Die Katze

Die Katze

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein kurioser Krimi

Während Eric Burdon sein lässiges, selbstironisches „Good Times“ intoniert, vollführt ein nacktes Paar ganz ausführlich den Liebesakt in verschiedenen Variationen: Gudrun Landgrebe und Götz George, wie sich bald zeigt. Nach diesem heißen Auftakt, der sich recht ungewöhnlich für dieses Genre ausnimmt, findet sich der Zuschauer rasch in einem kriminalistischen Thriller wieder, der von seiner kühl kalkulierten, packenden Dramaturgie sowie dem engagierten Spiel seiner populären Darsteller lebt. Nach dem gleichnamigen Roman von Uwe Erichsen inszeniert, der gemeinsam mit Christoph Fromm auch das Drehbuch zum Film verfasste, lief Die Katze von Dominik Graf aus dem Jahre 1988 seinerzeit sehr erfolgreich in den Kinos und wurde mit dem Deutschen Filmpreis in Gold für die Beste Regie prämiert.

Dass dieser Banküberfall von Anfang an nicht nur das ist, was er zu sein scheint, stellt sich bald heraus: Nachdem sich der ausgebuffte wie coole Kriminelle Probek (Götz George) mit Jutta (Gudrun Landgrebe), der Frau des Bankdirektors Esher (Ulrich Gebauer), verlustiert hat und seine Komplizen Junghein (Heinz Hoenig) und Britz (Ralf Richter) das Personal und den Direktor der Bank bei der morgendlichen Eröffnung in ihre Gewalt gebracht haben, ist es Probek selbst, der anonym die Polizei informiert. Von einem angrenzenden Hotel aus hält der Kopf der Bankräuber über Funk und Telefon die Fäden fest in der Hand, denn über den Inhalt des Tresors hinaus will er eine Lösegeldsumme von drei Millionen im Austausch gegen die Geiseln erpressen. Und auch seine Geliebte Jutta spielt keine geringe Rolle innerhalb seiner waghalsigen Pläne …

Die Katze kommt als eiskalter Thriller mit ebensolchen Protagonisten daher, deren mal minimalistische, mal explosive emotionale Regungen, die sich vor allem gegen Ende des Films derbe verstärken, einer gewissen Ironie nicht entbehren. Ganz schräg elegant brilliert Götz George als kühler Charakter mit Allmachtsaura, die mit einer ausgeprägten sexuellen Erregung einhergeht, die symbolträchtig einem Ventil für innere Anspannungen gleicht. In eine Bankraubgeschichte eingebettet wirken lakonische Figurenzeichnungen wie diese kurios und erinnern natürlich ein wenig an US-amerikanische Tendenzen von Gangster-Filmen dieser Jahre. Dieses nicht immer funktionelle Ausloten der Protagonisten in Verbindung mit fesselnder Unterhaltung lässt Die Katze zu einem sehenswerten Thriller werden, der allerdings bei Zeiten doch ein wenig an die gängige deutsche Krimipräsenz erinnert, auch wenn seine künstlerische Gestaltung deutlich über diese hinausragt.
 

Die Katze

Während Eric Burdon sein lässiges, selbstironisches „Good Times“ intoniert, vollführt ein nacktes Paar ganz ausführlich den Liebesakt in verschiedenen Variationen: Gudrun Landgrebe und Götz George, wie sich bald zeigt.

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