Spione Undercover - Eine wilde Verwandlung (2019)

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Der beste Agent der Welt braucht sicherlich keinen als Spinner geltenden Tüftler an seiner Seite, der ihn mit Glitzerstaub und anderen lachhaften Gadgets versorgt. Oder doch?

Spione Undercover - Eine wilde Verwandlung (2019)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Heldenklischees brechen im Glitzerstaub

Jedes Kind weiß, was ein cooler Agent braucht, nämlich gutes Aussehen, einen schicken Sportwagen und die neuesten Gadgets. Bei letzteren sollte es sich allerdings um ernstzunehmende Werkzeuge und Waffen handeln, nicht um Utensilien, die nur ein Spinner entwickeln würde, wie Glitzerstaub, der putzige Katzenbilder in die Luft projiziert. In der Washingtoner Geheimdienstzentrale, die Lance Sterling, den besten Agenten der Welt, beschäftigt, arbeitet der junge Wissenschaftler Walter Beckett, der im Ruf steht, ein Spinner zu sein. Einmal nur trinkt der coole Agent in dessen Haus aus dem falschen Glas – und schon hat er sich in eine Taube verwandelt.

Die animierte Agentenkomödie von Blue Sky Studios (Ice Age) macht sich einen Spaß daraus, Klischees aus der Welt von James Bond und anderen filmischen Spionagehelden zu attackieren. Vor allem bürsten die Regisseure Troy Quane und Nick Bruno in dieser Geschichte, die auf dem animierten Kurzfilm Pigeon: Impossible aus dem Jahr 2009 basiert, die genretypische Coolness gegen den Macho-Strich. Wer glaubt, der langbeinige Lance mit dem breiten Brustkorb und dem schicken Bärtchen ähnele auffallend Will Smith, irrt nicht. Der Schauspieler, der immer wieder gerne in Actionfilmen auftritt (Men in Black-Filme, Gemini Man), leiht Lance in der englischen Originalversion sogar seine Stimme.

Die Komödie will das Genre allerdings nicht einfach parodieren, sondern gliedert sich ihm, mit eigener Handschrift, selbst ein. Auch hier findet also eine turbulente Agentenaction statt, bei der es nicht zimperlich zugeht. Sie ist eher etwas für größere Kinder, die einer komplexen Handlung folgen können und die bereits eine Vorstellung von coolen filmischen Agenten haben.

Am Anfang des Films sieht man Walter, der als Kind zuhause Erfindungen austüftelt. Sie sollen seiner Mutter, einer Polizistin, den Dienst erleichtern. Sie tröstet ihn, weil ihn die anderen Kinder als Spinner bezeichnen und ermutigt ihn, weiterzumachen. Eines Tages, sagt sie, werde er mit seinen Erfindungen für die Sicherheit der ganzen Welt sorgen. 14 Jahre später setzt die Haupthandlung ein. Der hochbegabte Walter entwickelt als einer unter vielen Lances Gadgets, wird aber von diesem schon bei der ersten Begegnung gefeuert. Auch Lance hält ihn nämlich für einen Spinner, weder will er Walters Glitzerstaub, der glücklich macht, noch die „aufblasbare Umarmung“.

Aber Lance steht selbst gerade mit dem Rücken zur Wand. Er ist von einer kampflastigen Mission statt mit der gesuchten Killerdrohne, mit einem Koffer zurückgekehrt, der sich als leer erweist. Agentin Marcy Kappel von der internen Revision legt eine Aufnahme vor, auf der Lance scheinbar als Dieb enttarnt wird. Bevor Lance festgenommen wird, läuft er davon, um den Fall aufzuklären. Er ahnt, dass der Superschurke Robohand hinter der Sache steckt. Aber wie soll er seinen Verfolgern entkommen? Hatte nicht Walter vorhin erwähnt, er arbeite an einer neuen Tarntechnologie, die Menschen verschwinden lassen kann?

Und so kommt es, dass Lance bei Walter daheim versehentlich aus einem Reagenzglas trinkt und dem Tüftler den Beweis liefert, dass seine Erfindung funktioniert. Denn Lance ist nun eine Taube, und als solche kann er sich sogar unters böse Volk mischen. Niemand würde Notiz von einer Taube nehmen, der Agent ist praktisch unsichtbar. Dumm nur, dass eine Taube so gar kein cooler Vogel ist und dass Lance nur trippeln, aber nicht fliegen kann. So muss der Held, der sonst immer allein arbeitet, in den sauren Apfel beißen und Walter erlauben, ihn zu begleiten. Zu allem Überfluss hat der geschockte Lance dann auch noch drei – echte — Tauben im Schlepptau, die ihn als einen der ihren betrachten.

