Das große Liebesspiel

Das große Liebesspiel

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Frivole Vergnügungen im nostalgischen Ambiente

Ein so distanziert wie souverän wirkendes Callgirl (Hildegard Knef) empfängt offensichtlich die unterschiedlichsten Kunden in seinem Appartement. An diesem Mittwoch, der doch eigentlich der Dame „freier“ Obsttag ist, beispielsweise einen zurückhaltenden Polizisten (Walter Giller), der ausnahmsweise doch am gesundheitsbewussten Ruhetag bedient wird, und gewöhnlich so manch andere überwiegend recht betuchte Herren, die sich diese professionelle Amourösität bei Zeiten leisten. Doch dann erhält die Edelhure einen ganz besonderen Auftrag aus einem Kreis wohlhabender Gymnasiasten: Einer ihrer eher keuschen Mitschüler (Thomas Fritsch) soll anlässlich seines Geburtstags ahnungslos seine intime Premiere mit einer erotisch kenntnisreichen Frau erleben. Letztlich verweigert die hehre Hure doch noch den Deal, da sie den höflichen, scheuen jungen Mann, der sofort Gefallen an ihr findet, nicht dem Spott seiner arroganten Kameraden aussetzen will. Allerdings lässt sich der erwärmte Jüngling nun nicht mehr einfach abschütteln …
Die in zwölf locker miteinander verwobenen Episoden angelegte Dramaturgie von Das große Liebesspiel verlässt nach der Eingangsgeschichte das Callgirl und folgt nun dem Schüler, der nach seiner sexuellen Initiation rasch eine Affäre mit der aparten Gattin (Alexandra Stewart) seines Rektors (Martin Held) unterhält und daraufhin zum Klassenprimus avanciert – darf doch dieser stets während der Gesangsstunde die Arbeitshefte ins Haus des Schulleiters tragen, dessen Abwesenheit dann erotische Eskapaden ermöglicht. Dass der bieder auftretende Rektor durchaus auch selbst anfällig für außereheliche Intimitäten ist, zeigt die nächste Episode, und so entspinnt sich ein rasantes Karussell promiskuitiver Paarkonstellationen, das am Ende des Films erneut bei der Figur des Callgirls Station macht, die das schlüpfrige Geschehen mit einem Lied von Charly Niessen gesanglich kommentiert: „Eins und eins, das macht zwei, drum küss und denk‘ nicht dabei, denn denken schadet der Illusion. Alles dreht sich, dreht sich im Kreis, und kommst du mal aus dem Gleis, war’s eben Erfahrung – anstatt Offenbarung – was macht das schon.“

Dieses gleichermaßen melancholische wie zynische Liedchen, ganz wunderbar nonchalant von einer kühl-konzentriert agierenden Hildegard Knef als mächtige Repräsentantin einer desillusionierten Moral im Spannungsfeld verborgener Sehnsüchte vorgetragen, spiegelt pointiert sowohl die Stimmung als auch die Botschaft von Das große Liebesspiel wider. Hier tummeln sich illustre Protagonisten unterschiedlicher Professionen mit scheinbarer Leichtigkeit vordergründig vergnüglich auf einem Terrain der mehr oder weniger zufälligen amourösen Begegnungen, das unerschöpflich erscheint, jedoch in seiner heiteren Inszenierung kreisförmig gefangen ist. Punktuelle, wechselnde Zweisamkeiten zwischen Frauen und Männern beherrschen das Szenario des erotischen Ausbruchs vor der Kulisse des grundsätzlich noch stabilen bürgerlichen Gesellschaftsgefüges der frühen 1960er Jahre, das Regisseur Alfred Weidenmann nach dem Drehbuch von Herbert Reinecker entworfen hat. Hier lauert noch keine Revolution, sondern allenfalls triebsam gepflegte Langeweile und verleugnete Einsamkeit hinter der Kulisse des frivolen Techtelmechtels, das selbstverständlich niemals en détail abgebildet wird und innerhalb der konventionellen Grenzen letztlich in seiner Wirkungsarmut verebbt.

Unter dem Deckmantel der bewusst betonten Oberflächlichkeit der Geschehnisse, der oftmals offensichtlich kalkulierten Einsatz-Nutzen-Abwägung der Charaktere sowie der schelmisch banalisiert konstruierten Reigen-Reihung in Anlehnung an das berühmte, skandalträchtige Bühnenstück von Arthur Schnitzler aus dem Jahre 1920 führt Das große Liebesspiel mit vorgegebener Unbekümmertheit brisante zeitgeschichtliche Tendenzen vor, die damals noch mit der Eignung ab 18 Jahren beschränkt wurden. Darüber hinaus hat Alfred Weidenmann (Canaris, 1954, Buddenbrooks, 1959, Der Schimmelreiter, 1977) mit seinem engagiert aufspielenden Ensemble – zuvorderst betören hier die prätentiösen Damen Hildegard Knef, Lilli Palmer, Daliah Lavi, Nadja Tiller und Elisabeth Flickenschildt – eine köstliche kleine Komödie geschaffen, die mit ihrem nostalgischen Charme durchaus in der Lage ist, auch den abgeklärt auftrumpfenden „Alles-schon-gesehen-Zuchauer“ zu unterhalten und dabei ein wenig an der verwöhnten Nase herumzuführen.

Das große Liebesspiel

Ein so distanziert wie souverän wirkendes Callgirl (Hildegard Knef) empfängt offensichtlich die unterschiedlichsten Kunden in seinem Appartement. An diesem Mittwoch, der doch eigentlich der Dame „freier“ Obsttag ist, beispielsweise einen zurückhaltenden Polizisten (Walter Giller), der ausnahmsweise doch am gesundheitsbewussten Ruhetag bedient wird, und gewöhnlich so manch andere überwiegend recht betuchte Herren, die sich diese professionelle Amourösität bei Zeiten leisten.
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