Mia und der weiße Löwe (2018)

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Auch der majestätische König der Tiere ist am Anfang seines Lebens so handlich, flauschig und knuddelig, dass ihn Menschenkinder gerne zu ihrem Haustier machen würden. Schade nur, dass ein Löwe so schnell wächst und seine Raubtiernatur einer Freundschaft im Wege steht. Aber tut sie das wirklich?

Mia und der weiße Löwe (2018)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Mein Freund, das Raubtier

Eine beliebte Kinderfantasie kreist um den Traum, ein wildes Tier im Babyalter aufzunehmen und mit ihm ein Leben lang befreundet zu bleiben. Das würde der Welt beweisen, dass sich Raubtiere nicht jedem Menschen gegenüber unberechenbar verhalten. Dieser Traum scheint für die elfjährige Mia (Daniah de Villiers) in Südafrika zum Greifen nah, als ihr Vater John (Langley Kirkwood) das weiße, neugeborene Löwenbaby Charlie nach Hause bringt. Doch der putzige Löwe wächst schnell und Mias Eltern ist seine Anwesenheit im Haus bald nicht mehr geheuer. Der Familienfilm "Mia und der weiße Löwe" lebt von der Spannung, dass sich das Mädchen nicht von ihrem Freund trennen lassen will. Die schöne Geschichte verweist auch auf die Notwendigkeit, die afrikanischen Raubtiere vor der Großwildjagd zu schützen.

Mia ist zunächst sehr unglücklich, dass ihre Familie aus London zurück nach Südafrika gezogen ist. Vater John betreibt dort eine Löwenzucht und möchte ein Resort für Ökotourismus auf dem Gelände aufbauen. John und die französische Mutter Alice (Mélanie Laurent) wünschen sich sehr, dass Mia sich in der neuen Umgebung einlebt. Der seltene weiße Löwe, den John zu ihrer Aufmunterung ins Haus bringt, wird zuerst nur von Mias Bruder Mick (Ryan Mac Lennan) freudig begrüßt. Sie selbst ignoriert ihn trotzig, doch Charlie ist neugierig, kommt in ihr Zimmer und das Eis ist schnell gebrochen. Mia und Charlie werden ein Herz und eine Seele.

Schon nach wenigen Monaten haben Charlies Körper und seine ungestüme Art prekäre Ausmaße erreicht. Die Eltern bestehen darauf, dass Charlie ins Gehege muss, aber Mia akzeptiert kein Gitter zwischen sich und ihrem Freund. Nach einem gefährlichen Zwischenfall beschließt John, den Löwen wegzubringen. Aber Mia findet heraus, dass der Vater ihr eine schreckliche Wahrheit verschweigt. Sie läuft mit Charlie weg: Ihr Ziel ist ein Wildtierreservat auf dem Gebiet eines afrikanischen Stamms, das der Legende zufolge auf die Rückkehr eines weißen Löwen wartet.

Dieser Tier-Familienfilm erinnert entfernt an die in den 1960er Jahren gedrehte TV-Serie Daktari. Dort tummelte sich ein schielender Löwe namens Clarence zutraulich auf dem Gelände einer Tierstation zwischen den Betreibern. Bei Mia und der weiße Löwe verzichtete der französische Regisseur Gilles de Maistre auf Spezialeffekte und Greenscreen-Aufnahmen. Der enge Kontakt zwischen Mia und dem Löwen ist echt. Das bedeutete, dass sich die Dreharbeiten über einen Zeitraum von drei Jahren hinziehen mussten. Das anfangs noch kleine Löwenkind entwickelte einen starken Bezug zur südafrikanischen Hauptdarstellerin Daniah de Villiers. Als der Löwe im späteren Teil der Handlung dann bereits mit voller Mähne herumstolziert, kann ihn die junge Schauspielerin auch in Wirklichkeit immer noch wie gezeigt begleiten und berühren. Hinter der Kamera stand, sobald der Löwe nicht mehr klein war, der Löwentrainer und Tierschützer Kevin Richardson, der für Sicherheit am Set sorgte.

Die Spannungen in Mias Familie, die psychische Labilität Micks, die Lügen des Vaters über das Schicksal seiner Löwen verleihen der Geschichte dramatische Tiefe. Leider gibt sich der Film mit der Charakterzeichnung und den menschlichen Interaktionen nicht allzu viel Mühe, wodurch letztere oft holprig anmuten. Man kommt den Figuren nicht wirklich nahe, der Film drängt voran. Kamera und Montage wirken oft sehr dynamisch, es gibt Aufnahmen aus der Luft, kreisende Bewegungen, um die Pracht des Schauplatzes herauszustellen.

Manchmal entstehen auch Bilder von hohem Symbolgehalt. Auf ihrer Route ins Reservat stoßen Mia und Charlie auf ein Hindernis, das im alten Straßenatlas noch nicht eingezeichnet war: ein modernes Einkaufszentrum. Das Land verändert sich, der Flächenfraß bedroht die Wildnis. Indem Mia den Löwen zum Wildreservat bringt, leistet sie, der Sage entsprechend, auch eine symbolische Wiedergutmachung: Löwen sind nicht dazu da, um weißen Hobbyjägern vor die Flinte gesetzt zu werden, die Mythen der Einheimischen haben ihnen eine andere Rolle zugewiesen. Ein alter Mann winkt dem herannahenden Löwen wie einer magischen Gestalt seinen Willkommensgruß zu.

Der Film versucht ehrgeizig viele Themen unter einen Hut zu bringen, oszilliert aber nicht immer überzeugend zwischen Realitätsnähe und unterhaltender, kindgerechter Fiktion. Es hätte sich beispielsweise sicher nicht gut gemacht, dass Charlie einen Menschen tötet, und sei es selbst der Bösewicht, der Mia und ihn unterwegs attackiert. Seine Freundschaft mit Mia ist nur ungetrübt vermittelbar, solange er auch sonst den guten Löwen gibt. Trotz einiger Ungereimtheiten und dramaturgischer Schwächen des Films aber stellt die Freundschaft des Mädchens mit dem sukzessive wachsenden Löwen ein ganz besonderes Erlebnis dar.

Mia und der weiße Löwe (2018)

Das Leben der zehnjährigen Mia gerät aus den Fugen, als ihre Familie sich dazu entscheidet, in Südafrika eine Löwenzuchtfarm zu übernehmen. Mia kann sich nicht eingewöhnen, zu groß ist die Sehnsucht nach ihrer Heimat London und ihren alten Freunden. Eines Tages überrascht ihr Vater John die Familie mit einem seltenen, weißen Löwenbaby, das auf der Farm geboren wurde: Charlie. Nachdem Mia sich anfänglich sträubt, erobert Charlie schließlich ihr Herz ...

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