Ein riskanter Plan

Ein riskanter Plan

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein Mann an der Kante

Entschlossen wirkt dieser Mann, der sich eines Morgens im 21. Stock des New Yorker Roosevelt Hotel einquartiert, ein üppiges Mahl mit Champagner bestellt, nach dem Essen seine Fingerabdrücke beseitigt, sich kurz im Bad erfrischt, eine Notiz auf dem Tisch hinterlässt, sich angespannt sammelt und dann nach draußen auf die Fensterbank steigt, wo er sich offensichtlich auf einen längeren Aufenthalt in schwindelnder Höhe über dem tödlichen Abgrund der Straße postiert. In Rückblicken erfährt der Zuschauer, dass es sich dabei um den ehemaligen Cop Nick Cassidy (Sam Worthington) handelt, der eine lange Haftstrafe angetreten und anlässlich eines Freigangs zur Beerdigung seines Vaters geflüchtet ist. Rasch installiert die Polizei in großem Stil das übliche Rettungsszenario unten auf der Straße und im Hotel, wobei bald deutlich wird, dass Cassidys vorgetäuschte Suizidabsichten tatsächlich einen geschickt ausgeklügelten Plan verfolgen, um seine Unschuld an dem Diamantenraub zu beweisen, für den er verurteilt wurde. Zu seiner psychologischen Betreuung fordert er die Polizei-Spezialistin Lydia Mercer (Elizabeth Banks) an, die im Verlauf der Verhandlungen und ihrer Nachforschungen auf die nachhaltige Ahnung verfällt, dass Cassidy durchaus Opfer einer bösartigen Intrige ist.
Mit wohl dosierter Enthüllung der komplexen Hintergründe der Geschichte, der Installation von mehreren aufeinander zulaufenden Handlungssträngen und der visuellen Kraft von gefährlich-knappen Waghalsigkeiten erzeugt Ein riskanter Plan eine dynamische, dichte Spannung, die auf das emphatische Mitfiebern des Zuschauers zielt. Dabei flankieren bei Zeiten schnoddrig-stilisierte Dialoge das dramatische Geschehen, dessen Protagonisten zwar in ihren Verbindungen und Verstrickungen allmählich gründlich gezeichnet werden, aber durch ihr oftmals wenig konzentriertes Zusammenspiel nur punktuell überzeugen, wobei das agile Pärchen Jamie Bell als Cassidys Bruder Joey und Genesis Rodriguez als seine sexy Gefährtin Angie sicherlich eine ansprechende Ausnahme darstellt. Die Umsetzung von ansprechenden Details scheitert mitunter an ihrer umständlichen Darstellung, die zu selten auf ihre ohnehin inhärenten Effekte vertraut, was sich allerdings im Zulauf auf das pfiffige, pointierte Finale glücklicherweise verliert.

Mit seinem Spielfilmdebüt liefert der dänische Regisseur und Werbefilmer Asger Leth, der sich mit seiner Dokumentation Ghosts of Cité Soleil von 2005 bereits einen Namen gemacht hat, spannende Unterhaltung mit einem gehobenen Anspruch, der sich jedoch nur in Ansätzen tatsächlich ausbreitet. Ein riskanter Plan spielt zwar geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers und platziert durchaus einige wirkungsvolle Ablenkungen, aus denen spätere Überraschungen hervorgehen, aber die atmosphärisch wie inhaltlich erscheinenden Lapsus verhindern letztlich eine Begeisterung jenseits des allzu Bekannten auf diesem Terrain der hintergründigen Actionfilme. Gedreht wurde der Krimi in der Madison Avenue in Manhattan rund um das real existierende Roosevelt Hotel, das bereits die Kulisse für einige berühmte Filme wie The French Connection, Aus Mangel an Beweisen / Presumed Innocent und Malcolm X abgab.

Ein riskanter Plan

Entschlossen wirkt dieser Mann, der sich eines Morgens im 21. Stock des New Yorker Roosevelt Hotel einquartiert, ein üppiges Mahl mit Champagner bestellt, nach dem Essen seine Fingerabdrücke beseitigt, sich kurz im Bad erfrischt, eine Notiz auf dem Tisch hinterlässt, sich angespannt sammelt und dann nach draußen auf die Fensterbank steigt, wo er sich offensichtlich auf einen längeren Aufenthalt in schwindelnder Höhe über dem tödlichen Abgrund der Straße postiert.
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