Die Agentin (2019)

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Der Versuch eines Psychogramms einer Britin, die undercover für den Mossad in Teheran arbeitet, ist „Die Agentin“. Ist er geglückt?

Die Agentin (2019)

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Undercover in Teheran

„In einem Krieg sterben Unschuldige“ ist tatsächlich ein Satz, der in Die Agentin gesagt wird. Und der sich im Grunde genommen nur in eine Vielzahl von Plattitüden und Stereotype reiht, die in diesem Film präsentiert werden. Erzählt wird die Geschichte von Rachel, einer Britin, die von dem Mossad angeworben wird, um letztlich in Teheran zu spionieren. Dabei soll dieser Film anfangs mehr eine Charakterstudie als ein Spionagethriller sein, aber ganz ohne Verfolgungsjagden und Einbrüche, die gerade so eben glimpflich ablaufen, geht es nicht. Und auch ohne vieles andere nicht. 

Die Grundidee ist eigentlich spannend: Was bringt eine Frau dazu, für einen Geheimdienst zu arbeiten, der nicht der Geheimdienst ihres eigenen Landes ist? Darin besteht auch der größte Anlass des Misstrauens des Mossad gegenüber Rachel (Diane Kruger): Sie ist ja noch nicht einmal Jüdin, sondern weicht Fragen nach ihrer Religion aus und sagt lediglich, ihr Vater sei Halbjude. Alles andere macht sie zu einer idealen Kandidatin: Sie spricht Englisch, Französisch und Deutsch dank einer deutschen Mutter, einem britischen Vater und einer Kindheit, in der sie ständig umgezogen ist. Sie ist nirgends verwurzelt, hat keine starken Bande zu anderen Menschen oder einem Ort. Deshalb ist ihr Kontaktmann Thomas (Michael Freeman) auch überzeugt, dass sie eine Verstärkung wäre. Dass sie eine gute Agentin werden könnte. 

Über Rachels Motive wird indes kaum etwas gesagt: Sie hat einst mit kleinen Aufträgen angefangen und arbeitet sich nun hoch. Irgendwann wird sie sich in Teheran etabliert haben und sich mit Farhad bekannt machen, einem Mann, der ein Elektronikunternehmen leitet und deshalb für dem Mossad interessant ist. Leider verläuft all das für das Publikum mit recht wenig Spannung, denn am Anfang des Films ist Rachel abgehauen, der Mossad sucht sie selbst, damit ist aber klar, dass sie all ihre Aufträge irgendwie erfüllt hat. Und damit fragt man sich zu keiner Zeit, wie sie aus bestimmten Situationen herauskommt, man weiß ja, dass sie es schafft. Außerdem beruhigt uns ja der permanente Kommentar von Thomas aus dem Off, der als so eine Art Erzähler fungiert – und auch als ein Mann, der uns die Geschichte einer Frau erzählt. 

Deshalb kann Diane Kruger auch spielen wie sie will – und sie liefert eine überzeugende Leistung an, reduziert, kontrolliert, sie wirkt sehr nüchtern, in einer Rolle, in der sie eine Figur spielt, die sich in verschiedene Umgebungen unauffälilg bewegen soll. Aber das verhindert nicht, dass das Drehbuch von Regisseur Yuval Adler – basierend auf dem Roman The English Teacher von Yiftach Reicher Atir – mal wieder das erzählt, was immer von Agentinnen erzählt wird: Natürlich wird sich Rachel auf Fahad sexuell einlassen und natürlich sind ihre männlichen Kollegen irritiert, erzürnt – wie kann sie es wagen?. Aber das ist keine kalkulierte Entscheidung von ihr, sondern natürlich sind Gefühle im Spiel. Sie wird vergewaltigt. Eine Abtreibung wird ihr zum Verhängnis. Natürlich hat sie daddy issues.

Das ist klischeehaft und langweilig. Anstatt also endlich mal die Geschichte einer Agentin zu erzählen, die ihren Job erledigt, bleibt Die Agentin bei Klischees. Immerhin aber sorgt die überwiegend biedere Inszenierung dafür, dass sie nicht von vorneherein als verführerische Femme fatale ins Bild gesetzt wird. Aber warum sie dann am Ende doch irgendwie einen Retter braucht, obwohl sie doch selbst jemanden retten will, das fragt man sich schon. 

Die Agentin (2019)

Diane Kruger spielt eine Agentin namens Rachel, die für den israelischen Geheimdienst Mossad im Iran spioniert und spurlos verschwindet. Martin Freeman mimt einen früheren Betreuer, der sich auf die Suche nach ihr macht.
 

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