The Sea of Trees

The Sea of Trees

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Bis zum Schmalztod - und darüber hinaus

Gus Van Sants Filme können so gut sein. Doch das ist schon eine Weile her. Die letzten Male produzierte er eher Flops. Und auch bei The Sea of Trees ist die Enttäuschung groß. Denn was Van Sant hier abliefert, ist in der Tat ein Film, der Nicholas Sparks mit ein wenig Paulo Coelho paart, das Ganze mit viel Sirup anrührt und einmal unbeholfen über die Leinwand kippt.
Aber von vorn: Arthur Brennan (Matthew McConaughey) parkt sein Auto am Flughafen, nimmt einen Flug nach Tokio ohne Rückflug und Gepäck und macht sich auf in den Aokigahara-Wald. Dieser Wald ist berühmt für seine Schönheit und Größe, seinen Platz am Fuße des Mount Fuji – und dafür, dass in ihm regelmäßig Menschen Selbstmord begehen. Und in der Tat, bei seiner Ankunft findet Arthur Leichen und Skelette, Menschen, die sich an Bäumen aufgeknüpft haben und Warnschilder, die flehen, man möge es sich doch noch einmal anders überlegen.

Aber Arthur hat sich entschieden. Gerade als er beginnt, seine Tabletten zu schlucken, begegnet ihm ein anderer Mann. Takumi Nakamura (Ken Watanabe) wollte sich auch umbringen, hat es sich aber anders überlegt und will nur noch raus aus dem Wald. Arthur will ihm helfen, doch dann stellen beide fest, dass sie sich verlaufen haben. So irren die Männer in Kreisen durch den Wald, der Suizid rückt in weite Ferne, denn plötzlich geht es nur noch darum, das Martyrium zu überleben.

Was eigentlich eine ganz interessante Idee ist und viel philosophisches und psychologisches Potenzial mit sich bringt, verquirlt Van Sant in kürzester Zeit in süßlich-dümmliche Poesiealbum-Sprüche. Der Film, so wird schnell klar, hat gar nicht das Interesse, die dünne Linie von Leben und Tod zu vermessen. Und auch der unheimliche Ort, der Wald, wird sofort zu einer netten Kulisse heruntergekürzt, in der die beiden umherstolpern und sich abends am Lagerfeuer in vollster Kitschigkeit ihre Fehler gestehen, während die Blätter im Wind wehen und die Geigen ein Musikbett hinzufügen, in dem der letzte Funken wahrhafter Gefühle qualvoll erstickt.

Und während Takumi eine esoterisch-verklärte "japanische Weisheit" nach der anderen vor sich hinmurmelt, ist Arthur der Inbegriff eines herabschauenden, arrogant-ignoranten Amerikaners, der sich lieber in seinem schnodderigen Selbstmitleid suhlt und den Erzählungen von Waldgeistern mit seinem Glauben an die Wissenschaft abtut. Doch egal, wie sehr sie sich bemühen – und Watanabe und McConaughey bemühen sich wirklich –, beide Männer sind nichts als Pappfiguren, denen man in jeder Bewegung, in jedem Satz anmerkt, dass sie nichts weiter als Stellvertreter für zwei erschreckend banal erdachte Ideen sind: McConaughey als tragischer Shakespeare-Held, Watanabe als der spirituelle Führer und Sidekick, der als Katalysator für die Erlösung des ersteren dient. Unterbrochen werden diese hochgradig oberflächlichen Gespräche von Rückblenden, die (schön über den Film verteilt) erzählen, wieso sich Arthur überhaupt das Leben nehmen will.

Spätestens in dem Augenblick, in dem sich die ganze Geschichte Arthurs zusammensetzt, möchte man den Film stoppen. Doch Van Sant ist auf Vollgas und packt im zweiten Drittel eine Banalität auf die andere. Jegliche Wendungen, die der Film ab hier nimmt, sind auf hundert Kilometer vorhersehbar. Ja, man sitzt als Zuschauer in diesem Film und hofft, dass die Wendungen nicht so banal sind und dass etwas passiert, was über einen Rosamunde-Pilcher-Roman hinausgehen würde. Aber nein, hier wird eine Trope nach der anderen ausgespielt.

Wie aus einem Baukasten für billige Schnulzenromane geschieht stets das Erwartete. Nur in einem überrascht Van Sant: Er treibt dieses Spiel bis zum absoluten Schmalztod. Und darüber hinaus. Denn jedes Mal, wenn man denkt, man hat das Elend überstanden und schlimmer kann es nicht werden, folgt eine Szene, in der er noch mal eine Schippe drauf packt. Und so wandelt sich auch die Stimmung des Zuschauers von Verwirrung in Hoffnung (dass es so schlimm nicht wird), zur Gewissheit (dass doch), zu Unglauben, zu verstörtem Lachen – bis sie letztendlich bei absoluter Empörung ankommt. Empörung darüber, dass dieser Film einem das Gefühl gibt, der Macher halte das Publikum für sabbernde Idioten, die abgespeist werden könnten mit einem Film aus der Retorte.

The Sea of Trees

Gus Van Sants Filme können so gut sein. Doch das ist schon eine Weile her. Die letzten Male produzierte er eher Flops. Und auch bei "The Sea of Trees" ist die Enttäuschung groß. Denn was Van Sant hier abliefert, ist in der Tat ein Film, der Nicholas Sparks mit ein wenig Paulo Coelho paart, das Ganze mit viel Sirup anrührt und einmal unbeholfen über die Leinwand kippt.
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