. Und wer weiterhin denkt, dass solch eine Logik gerne von glühenden Pumpguns umgenietet werden kann, hat damit leider völlig Unrecht. Denn Action ist in Swelter nicht nur ziemlich dünn gesäht, sondern auch durchsetzt mit ekligen Farbfiltern und konfusen Wischiwaschi-Bildern. Die genauso verschleiern wie der übereifrige Schnitt, der Szenen zu gerne in pompösen Parallelmontagen zerschreddert.

"Stilisiert" heißt so etwas gerne, oder vielleicht auch "geschmacksneutrales Unvermögen". Der einleitende Casino-Heist zum Beispiel ist ein blaugetunktes Durcheinander, das gar nicht ausgespielt, sondern lediglich in Fetzen mit diversen anderen Ereignissen zusammengekleistert wird. Parmer verehrt zweifellos Tarantino, doch bleibt dabei auf einem rumpeligen Erstklässler-Niveau, das im weiteren zum Beispiel eine Vorliebe für Braunfilter entwickelt, den Charakteren keine nachvollziehbaren Motivationen gibt und mehr Geballer zugunsten aller möglichen Nebenplots fast ganz versiegen lässt.

Einer der Gangster freundet sich mit einer Barfrau an, einer möchte die Tochter des Sheriffs verführen und noch einer, der Chef der Bande, hatte natürlich mal was mit der Frau des Sheriffs laufen. Mit zunehmender Laufzeit kriecht Langeweile in Swelter, angetrieben durch die deprimierende Erkenntnis, dass da einfach nichts mehr kommt. Der Film fängt schwach, aber immerhin mit Krach an und schwenkt dann um auf schwach mit Blabla-Blei. Künstliche Figuren geben künstliche Weisheiten von sich und müssen sich dann künstlichen Plottwists hingeben, die mit grobem inszenatorischem Bumm verpetzt werden.

Der hauptsächliche "selling point" des Films ist Jean-Claude Van Damme, der allerdings kaum reden darf und bei Barkloppereien enervierend ruhig am Tresen sitzen bleibt. Am meisten überzeugen kann Alfred Molina als undurchsichtiger Arzt, für den immerhin ein paar Schmunzler übrig sind, der Rest der Besetzung verendet in schlecht geschriebenen Rollen. So ungefähr 1995 wäre Swelter vielleicht noch als halbwegs akzeptabler Nachschub im Tarantino-Sog durchgegangen, doch 2015 bleibt einfach nur noch lästige Dutzendware. Bild und Ton sind sehr gut, die Synchro passt zum Film und die ganzen Interviews der Bonusabteilung bieten ausschließlich erwartungsgemäße Floskeln.

Swelter - Gier. Rache. Erlösung.

Man möchte "Swelter" gerne gut finden, mindestens wegen der Mitwirkung von Jean-Claude Van Damme. Das hier sollte eigentlich geradliniges Männer-Heimkino sein, positiv besetzte Actiongülle mit blutstarrendem Macho-Aroma – und eben kein billig zusammengeschraubtes Möchtegern-Filmchen. Mit zu wenig Action, einem geschmacksunsicheren Regisseur und einem dummen, ungemein zerfaserten Drehbuch.
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