Plan A - Was würdest du tun? (2021)

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Max schließt sich einer Gruppe anderer KZ-Überlebender an, die Rache am deutschen Volk üben wollen und dafür einen perfiden Plan entwickelt haben. Zur Grundlage ihres Thrillerdramas nehmen Doron und Yoav Paz das Buch von Dina Porat über die realexistierende Nakam-Gruppierung.

Plan A - Was würdest du tun? (2021)

Eine Filmkritik von Teresa Vena

Vereitelter Racheplan

Was die israelischen Brüder Doron und Yoav Paz 2015 mit ihrem Horrorthriller „JeruZalem“ vorgelegt haben, war etwas Außergewöhnliches. Sie entwickeln im Film ein Endzeitszenario, das die Stadt Tel Aviv zum Schauplatz hat. Hier gehen wortwörtlich die Tore zur Hölle auf, blutrünstige Zombies und andere beflügelte Kreaturen legen die Stadt in Schutt und Asche, die Menschen werden von ihnen brutal ermordet, nur wenigen gelingt die Flucht. Die eigentliche Innovation des Films bestand darin, dass die gesamte Handlung über das Gesichtsfeld der Protagonistin beobachtet wird, die eine Google-Brille anhat. Mit zunehmendem Chaos häufen sich auch die Störungen der digitalen Brille, weswegen sich unkontrolliert Internetseiten öffnen, YouTube-Videos abgespielt werden und die Sprachsteuerung kollabiert. Das Regiedebüt der Brüder Paz zeichnet sich durch Mut zur Originalität und einer gewissen Selbstironie aus.

Mit Plan A legen sie aber einen Film vor, der ganz anderer Natur ist. Von der beschriebenen visionären Kraft des erwähnten Werks ist in ihrem neuen nicht mehr viel zu spüren. Das visuelle Konzept und die Erzählform machen einem weit klassischeren, konventionelleren Resultat Platz. Und das, obwohl es die Autoren am Willen zu scheinbarer Originalität, geradezu Exaltiertheit der Aussage in Aspekten der Ausstattung und des Spiels nicht fehlen lassen.

Das zeigt sich zum Beispiel in der Farbgebung. Das Bild dominiert eine Palette aus meist satten Farben und verschiedener Erd- und Grautöne, die in den Pflastersteinen einen fast metallisch-glänzenden Einschlag haben, in den Schutthaufen der Bebauung zu finden sind sowie in der abgewetzten Kleidung und in den blassen, immer leicht verstaubten Gesichtern. Dazu kommen eine meist spärliche Beleuchtung und viele Nachtszenen.

Was als erstes bei Plan A auffällt, und leider lässt sich das im Laufe des Films nicht mehr richtig vergessen, ist die gleiche Grundirritation, wie sie alle Hollywoodfilme erzeugen, die sich vornehmen, eine historische Epoche in einem nicht-englischsprachigen Land zu besprechen, die Handlung dann aber in Englisch wiederzugeben. Bei den Paz-Brüdern kommt erschwerend hinzu, dass fast alle ihre Darsteller nicht-englischsprachig sind, einige von ihnen hätten auf Deutsch spielen können, allen voran August Diehl, der eine der Hauptfiguren übernimmt. Es stellt sich die Frage nach dem Sinn des Vorhabens. Das Gefühl des Unechten und Gekünstelten, das die Sprechsprache im Film erzeugt, ist der erzählten Geschichte, die eigentlich eine sehr emotionsgeladene ist, nicht zuträglich. Vielmehr schafft es eine Distanz, die wohl nicht beabsichtig ist.

Es ist gerade Kriegsende, die deutschen Städte räumen langsam auf, die Juden, die die Konzentrationslager überlebt haben, suchen entweder nach ihren Familienangehörigen oder übersiedeln in großer Zahl nach Israel. Max (August Diehl) wurde von seiner Frau und seinem Sohn getrennt. Sein Haus ist längst von einer anderen deutschen Familie besetzt, wie sich herausstellt, war sie es, die Max bei der Gestapo verraten hatte. Mit einem selbstgezeichneten Steckbrief sucht er nach seiner Familie. Aufgegriffen von Soldaten der britischen Armee kommt er in ein Zwischenlager, wo eine Frau sofort auf den Steckbrief reagiert und Max leider mitteilen muss, dass er nicht mehr weitersuchen braucht. Diese kurze Episode dient dazu, das Gefühl der Verzweiflung, Verletzung und der Wut in der Hauptfigur zu zementieren. Ab dann ist der Zuschauer einigermaßen bereit, ihm seinen Rachewunsch zuzugestehen.

Auch wenn man den Ausgang der Geschichte, auf der Plan A basiert kennt, hält sie einen wie ein Thriller im Bann. 1945 formierte sich unter dem Namen Nakam eine Gruppe osteuropäischer Juden um den Anführer Abba Kovener (Ishai Golan), die meisten Überlebende von KZs, die den Plan A entwickelte, um sich an der deutschen Bevölkerung für die Verfolgung und Ermordung der Juden zu rächen. Sie wollten Gift in das Trinkwasser verschiedener deutscher Städte mischen und dabei möglichst viele Menschen in den Tod schicken. Der Plan wurde vereitelt.

In den letzten Zweidritteln des Films geht es um die Vorbereitungen des Plans. Max schleust sich als Spion der Jüdischen Brigade, die von der Terrorzelle erfahren hat, in die Nakam ein. Er schafft es, das Vertrauen der Mitglieder, wovon einer von ihnen von Nikolai Kinski gespielt wird, zu gewinnen und sich als Mitarbeiter bei den Wasserwerken der Stadt anstellen zu lassen. Die Szenen in den Anlagen der Trinkwasserversorgung gehören zu den spannendsten des Films. Hier, in diesen fast ehrfürchtig stimmenden Schächten und Hallen, kommen in den scheinbar banalen Dialogen zwischen Max und seinem Arbeitskollegen die eindrücklichsten und ehrlichsten Gedanken zum Ausdruck. Es ist schade, dass Plan A dem nicht etwas mehr Raum gelassen hat. Stattdessen hätte eine Kürzung der sich oft wiederholenden Streitgespräche zwischen den Mitgliedern der Nakam, oder gar die bemüht wirkende Liebesgeschichte mit angeschlossener peinlicher Sexszene zwischen Max und Ana (Sylvia Hoeks), nicht geschadet.

Sowohl den Auftakt als auch den Abschluss des Films machen folgende Sätze, mit denen sich August Diehl aus dem Off an die Zuschauer wendet: „Stell dir vor, deine Familie wurde ermordet. Deine Brüder, Schwestern, Eltern, deine Kinder, jeder. Ermordet, ohne Grund. Frag dich, Was würdest du tun?“. Durch die Wiederholung macht es einem der Film nicht einfacher, seine Intention einzuordnen. Plädiert er für Verständnis für seine Protagonisten? Möchte er aufzeigen, was Verzweiflung und Hass aus Menschen macht, die nichts mehr zu verlieren haben? Möchte er vielleicht das Bild des wehrlosen Juden revidieren, der sich nicht genug gegen die Misshandlung durch die Nazis gewehrt hat, wie es auch einmal im Laufe des Films in einem Gespräch suggeriert wird?

Plan A - Was würdest du tun? (2021)

PLAN A basiert auf einer unfassbaren, beinahe unbekannten und wahren Geschichte, die gleichermaßen berührt und schockiert. 1945 plant eine Gruppe Holocaust-Überlebender die größte Racheaktion der Geschichte: „Tochnit Aleph/Plan A“: Für jeden ermordeten Juden soll ein Deutscher sterben. 

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