Nachts, wenn das Skelett erwacht

Nachts, wenn das Skelett erwacht

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Der beste Hammer-Film, den Hammer nie gemacht hat

Wüsste man es nicht besser, man könnte diesen Film für eine Hammer-Produktion halten. Nicht nur der beiden Stars wegen, sondern auch wegen Regisseur Freddie Francis (der in letzter Minute Don Sharp ersetzte), und natürlich wegen des Umstands, dass hier gotischer Grusel in Perfektion geboten wird. Aber tatsächlich zeichnet einer von Hammers kleinsten Konkurrenten für den Film verantwortlich: Tony Tensers Firma Tigon.
1893: Dr. Emanuel Hildern (Peter Cushing) ist sicher, dass es schon vor den bekannten menschlichen Spezies intelligentes Leben auf der Erde gab. Von einer Expedition in Neuguinea bringt er ein gigantisches Skelett mit überdimensionalem Kopf mit. Als er die Hand mit Wasser reinigt, bildet sich dort Fleisch. Hildern trennt den Finger ab und forscht nach. Er stößt auf alte Texte, die besagen, dass dieses Wesen das Böse in die Welt tragen wird. Während Hildern noch mit dem Blut experimentiert, wirft sein Bruder James (Christopher Lee) ein Auge auf das Skelett – und löst eine Kettenreaktion schrecklicher Ereignisse aus.

Auf den Titel sollte man nicht zu viel geben, das Erwachen des Skeletts findet erst kurz vor Ende statt. Das ist im Grunde das Zugeständnis an das Genre, zuvor gestaltet sich dieser Streifen jedoch als an Themen reichhaltige Geschichte, die oftmals gar nicht alles unter einen Hut bringen kann. Mit dem Plot um Emanuels Tochter, die derselben mentalen Krankheit wie ihre Mutter zu verfallen droht, wird ein melodramatisches Element eingebracht, das aber nur unwesentlich von der faszinierenden Prämisse ablenkt. Die Idee eines „Missing Links“ – oder eines unbekannten Frühmenschen – ist faszinierend, wobei das Skelett mit seiner deformierten Gestalt die Phantasie regelrecht anregt.

Interessant ist auch die Idee, dass es hier nicht nur um die Wiege des Menschen, sondern auch die Geburt des Bösen geht. Sicher kann man es als hanebüchen betrachten, wenn ein Wissenschaftler das Böse isolieren und ausmerzen will, um der Welt so ein Paradies zu schenken, aber das Gedankenkonstrukt hat seinen Reiz. Wenn man davon ausgeht, dass das Böse in seiner Urform in jedem vorhanden ist, nur in der Regel unterdrückt wird, dann ist der Gedanke, es wie eine Krankheit zu besiegen, zumindest interessant. Es macht die Hauptfigur zugleich jedoch zum tragischen Helden, denn dass solche Ambition scheitern muss, ist im Grunde die Natur der Dinge.

Dieses Scheitern kann man auch als Geburtsstunde des kommenden 20. Jahrhunderts sehen, das von Krieg und Völkermord geprägt war. Der Film legt nahe, dass das wiedererwachte Skelett der Sendbote dieses Jahrhunderts ist. Wie es ohne diese Kreatur ausgesehen hätte? Eine lohnende Spekulation.

Die Geschichte erinnert an Lovecraft, die Umsetzung auch, insbesondere, weil der Film mit Emanuel Hildern beginnt, der überlebt hat und davon berichtet, welchem Schrecken er gewahr geworden ist. Das ist ein typisches Lovecraft-Element, aber auch das alte Böse, das nur in diffuser Form besteht, hat sich in seinen Werken immer wiedergefunden. Dass es im Film am Ende doch eine Form erhält, ist ein Zugeständnis an das Publikum, leitet aber auch nur auf ein Ende hin, das damals sicher überraschender war als heutzutage, aber dem Film einen faszinierenden Rahmen verleiht.

Nachts, wenn das Skelett erwacht

Wüsste man es nicht besser, man könnte diesen Film für eine Hammer-Produktion halten. Nicht nur der beiden Stars wegen, sondern auch wegen Regisseur Freddie Francis (der in letzter Minute Don Sharp ersetzte), und natürlich wegen des Umstands, dass hier gotischer Grusel in Perfektion geboten wird.
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