The Night Manager (Staffel 1)

The Night Manager (Staffel 1)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Schaulaufen für 007

Schon seltsam, wie Filme manchmal unversehens ihren Kontext verändern als Reaktion auf aktuelle Ereignisse. So geschehen beispielsweise bei der argentinischen Komödie Wild Tales, über deren Beginn man seit dem Unglücksflug der Germanwings-Maschine 9525 am 24. März 2015 nicht mehr lachen kann. Auf ganz andere Art und Weise hat sich in den letzten Wochen auch der Blick auf Susanne Biers Serie The Night Manager verändert — und das liegt vor allem an den Spekulationen um den Nachfolger von Daniel Craig in der Rolle des Doppelnullagenten. Tom Hiddleston, der in der Verfilmung einer Vorlage von John le Carré die Hauptrolle spielt, gilt derzeit als einer der aussichtsreichsten Kandidaten — und so gerät die Serie vor allem (aber nicht allein aufgrund der Parallelität der Ereignisse) zu einem Schaulaufen, das es mitunter schwer macht, die Qualitäten und Schwächen von The Night Manager ohne allzu viele Querverweise zu schmücken.

Es beginnt und es endet in Kairo, in einem Luxushotel. Draußen auf den Straßen ist es unruhig, wir befinden uns mitten in den heftigen Umbrüchen des Jahres 2011, während des so genannten ‚Arabischen Frühlings‘, dem schon bald eine Eiszeit (zuerst durch die Muslimbruderschaft, dann durch die Militärs, die den immerhin gewählten Präsidenten aus dem Amt vertrieben) folgt. Inmitten des Chaos nimmt sich das Hotel wie eine Oase des Friedens aus — und dass von den Störungen der Außenwelt so wenig wie möglich in die Hallen und Suiten dringt, das ist die Aufgabe des Personals, das hier möglichst leise und diskret seine Dienste verrichtet. Einer dieser Damen und Herren im Hintergrund ist der Ex-Soldat Jonathan Pine (Hiddleston), der als Nachtmanager im Dunkeln seine Fäden zieht. Doch entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten lässt sich der stille Mann dennoch in die Angelegenheiten seiner Gäste verwickeln, als ihn die Geliebte eines ägyptischen Geschäftsmannes um Hilfe anfleht. Weil der Liebhaber Beziehungen zu dem undurchsichtigen Waffenhändler Richard Roper (Hugh Laurie) unterhält und mit seinen Lieferungen die Revolution in Grund und Boden geschossen werden soll, will Sophie Kontakt zum britischen Geheimdienst aufnehmen und wird kurz darauf ermordet. Pine, der versucht hatte, ihr zu helfen, fühlt sich mitschuldig am Tod der Frau und lässt sich vom MI6 anwerben, um in die Nähe Ropers zu gelangen. Zwar gelingt die Aktion nach einiger Zeit und verbunden mit einigen Namenswechseln, doch für den Ex-Soldaten, der zunehmend zum Mann ohne Eigenschaften wird, gerät der Undercover-Einsatz zum Himmelfahrtskommando. Und das liegt vor allem an der attraktiven Jed Marshall (Elizabeth Debicki), der Freundin des ebenso jovialen wie undurchsichtigen Geschäftsmannes Roper, der seine Machenschaften mit humanitärer Mildtätigkeit tarnt und an dessen rechter Hand Corcoran (Tom Hollander), der sich gegenüber dem smarten Neuling bald schon an den Rand gedrängt fühlt.

John Le Carrés Buchvorlage hat schon einige Jahre auf dem Buckel (das Werk erschien 1993), was man eher an der bedächtig-eleganten Art und Weise der Inszenierung als am Zeitkolorit des eigentlichen Plots merkt, der von David Farr behutsam in die Zeit des Arabischen Frühlings transportiert wurde. Die beinahe schon mondäne Weltläufigkeit, mit der Susanne Bier die Handlungsorte ins rechte Bild rückt, erzeugt ein fast schon nostalgisches Gefühl, das einen mitunter auch ereilt, wenn man sich die Mondänität von Bond-Filmen aus den 1970er Jahren vergegenwärtigt. Auf diese Weise liegt ein leichter Retro-Schleier über der Serie, der die auffallende Zurückhaltung bei Action- und Gewaltszenen mit leicht nostalgischer Patina versieht.

Zwar überzeugt The Night Manager wegen einiger dramaturgischer Stolperer und Unstimmigkeiten nicht gänzlich — so geht Pines Wandel vom diskreten Hotelportier zum eiskalten Killer nahtlos und ohne psychologische Begründung vonstatten. Dennoch hält die Serie gerade hinsichtlich der Bond-Ambitionen einige neue und interessante Ansätze bereit: Hiddleston, so eine Erkenntnis, könnte die Rolle vielleicht wirklich stemmen, wirkt aber manchmal noch zu jungenhaft mit seinem gelegentlich aufblitzenden, schüchternen Lächeln. Viel spannender noch wird es aber in der zweiten Reihe: Hugh Laurie als Schurke ist ebenso hinreißend wie Olivia Coleman als (zudem während der Dreharbeiten hochschwangere) Vorgesetzte des Agenten wider Willen. Gerade sie könnte man sich bestens als Nachfolgerin für eine Rolle wie die von Dame Judi Dench als M vorstellen. Und Laurie balanciert seine Rolle so fein zwischen Jovialität und sinistrem Ganoventum aus, dass man ihn am liebsten direkt als neuen Gegenspieler zu 007 in Amt und Würden hieven möchte.

Noch eine weitere Entdeckung hält The Night Manager bereit: Elizabeth Debicki ist weitaus mehr als just another Bond Girl, sondern erfüllt ihre Rolle mit Eleganz, Tiefe und großer Überzeugungskraft, die sie für weitere und noch prominentere Rollen empfiehlt. Und nicht zuletzt Susanne Bier selbst wäre als erste Filmemacherin, die vom Regiestuhl aus über den Geheimagenten im Dienste ihrer Majestät gebietet, eine interessante Variante und zugleich eine deutliche Abkehr von den letzten Filmen unter der Regie von Sam Mendes. Durch sie und ihr eher psychologisches Herangehen an eine Thematik wie diese gewänne Bond mehr an Tiefe, würde zugleich aber auch möglicherweise zu weich für den Action-verwöhnten Massengeschmack des Publikums werden. Wobei Hiddleston für solch einen neuen Ansatz sicherlich eine gute Wahl wäre — sofern sich die Unstimmigkeiten und kleinen Glaubwürdigkeitsprobleme von The Night Manager nicht wiederholen würden. Sehenswert ist The Night Manager also allemal — und sofern man es schafft, sich von den vielfältigen Bond-Assoziationen freizumachen, erhöht das das Vergnügen noch um einiges.
 

The Night Manager (Staffel 1)

Schon seltsam, wie Filme manchmal unversehens ihren Kontext verändern als Reaktion auf aktuelle Ereignisse. So geschehen beispielsweise bei der argentinischen Komödie „Wild Tales“, über deren Beginn man seit dem Unglücksflug der Germanwings-Maschine 9525 am 24. März 2015 nicht mehr lachen kann. Auf ganz andere Art und Weise hat sich in den letzten Wochen auch der Blick auf Susanne Biers Serie „The Night Manager“ verändert — und das liegt vor allem an den Spekulationen um den Nachfolger von Daniel Craig in der Rolle des Doppelnullagenten.

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