Blood Ties

Blood Ties

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Bruderzwist

Ist das nun schon ein erster Trend in Cannes oder doch eher Zufall? Jedenfalls ist mit Guillaume Canets Blood Ties schon der zweite Film (neben Arnaud Desplechins Jimmy P. (Psychoanalysis of a Plains Indian)) auf einem prominenten Programmplatz, bei dem ein französischer Regisseur einen in den USA angesiedelten Film realisiert hat. Laufen der Grande Nation der Cinephilie nun etwa die Filmemacher weg? Oder lockt einfach nur die Aussicht, mit Hollywood-Stars wie Benicio Del Toro (wie bei Desplechin) oder Zoe Saldana und Clive Owen (wie im Falle Canets) zusammenarbeiten zu können?
Wie dem auch sei - Blood Ties versammelt neben bekannten US-Schauspielern auch eine sehenswerte europäische Besetzung, die unter anderem Matthias Schoenaerts und Marion Cotillard umfasst, die letztes Jahr ja bereits bei Jacques Audiards Der Geschmack von Rost und Knochen brillierten. Wobei dem Traumpaar des letzten Cannes-Jahrgangs in Blood Ties nicht viel Raum für schauspielerisch Herausragendes bleibt - dazu stehen andere Akteure zu sehr im Mittelpunkt. Und das liegt vor allem an der Geschichte, die 2008 schon einmal unter dem Titel Les liens du sang von Jacques Maillot verfilmt wurde.

Blood Ties ist im New York der 1970er Jahre angesiedelt, was unter anderem dazu führt, dass man hier Clive Owen erstmals mit lustigen Koteletten und in Anzügen bewundern kann, für deren Farbton es heute keine adäquate Beschreibung mehr gibt. Und die Hemden erst... Doch zurück zur Geschichte, die selbst jenen Zuschauern, die das französische Original nicht kennen, seltsam vertraut vorkommen dürfte: Zwei Brüder, Chris (Clive Owen) und Frank (Billy Crudup) stehen auf verschiedenen Seiten des Gesetzes. Während Chris gerade erst nach einer langjährigen Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen wurde und es zunächst auf legalem Weg versucht, wieder Tritt zu fassen, ist Frank Polizist geworden. Als Chris wieder rückfällig wird, steht sein Bruder vor der schwierigen Entscheidung, ob er seinen Bruder decken oder seine Pflicht erfüllen soll.

Natürlich ist das Verhältnis der beiden Brüder viel verzwickter, der Plot in seinen guten Momenten vielschichtiger und in seinen schlechten langatmiger, doch ehrlich gesagt erübrigt sich in diesem Fall eine ausführliche Beschreibung des Inhalts, weil die Geschichte die Kain und Abel-Story mit unendlich vielen Umwegen und Schnörkeln eins ums andere Mal durchdekliniert und dem Konflikt kaum wirklich neue und überraschende Aspekte abgewinnen kann. Und weil der Plot schon so dünn ist, müssen eben ausgedehnte Schießereien und Verfolgungsjagden mit herrlichen Straßenkreuzern der 1970er (allein beim Anblick der Straßenlage wird einem schon kotzübel) den Film aufpeppen und auf die gewaltige Laufzeit von 144 Minuten bringen. Eigentlich schade, dass bei einem Film mit so vielen Stars von dies- und jenseits des großen Teiches nicht mehr herausgekommen ist als ein mittelprächtiges Crime-Drama mit seltsamen Frisuren, komischen Klamotten und einem Clive Owen, der von Anfang bis Ende aussieht, als habe er sich auf dem Weg zu einer total töften 1970er-Motto-Sause auf ein Filmset verlaufen.

Blood Ties

New York, 1970er-Jahre: Zwei Brüder, Chris (Clive Owen) und Frank (Billy Crudup) stehen auf verschiedenen Seiten des Gesetzes. Während Chris gerade erst nach einer langjährigen Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen wurde und es zunächst auf legalem Weg versucht, wieder Tritt zu fassen, ist Frank Polizist geworden. Als Chris wieder rückfällig wird, steht sein Bruder vor der schwierigen Entscheidung, ob er seinen Bruder decken oder seine Pflicht erfüllen soll.
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