Die Frau nebenan

Die Frau nebenan

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ehemalige Geliebte als neue Nachbarin

Es ist das Territorium der meist außergewöhnlich extremen, komplizierten Liebesbeziehungen jenseits bürgerlicher Moralitäten, dem sich der französische Filmemacher François Truffaut innerhalb seines Werkes in besonderem Maße gewidmet hat. Sein vorletzter Spielfilm Die Frau nebenan aus dem Jahre 1981 mit Gérard Depardieu und François Truffauts damaliger Freundin Fanny Ardant in den Hauptrollen erzählt die fatale Liebesgeschichte eines einst gescheiterten Paares, das sich acht Jahre nach der Trennung in schicksalshafter Zufälligkeit erneut begegnet – und wiederum heftig füreinander entflammt.
Mit seiner Frau Arlette (Michèle Baumgartner) und seinem kleinen Sohn Thomas (Olivier Becquaert) hat sich der Ingenieur Bernard Coudray (Gérard Depardieu) in einem Dorf nahe Grenoble ein frohes und entspanntes Leben eingerichtet. Als das Nachbarhaus an die Bauchards (Fanny Ardant, Henri Garcin) vermietet wird, muss Bernard bald mit dumpfem Entsetzen feststellen, dass es sich bei der schönen Mathilde Bauchard um seine ehemalige große Liebe handelt, deren unvermitteltes Auftauchen in seinem alltäglichen Lebensumfeld den mittlerweile gesetzten Familienvater an seine wilden Jahre erinnert und gehörig aus der Fassung bringt.

Während seine Frau Arlette die neuen Nachbarn nichts ahnend als Bereicherung in der ruhigen Gegend begrüßt und rasch eine Einladung zum Abendessen arrangiert, ist der zutiefst verunsicherte Bernard bemüht, den Kontakt zu den Bauchards wegen seiner einstigen Bindung zu Mathilde unbedingt zu vermeiden. Mathilde hingegen ist offensichtlich daran interessiert, Bernard zu begegnen, und während sie anfangs seine Nähe sucht, bis es erneut zu heimlichen Intimitäten zwischen ihnen kommt, zieht sie sich zurück, als Bernard wieder für sie erglüht, so dass sich eine ebenso gespannte wie brisante und zunehmend für beide unerträgliche Situation anbahnt ...

Eingebettet in eine erst nach Abschluss der allgemeinen Dreharbeiten entstandene Rahmenhandlung, innerhalb welcher die von Liebe und Leben gezeichnete Madame Odile Jouve (Véronique Silver), die längst ihren Seelenfrieden gefunden hat und erfolgreich einen Tennisplatz in der Gegend betreibt, die tragische Geschichte von Mathilde, Bernard und ihren unglückseligen Partnern erzählt, hat François Truffauts ein intensives, minimalistisch angelegtes Drama um die Unmöglichkeit einer allzu verstrickenden Liebe inszeniert, das in seiner unaufhaltsamen Ausrichtung auf notwendige Erlösung auf eine Katastrophe zusteuert.

Die thematische Verwobenheit von Liebe, Begierde, Obsession und Tod wird hier nicht auf spektakuläre, sondern auf eine mitunter geradezu sanfte Weise angedeutet, und es wird die Option der strikten Trennung als Hoffnung auf Heilung durchgespielt, wobei es lediglich eines kleinen, unbedachten Moments des Nachlassens bedarf, um die Situation der quälenden Liebe letztlich eskalieren zu lassen. Dass in diesem Zustands des Leidens irgendwo auch ein starker, geradezu existentieller Augenblick des Genusses verortet sein muss, könnte eine der Botschaften darstellen, die dieser äußerst ernsthafte und lakonisch angelegte Film im Verborgenen transportiert.

Die Frau nebenan

Es ist das Territorium der meist außergewöhnlich extremen, komplizierten Liebesbeziehungen jenseits bürgerlicher Moralitäten, dem sich der französische Filmemacher François Truffaut innerhalb seines Werkes in besonderem Maße gewidmet hat.
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