Immer häufiger rückt in der öffentlichen Diskussion und auch im Film ein friedliebender Zeitgeist den starken, kriegerischen Typen, die sich für unbesiegbar halten, zu Leibe. In Drachenzähmen leicht gemacht sträubte sich ausgerechnet der Sohn des grimmigen Wikingerhäuptlings gegen das Weltbild des Stammes, wonach die Drachen als Erzfeinde unbedingt getötet gehören. In den Hotel Transsilvanien-Filmen musste sich Dracula mit dem Menschengeschlecht arrangieren, denn seine Tochter heiratete einen Sterblichen und schenkte ihm einen Enkel, der nicht im Entferntesten an einen Vampir erinnerte.

Nun ist es also auch für den besten Agenten der Welt an der Zeit, seine Werte zu überprüfen. Nicht nur ist der Kalte Krieg längst zu Ende und mit ihm das klare Feind-Freund-Denken, das es dem Agentenfilmgenre einst so leicht machte, den Helden auf der richtigen Seite zu platzieren. Auch die traditionellen Männlichkeitsideale befinden sich auf dem Rückzug, aber Lance hat davon noch nichts bemerkt. Er glaubt, dass nur der ein Held ist, der auf Leben und Tod kämpft. Die Bösen gehören vernichtet, zum Schutze der Menschheit. Aber Walter – schon von seiner jungenhaften Physiognomie her ähnelt er entfernt dem Häuptlingssohn Hicks aus Drachenzähmen leicht gemacht — findet das nicht. Er stellt überhaupt infrage, dass sich die Menschen in die Guten und die Bösen einteilen lassen. Gerade in der Welt der internationalen Spionage mutet solch eine pauschale Zuordnung ja auch regelrecht absurd an.

Die visuelle Gestaltung vermittelt einen schnittigen Eindruck, der gut zum temporeichen Geschehen und dem immer wieder verhandelten Thema des Coolseins passt. Die Devise scheint zu lauten, besser kantig als lieblich. Für Besinnliches, das den Charakteren mehr Charme und Tiefe verleihen könnte, gibt es kaum Platz. Leider kommt vor lauter Action, die ja irgendwie selbst cool sein will, auch die Komik etwas zu kurz. Echten Slapstick, überraschende Momente, in denen die Figuren ihre Selbstkontrolle verlieren, gibt es wenige und diese werden dann noch von einer Dialoglastigkeit, die zur Schlaumeierei neigt, überlagert.

Auf jeden Fall stellt sich heraus, dass der nerdige, auf Ausgleich, Versöhnung und unerhört unglamouröse Gadgets setzende Walter auf seine Weise ebenfalls ganz schön cool ist. Die originelle Idee, den Mythos des klassischen Superagenten mit einem längst fälligen Wertewandel zu konfrontieren, sorgt jedenfalls für quirlige, zuweilen pfiffige Kinounterhaltung für das junge Publikum.

Spione Undercover - Eine wilde Verwandlung (2019)

Superspion Lance Sterling ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Wissenschaftler Walter Beckett. Lance ist cool, charmant und geschickt. Walter ist… es nicht. Was Walter im Bereich Sozialkompetenz fehlt, macht er durch Erfindungsreichtum und Intelligenz wieder wett. Sein wissenschaftliches Genie erfindet die Gadgets, die Lance bei seinen abenteuerlichen Missionen nutzt. Als die Ereignisse eine unvorhergesehene Wendung nehmen, müssen sich Walter und Lance plötzlich auf völlig andere Art und Weise aufeinander verlassen. Und wenn dieses seltsame Pärchen nicht lernt als Team zu arbeiten, ist die gesamte Welt in Gefahr. 

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Meinungen
Jetta · 19.01.2020

Der Film ist schon sehr cool aber teilweise mit sehr langen unnötig gewalttätigen Szenen durchzogen. FSK 6 ist sicher nicht gegeben wenn mit eine Roboterhand Köpfe zerquetscht werden. Auch die Verwandlung des Bösewichts "Roboterhand" ist zu genau und furchteinflößend dargestellt.
Dafür waren die Waffen Schmusetuch und Klebeschleim oder die glitzerkätzchen wirklich großartig.

Kommentare

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