Krieg der Knöpfe

Krieg der Knöpfe

Eine Filmkritik von Peter Gutting

Heile Kinderwelt in großer Gefahr

Wie gut er junge Darsteller führen kann, stellte Regisseur Christoph Barratier in seinem berührenden und ziemlich erfolgreichen Debüt Die Kinder des Monsieur Mathieu unter Beweis – 2004 ein Überraschungshit nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland. Nun hat der Franzose wieder mit Kindern gedreht, diesmal aber keinen Film vornehmlich für Erwachsene, sondern in erster Linie für ein junges Publikum. Auch wenn die Verfilmung des Kinderbuchklassikers Der Krieg der Knöpfe als Abenteuer für die ganze Familie angekündigt wird.
Es ist beileibe nicht die erste Leinwandversion des Buches von Louis Pergaud aus dem Jahr 1912. Neu aber ist, dass Barratier die Handlung in das Jahr 1944 verlegt, also in das vorletzte Jahr des Zweiten Weltkriegs, als der Norden, Osten und Westen Frankreichs von den Nazis besetzt waren und im Süden die Vichy-Regierung mit den Deutschen kollaborierte. Hier verleben die Kinder der Nachbardörfer Longeverne und Velrans eine scheinbar unbeschwerte Kindheit.

Der "Krieg", den sie führen, ist in Wahrheit eine freche, lebenslustige Kinderei. Zwei Banden raufen miteinander, hecken immer neue Tollheiten aus, um den anderen eins auszuwischen, ganz so, wie junge Zuschauer das lieben. Lebrac (Jean Texier) und Aztec (Thomas Goldberg) heißen die Anführer der rauflustigen Jungs. Sie sind ideale Projektionsfiguren für Mut, Tatkraft und Charisma. Und auch die anderen Typen lustiger Kinderbanden dürfen nicht fehlen: der vorwitzige kleine Bruder, der gemütliche Außenseiter oder das pfiffige Superhirn.

Fast zwangsläufig taucht irgendwann ein geheimnisvolles Mädchen auf, nach dem alle Jungs den Kopf verdrehen. Doch diese Violette (Ilona Bachelier), die neu im Dorf Longeverne ist, verkörpert mehr als bloß die Zugereiste aus der großen Stadt. Sie heißt in Wahrheit anders und muss inkognito bleiben, weil sie Jüdin ist. So sickert fast unmerklich in die heile Kinderwelt das Unheil der Erwachsenen ein. Denn der Aufenthalt von Violette bei ihrer angeblichen Patentante Simone (Laetitia Casta) ruft unweigerlich die Schnüffler der faschistischen Miliz auf den Plan.

Dramaturgisch geschickt verknüpft Christoph Barratier den Krieg der Knöpfe mit dem wirklichen Krieg zwischen den Kollaborateuren des Vichy-Regimes und den Untergrundkämpfern der Résistance. Dass Lebracs Vater (Kad Merad) nicht so unpolitisch ist, wie sein Sohn annimmt, wird ebenso glaubwürdig erzählt wie die Zivilcourage des Dorflehrers (Guillaume Canet). Weniger harmonisch passen jedoch die unterschiedlichen Tonlagen der beiden Handlungsstränge zusammen. Es dominiert das Hohelied der unbekümmerten Kindheit, auch wenn in den Untertönen der Moll-Akkord von Völkermord und Vernichtung angeschlagen wird. Für einen Kinderfilm ist die optimistische Grundhaltung natürlich passend, auf Erwachsene dagegen mag sie bisweilen verharmlosend wirken.

Dennoch: Der Krieg der Knöpfe zeichnet das differenzierte Bild einer Dorfgemeinschaft, die sich von den politisch Herrschenden nicht unterkriegen lässt. Und erinnert an ein humanes Vermächtnis der französischen Résistance-Bewegung: Sie versteckte mehr als 62.000 Jungen und Mädchen bei nicht-jüdischen Familien.

Krieg der Knöpfe

Wie gut er junge Darsteller führen kann, stellte Regisseur Christoph Barratier in seinem berührenden und ziemlich erfolgreichen Debüt "Die Kinder des Monsieur Mathieu" unter Beweis – 2004 ein Überraschungshit nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland.
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Meinungen
Anna · 12.12.2012

voll cool... :)

Kommentare

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