Free Guy (2021)

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Als ein anspruchsloser Bankangestellter seine Traumfrau trifft, begreift er, dass er eine Hintergrundfigur in einem Videospiel ist. Die Prämisse hat Pfiff, Ryan Reynolds versprüht Charme. Und spektakuläre Bilder gibt es zuhauf. Rundum überzeugen kann der Meta-Spaß „Free Guy“ trotzdem nicht.

Free Guy (2021)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Gegen alle Regeln

Sind wir in die Welt von „The LEGO Movie“ zurückgekehrt? Bloß dass nun echte Menschen statt animierter Minifiguren durch die Gegend laufen? Während der Einstiegsszenen zur Actionkomödie Free Guy drängt sich dieser Eindruck mit aller Macht auf. Ähnlich wie in dem Bausteinhit aus dem Jahr 2014 führt uns der Protagonist, in diesem Fall der Bankangestellte Guy (Ryan Reynolds), in sein Umfeld und seinen perfekt durchstrukturierten – man kann auch sagen: monotonen – Alltag ein: Morgens gut gelaunt aufstehen, dem Goldfisch „Hallo“ sagen, auf dem Weg zur Arbeit stets den gleichen Kaffee kaufen und allen Menschen einen großartigen Tag wünschen. 

Guy, der ein Doppelgänger des durchschnittlichen, stets positiv gestimmten Bauarbeiters Emmet aus dem Lego-Streifen sein könnte, stört sich, wie viele andere Passant*innen, erstaunlicherweise nicht daran, dass ständig Hubschrauber durch die Hochhausschluchten von Free City donnern, auf den Straßen immer wieder halsbrecherische Verfolgungsjagden stattfinden, andauernd scharf geschossen wird und eigentlich permanent irgendetwas explodiert. Die regelmäßigen Überfälle auf seine Bank nimmt er mit routinierten Gelassenheit hin, wirft sich auf den Boden und hält mit seinem besten Freund, dem Sicherheitsmann Buddy (liebenswert: Lil Rel Howery), einen kleinen Plausch. Das Leben in der Stadt läuft nach festen Regeln ab, zu denen auch folgende gehört: Einfache Menschen wie Guy lassen Sonnenbrillenträger*innen in Ruhe. Denn nur diesen Zeitgenoss*innen ist es vorbehalten, verrückte oder heldenhafte Dinge zu tun. 

Eine weitere Parallele zu The LEGO Movie zeigt sich in dem Moment, als Guy aus dem Rahmen ausbricht. Nicht nur der oben erwähnte Emmet trifft auf eine geheimnisvolle Frau und steckt plötzlich mitten in einem aufregenden Abenteuer. Auch den anspruchslosen Kassierer, der insgeheim davon träumt, eine Partnerin zu finden, bringt die Begegnung mit der taffen, sonnenbebrillten Molotov Girl (Jodie Comer) völlig aus der Fassung. Das Ergebnis: Auf einmal weicht er von seinen Gewohnheiten ab und sorgt so zunehmend für Verwirrung in seiner Umgebung. 

An diesem Punkt darf man, da es auch der Trailer preisgibt, verraten, dass Guy lediglich ein sogenannter non-player character, kurz NPC, ist. Eine Hintergrundfigur in einem Open-World-Videogame namens „Free City“, die von Spielern nicht gesteuert werden kann. Molotov Girl wiederum ist die Avatarin der real existierenden Millie, die in der Welt des an die Hits Grand Theft Auto und Fortnite angelehnten Spiels nach einem wichtigen Hinweis suchen will. Anders als ihr früherer Kumpel Keys (Joe Keery) glaubt sie nämlich fest daran, dass der „Free City“-Schöpfer Antoine (karikaturenhaft: Taika Waititi) ihren einst als Duo entwickelten Code für sein Game gestohlen hat. Das Auftreten von Molotov Girl und die Aussicht auf eine spannende Mission lassen Guy keine Ruhe.

