Robin Hood (2018)

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Die Erzählung vom maskierten Dieb, der den Reichen nimmt und den Armen gibt, wurde zuletzt vor 8 Jahren wenig inspiriert von Ridley Scott auf die Leinwand übertragen. Otto Bathurst will nun mit seinem Film einen jungen und zeitgemäßen Robin Hood entwerfen. Ob das besser gelingt?

Robin Hood (2018)

Eine Filmkritik von Lars Dolkemeyer

Bad Men and Robin

Die neue "Robin Hood"-Verfilmung unter der Regie von Otto Bathurst versucht sich an einer weiteren Aktualisierung der Legende. Seit Beginn der Filmgeschichte stellt die Erzählung vom tapferen Robin und seinen Gefährten immer wieder die Grundlage für Varianten vom Strumpfhosen-Helden (Douglas Fairbanks, 1922) über dessen Parodie (Mel Brooks, 1993) bis zum bierernsten Mangel jeglicher Selbstironie (Ridley Scott, 2010). Bathurst geht mit seinem Film nun einen neuen Weg: Robin ist hier kein strahlender Abenteuerheld mehr, sondern Stimme der Unterdrückten, Anführer einer Revolution. In eine Welt irgendwo zwischen einem historischen England und einer Fantasy-Dystopie versetzt, erweist sich die Figur dabei als höchstaktuell – doch gilt das auch für den Film?

Robin von Loxley (Taron Egerton) lebt ein unbeschwertes Leben als Adliger auf einem kleinen Gut mit seiner Liebe Marian (Eve Hewson). Eines Tages wird er zum Kriegsdienst eingezogen: Ein Kreuzzug steht an und Robin erlebt die traumatisierenden Gräueltaten der Kreuzritter in Arabien. Als er den Sohn eines feindlichen Gefangenen (Jamie Foxx) vor der Hinrichtung retten will, wird Robin mit diesem nach England zurückgeschickt. Dort muss er feststellen: Der Sheriff von Nottingham (Ben Mendelsohn) hat in der Zwischenzeit sein Anwesen beschlagnahmt und die Ausbeutung der Bauern und Minenarbeiter an ihr Limit getrieben. Gemeinsam mit dem ehemaligen Kriegsgefangenen John, seinem alten Freund Bruder Tuck (Tim Minchin) und der Macht der wütenden Masse steht Robin gegen die Unterdrücker auf.

Die Welt von Bathursts Robin Hood ist weit davon entfernt, einer historischen Vorlage zu entstammen. Ein Märchenbuch, dessen Seiten sich öffnen, um die Geschichte beginnen zu lassen, unterlegt mit einer Erzählstimme, die von jeder Zeit und jedem Raum weit wegführt, weisen in den Film. Der Schauplatz eines quasi-mittelalterlichen Englands weicht dann allerdings schnell dem brutalen Häuserkampf einer arabischen Stadt, in dem Robin sich auf dem Kreuzzug wiederfindet. Ja: Im Häuserkampf. Mit seiner Einheit von Bogenschützen kämpft er sich Meter um Meter in den Trümmern einer zerstörten Stadt vor, ein feindlicher Schütze mit einer Art Maschinen-Armbrust, die in rasantem Takt Bolzen feuert, macht ihnen das Leben schwer, ein Hinterhalt in den unübersichtlichen Gassen wird beinahe zum Verhängnis. Der Film macht unmissverständlich deutlich: Es geht nicht einfach darum, ein paar neue Effekt-Bilder für eine mittelalterliche Legende zu finden, es geht um die Politik dieser Legende, oder um das, was sich daraus machen lässt.

Das Interessante des Films liegt in dieser Art, seine Welt zu zeichnen: In den Schmutz und fast spürbaren Gestank der elenden Armut reißen der maßgeschneiderte Leder-Anzug des Sheriffs, die Polizei-Schilde und martialischen Helme seiner Leibwache, die technisierten Armbrüste umso stärker eine Unterscheidung zweier Welten. Auf der einen Seite der geifernde Demagoge, der vor Überfremdung warnt und dahinter seinen unstillbaren Hunger nach Macht und Reichtum zu verbergen sucht, – auf der anderen Seite die maskierte und von ihrem Anführer Robin zum Widerstand ermutigte Masse im Straßenprotest. Bilder des Widerstands, die ebenso wie die Bilder des Häuserkampfes ihre gegenwärtigen Bezüge mitunter allzu offensiv herstellen. Und doch gelingt es, nicht nur eine zeitlose Welt als Hintergrund der Robin-Hood-Erzählung zu schaffen, deren ästhetische Entscheidungen stellenweise überraschend gut aufgehen, es gelingt auch, die Figur selbst auf die politischen Auseinandersetzungen unserer Zeit zu beziehen.

Schade sind nur zwei Dinge: Weder schafft Robin Hood es letztlich, etwas wirklich Eigenes zu erzählen oder mehr zu bieten als diese Handvoll oberflächlicher Verweise – noch generiert der Film innerhalb seiner Erzählung, abseits aller äußeren Anleihen, eine gelungene Figuren-Dynamik. Die plötzliche, enge Freundschaft des Kreuzzug-Veteranen zum Kriegsgefangenen bleibt zutiefst konstruiert; die Liebe zu Lady Marian wird nur als Besitzverhältnis inszeniert, das Robin zurückzuerlangen hat; Bruder Tuck geht völlig als Lieferant kaum zündender Pointen unter; und das Fehlen jeder noch so kleinen charismatischen Regung im gesamten Cast machen es schwer, den großen emotionalen Bogen des Aufstands mitzugehen. Das Ergebnis zeigt zwar, wie interessant und aktuell die Figur des Konflikts zwischen Unterdrückern und Ausgebeuteten sein kann – als Film aber ist Robin Hood gänzlich banal.

Robin Hood (2018)

Eine neue Verfilmung der klassischen Robin Hood-Geschichte mit Taron Egerton ("Kingsman: The Golden Circle") und Jamie Foxx in den Hauptrollen.

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