Brave Mädchen tun das nicht (2020)

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In „Brave Mädchen tun das nicht“ wird Lucy Hale auf eine Erkundungstour in die Welt der Erotik geschickt. Wie frivol es dabei wohl zugeht?

Brave Mädchen tun das nicht (2020)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Kampf gegen die eigene Pornophobie

In ihrem Sachbuch Pornology: Der Pornoführer für anständige Mädchen schildert die US-Autorin Ayn Carrillo Gailey einen Selbstversuch: Nachdem sie von ihrem (Ex-)Freund als „pornophobic“ bezeichnet wurde, erkundet sie unter anderem Sexshops, einschlägige Seminare und Stripclubs, um ihre wilde sexuelle Seite zu entdecken. Das 2007 publizierte Werk diente als Vorlage für die Komödie „Brave Mädchen tun das nicht“.

Im Drehbuch von Andrea Marcellus wird aus der Autorin, die vor ihrer Buchveröffentlichung bereits Serienskripts, Magazinbeiträge und Kolumnen verfasst hat, eine Violinistin. Lucy (Lucy Hale) führt seit vier Jahren eine Beziehung mit dem Computerspiel-Tester und Film-Nerd Jeff (Stephen Friedrich). Als dieser merkt, dass Lucy beim gemeinsamen Sex an ihre Einkaufsliste denkt, kommt es zum Streit – und als Lucy herausfindet, dass Jeff Internetpornos konsumiert, dauert es nicht mehr lange bis zur Trennung. Die Probleme des Films setzen hier schon ein; denn wie diese beiden Menschen eine vierjährige Beziehung aufrechterhalten konnten, lässt sich kaum nachvollziehen.

Auch die Entscheidung, aus einer Autorin, die durch den Vorwurf des (Ex-)Partners zum Schreiben über eine sexuelle Entdeckungsreise animiert wird, im Film eine Musikerin zu machen, die plötzlich sämtliche Energie auf die Erkundung einer ihr völlig fremden Welt verwendet, ist suboptimal, da Lucy zu keinem Zeitpunkt zu einer glaubwürdigen Figur wird. Wenn sie etwa in ihrem Schlafzimmer eine beachtliche Sammlung erworbener Sex-Toys aufreiht, mutet das eher bizarr an – insbesondere weil keinerlei Auseinandersetzung (weder lustvoll noch kritisch) damit stattfindet. Dass Lucy in einem riesigen, stets tipptopp aufgeräumten Haus lebt, welches sich offenbar mit ein paar Auftritten ihres Quartetts auf Hochzeitsfeiern finanzieren lässt, mag mit dem Argument abgetan werden, dass dieser Film ein Märchen sein will. Für ein Märchen fehlen allerdings Dramatik und Spannung. Die Dringlichkeit von Lucys Vorhaben vermittelt sich nicht.

Für eine gelungene Komödie wiederum mangelt es Brave Mädchen tun das nicht an Witz. Die Einblicke in den Erotik-Kosmos bleiben sehr oberflächlich und erfüllen in erster Linie den Zweck, Lucy in peinliche Situationen und Erklärungsnot zu bringen. Da Lucy Hale – bekannt aus der Teen-Serie Pretty Little Liars (2010-2017) – nur bedingt über das nötige Comedy-Timing verfügt und das Regie-Brüderpaar Chris und Nick Riedell obendrein alles recht konventionell in Szene setzt, verpuffen die meisten Gags irgendwo zwischen zahmem Slapstick und zurückhaltender Frivolität. Hinzu kommt, dass sich die Geschichte letztlich als ziemlich konservativ entpuppt. Denn bei all ihren Abenteuern stößt Lucy immer wieder auf den attraktiven Grant (Leonidas Gulaptis). Wo das wohl hinführen mag…?

Gleichwohl hat Brave Mädchen tun das nicht auch einige Stärken. Vor allem sind das die Nebenfiguren und deren Darsteller_innen. Sitcom-Star Mindy Cohn (The Facts of Life) bildet zusammen mit Jackie Cruz (Orange Is the New Black) und Adhir Kalyan das restliche Quartett – und etliche Szenen mit ihnen versprühen den Charme, den der Hauptplot weitgehend vermissen lässt. Auch Stephen Friedrich ist in der eigentlich äußerst undankbaren Rolle von Lucys Ex-Freund überraschend sympathisch. Als harmlose Unterhaltung, um die Realität für 90 Minuten auszublenden, ist der Film dadurch durchaus annehmbar; höheren Ansprüchen vermag er allerdings nicht gerecht zu werden.

Brave Mädchen tun das nicht (2020)

Nachdem sie von ihrem Freund als verklemmt bezeichnet wurde, beschließt eine Harvard-Absolventin, sich ihren sexuellen Ängsten zu stellen und ihre Sexleben offensiver anzugehen. Der Film basiert auf dem Selbsthilfebuch Porn-o-logy von Ayn Carrillo-Gailey aus dem Jahre 2007.

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