Wollte man den von Shawn Levy (Prakti.com) inszenierten Film knackig zusammenfassen, könnte man ihn als Mischung aus The Lego Movie, Steven Spielbergs Romanadaption Ready Player One und Peter Weirs Mediensatire Die Truman Show beschreiben. Mit Ersterem teilt Free Guy die Anlage der Hauptfigur. Ebenso wie im zweiten Referenzwerk wird wild mit Popkulturversatzstücken jongliert. Und an Letzteren erinnert die Metastruktur der Erzählung, in der ein Unwissender Erschütterndes über seine Existenz herausfindet. 

Levys Regiearbeit hält das Tempo von den ersten Momenten an hoch, nutzt Guys Bewusstwerdung und Wandlung für eine Reihe gelungener Späße, etwa eine Und täglich grüßt das Murmeltier-Montage, kann mit einem spielfreudigen Ryan Reynolds (auch als Produzent involviert) punkten, der den Wechsel vom naiven Normalo zum Actionhelden sympathisch rüberbringt, und fährt visuell einiges auf, um das Publikum in die Geschichte hineinzuziehen. Als Guy beispielsweise zum ersten Mal eine Sonnenbrille aufsetzt, sieht er seine Stadt so, wie nur die richtigen „Free City“-Spieler sie sehen können: An jeder Ecke blinken bunte Items zum Einsammeln auf. Wiederholt springen wir zudem aus dem Spiel in die Realität, aus der Millie stammt, und schauen Fans des Games, darunter echten Branchengrößen wie der Bloggerin Pokimane, über die Schulter. Reynolds und Co. erscheinen dann animiert wie in einem richtigen Videospiel. 

Zweifellos ist Free Guy in vielen Passagen unterhaltsam. Beklagen kann man aber schon, dass die Macher*innen aus ihrer spritzig-originellen Ausgangsidee bei weitem nicht alles, was möglich gewesen wäre, herausholen. Dass hinter Guy eben kein realer Spieler steht, dass er bloß ein programmierter Funktionsträger ist, sorgt an einer Stelle für emotionale Zwischentöne. Ernsthaft ergründen will der Film diese schmerzhafte Identitätserkenntnis allerdings nicht. Die Idee eines NPC, der unverhofft gegen den Algorithmus verstößt und aktiv zu handeln beginnt, hat großen Reiz, dient aber zumeist nur als Antriebsstoff für eine spektakuläre Actionshow mit flotten, selbstironischen Sprüchen. Eine existenzielle Nachdenklichkeit, wie sie Die Truman Show erreicht, ist hier trotz der Verzahnung zweier narrativer Ebenen nicht gegeben. 

Die genannte Punkte ließen sich noch verschmerzen. Am Ende bleibt jedoch ein leicht fader Nachgeschmack zurück, weil Free Guy bei anderen Aspekten massiv schludert. Die in die Handlung eingefügten romantischen Motive werden von Klischeevorstellungen angetrieben und berühren daher nur wenig. Auch wenn Millie als Gamedesignerin eingeführt wird und in Gestalt ihrer Avatarin ein ums andere Mal ihre Kampfqualitäten unter Beweis stellen darf, stutzt sie das Drehbuch Schritt für Schritt zurück. Mehrfach kommt sie nur mit technischer Hilfe von außen weiter. Und im Finale wird sie größtenteils in die Position einer Beobachterin versetzt. Für eine heuchlerische Note sorgt die gegen Ende offen ausformulierte Kritik an der Gewalt in „Free City“. Der eigentlich spannende Einwurf fühlt sich in einem Film, der ausgiebig auf die Krawumm-Karte setzt, irgendwie seltsam an.

Free Guy (2021)

Ein Bankkassierer findet heraus, dass er in Wahrheit in einem Videospiel lebt. 

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Meinungen
Daniel · 22.10.2020

Also ich mag auch solche Filme. Der Film reiht sich gut zwischen Pixels oder Ready Player One.. Ich bin gespannt.

Stephan · 28.06.2020

Wir bestimmt ein Hammer Film! - Ich mag als Gamer solche Filme wie Pixels, Warcraft oder Sonic. Ryan Reynolds ist eh ein Magnet und spielt immer gut. Bin wirklich gespannt auf den Film!

Kommentare