Offenes Geheimnis (2018)

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Mit Everybody Knows legt Asghar Farhadi seinen ersten spanischsprachigen Film mit der geballten Starpower von Penélope Cruz und Javier Bardem vor – und verheddert sich im Gestrüpp zwischen Entführungsthriller und Telenovela.

Offenes Geheimnis (2018)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Um- und Abwege

Eine Frau, die heimkehrt nach vielen Jahren der Abwesenheit: Laura (Penélope Cruz) lebt seit vielen Jahren in Argentinien, kommt nun aber anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester in die Gegend in Spanien zurück, in der sie einst aufwuchs. Früher gehörte ihrer Familie ein Weingut, das mittlerweile allerdings Paco (Javier Bardem) und seiner Frau Bea (Bárbara Lennie) gehört – und dieser Umstand sorgt ebenso für Spannungen wie die Tatsache, dass Laura und Paco früher einmal ein Paar waren. Hinzu kommen Standesunterschiede, denn eigentlich ist der jetzige Gutsherr das Kind von Domestiken und hat zudem das Weingut zu einem – zumindest nach Meinung der Familie der früheren Besitzer – zu einem viel zu niedrigen Preis übernommen.

Konfliktpotential ist also bereits zu Beginn der Feierlichkeiten reichlich vorhanden, das dann noch weitere Nahrung erhält: Mitten in der Nacht verschwindet Lauras Tochter Irene (Carla Campra) aus ihrem Schlafzimmer. Mag man zuerst noch an einen Teenagerstreich glauben, gibt es schon bald erste deutliche Anzeichen, dass das Mädchen entführt wurde. Und weil bereits einige Zeit zuvor ein Kind spurlos verschwand und dann ermordet aufgefunden wurde, besteht kein Zweifel, dass die Lage verdammt ernst und für das kranke Mädchen lebensbedrohlich ist. Und so beginnt die Suche, bei der die Polizei aufgrund der Drohungen der Entführer ausgeschlossen bleibt – und es beginnen die gegenseitigen Verdächtigungen und das tiefsitzende Misstrauen sowie die uneingelösten Wechsel und Schuldscheine aus der Vergangenheit ihr zerstörerisches Gift zu entfalten.

Trotz des abermaligen Wechsels des Schauplatzes von dem Iran (Nader und Simin - Eine Trennung, The Salesman) über Frankreich (The Past) nach Spanien fühlt man deutlich, wie sehr Asghar Farhadi seinen Stil bezüglich des Storybuilding und der Inszenierung gefunden hat. Und möglicherweise drückt sich in diesem neuen Werk eine fast schon chamäleonartige Anpassungsfähigkeit an die kulturellen Gegebenheiten des jeweiligen Handlungsortes aus: Everybody Knows trägt vor allem aufgrund Penelope Cruz’ Rolle doch deutliche Spuren einer Telenovela in sich. Erscheint sie zumindest während des ersten Aktes noch als eigentliche Protagonistin, kommt ihr mit dem Verschwinden ihrer Tochter jegliche Souveränität und Autonomie abhanden, während nun Paco zusehends die Initiative übernimmt. Laura hingegen, von der man aufgrund ihres anfänglichen Auftretens etwas ganz anderes erwartet hättet, fällt zurück auf ein merkwürdiges passives Verhalten, das ihr jegliche Handlungsoptionen raubt und sie zu einer ständig verheulten, aber niemals wirklich aktiven Mutter degradiert. In ihrer Verzweiflung überlässt sie sämtliche Initiative Paco und ihrem bis dahin mehrere tausend Kilometer entfernten Mann (Ricardo Darín), der sich aber als ebenso ohnmächtig erweist wie sie selbst.

Vor allem aber erinnert Everybody knows an About Elly, Asghar Farhadis noch im Iran gedrehten Film aus dem Jahre 2009: Hier wie dort ist es das (zunächst) spurlose Verschwinden eines Menschen, das bei den Zurückbleibenden eine Gruppendynamik auslöst, die das gesamte Beziehungsgeflecht von Abhängigkeiten, Verletzungen und Unausgesprochenem in Gang setzt. Die Ironie der Geschichte will es aber, dass Farhadi aus den Beschränkungen heraus, die ihm als Regisseur im Iran auferlegt waren und die unter anderem aus About Elly solch ein Faszinosum machten, mehr zu kreieren verstand als aus den Freiheiten, die ihm im viel offeneren und demokratischen Westeuropa möglich sind. Everybody Knows ist mit Sicherheit sein zugänglichstes Werk – aber gleichzeitig auch dasjenige, mit dem er sich am weitesten den Konventionen des europäischen Arthouse-Kinos angepasst hat.

Offenes Geheimnis (2018)

Anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester kehrt Laura mit ihren Kinder an den Ort ihrer Kindheit mitten in einem spanischen Weinanbaugebiet zurück. Doch unvorhergesehene Ereignisse sorgen für Unruhe und fördern eine Vergangenheit zu Tage, die zu lange verdrängt wurde.

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Meinungen
DH · 11.10.2018

Ich habe noch nie so einen miserablen und schlechten Film gesehen! Langweil von der ersten bis letzten Sekunde! Absolute Zeit- und Geldverschwendung!!!

eberhard dinius · 03.10.2018

selten so einen langweiligen Film gesehen, männliche Gockeleien und eine greinende Cruz, nein Danke

Zuschauer · 30.09.2018

Lange nicht mehr so gelangweilt im Kino. Nicht zu empfehlen, die Schmonzette

Kommentare

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