Hammer Horror Collection Box No. 1

Hammer Horror Collection Box No. 1

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

British Angst

Das waren noch Zeiten – damals in den späten 1950ern, 1960ern und frühen 1970ern -, als die Briten der Welt das Fürchten beibrachten. Wobei hier weniger die (nicht vorhandene) Dominanz des Fußballs von der Insel gemeint ist (okay, Wembley 1966 lassen wir in diesem Zusammenhang mal außen vor, zumal der Ball NICHT hinter der Linie war, wie jeder weiß). Vielmehr geht es um das Wirken und die Verdienste des legendären Produktionsunternehmens Hammer Films, das für viele der heute 40- bis 60-jährigen die erste prägende Begegnung mit dem Genres des Horrorfilms bedeutet haben dürfte. Obwohl das Unternehmen unter verschiedenen Namen bereits seit den 1930er Jahren bestand, kamen die ersten wirklichen Erfolge, die zum unaufhaltsamen Aufstieg von Hammer Films führten, erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zustande. An die Tradition des britischen Horrorfilms der 1930er Jahre anknüpfend, kombinierte man bei Hammer die bekannten Motive aus diversen Dracula- und Zombiestreifen mit zunehmend blutigen Details und schaurigen Spezialeffekten, die zur damaligen Zeit Maßstäbe setzten und den Boden bereiteten für Kommendes.
Die Hammer Horror Collection Box No. 1 versammelt drei Filme aus der Geschichte des Unternehmens, das immer wieder hartnäckig als Hammer Studios bezeichnet wird (in Wirklichkeit hießen die Ateliers von Hammer die Bray Studios), die prototypisch für das Schaffen der Horrorschmiede sind und die zuvor bereits einzeln erhältlich sind. Deshalb empfiehlt sich die Box vor allem für jene Freunde des britisch-coolen Horrors, die noch keinen der Filme in der heimischen Sammlung haben. Den Auftakt der Edition macht Dracula und seine Bräute / The Brides of Dracula (1960, Regie: Terence Fisher), bei dem die Lehrerin Marianne Danielle (Yvonne Monlaur) durch einige Zufälle im schloss der Baroness Meinster (Martita Hunt) landet. Dort lebt die betagte Adelige mit einer Bediensteten und ihrem Sohn (David Peel) zusammen, der aufgrund seiner angeblichen Geisteskrankheit festgekettet vor sich hin vegetiert. Weil Marianne ein gutes Herz hat, befreit sie den attraktiven mann nicht nur, sondern verlobt sich auch mit ihm – nicht ahnend, dass dessen Krankheit ganzen anderen Ursprungs ist als gedacht...

Der zweite Film der Edition, Der Fluch des Siniestro / The Curse of the Werewolf (1961, Regie führte ebenfalls Terence Fisher), spielt im 18. Jahrhundert in Spanien und erzählt von einem Bettler (Richard Wordsworth), der von dem grausamen und sadistischen Marquès Siniestro (Anthony Dawson) in dessen Verlies geworfen wird. Als sich Jahre später die stumme Tochter (Yvonne Romain) des Kerkermeisters den Avancen widersetzt, wird auch sie in den Kerker verfrachtet und dort von dem mittlerweile degenerierten Bettler, der sich zu einer wahren Bestie entwickelt hat, brutal vergewaltigt. Geschändet und hochschwanger kann sie fliehen und in der Obhut von Don Alfredo Corledo ihren Sohn auf die Welt bringen, bevor sie im Kindbett verstirbt. Ihr Sohn Leon wächst unter der Obhut Don Alfredos zu einem jungen Mann heran, doch auf ihm lastet aufgrund seiner Vergangenheit ein Fluch – bei Nacht verwandelt er sich in einem Werwolf.

Den Abschluss dieser Box bildet der Film Frankensteins Ungeheuer / The Evil of Frankenstein (1964, Regie: Freddie Francis), dem zwei Filme aus der Fließbandproduktion von Hammer Films vorausgingen (Frankensteins Fluch, Frankensteins Rache). Hier nun kehrt Baron Victor Frankenstein (Peter Cushing) gemeinsam mit seinem Assistenten Hans (Sandor Elès) in seine Heimat zurück, aus der er wegen seiner schrecklichen Kreatur vor Jahren hatte fliehen müssen. Kaum dort angekommen, macht der Baron die Entdeckung, dass seine Schöpfung keineswegs tot, sondern in einem Eisblock konserviert ist. Gemeinsam mit dem Jahrmarkthypnotiseur Professor Zoltán (Peter Woodthorpe) gelingt die Reanimation der Kreatur. Doch Zoltán verfolgt seine eigenen finsteren Pläne mit dem Ungeheuer. Und die sind gar nicht im Sinne des Erfinders...

Alle drei Filme wurden sorgfältig restauriert und weisen durchgehend eine gute bis sehr gute Bild- und Soundqualität auf, die auch heutigen Ansprüchen genügen dürfte. Dies gilt zwar nicht immer für die Arbeit der Maskenbildner, deren Kreationen heute das sanfte Grauen mit einigen Schmunzlern durchsetzen. Dennoch besteht kein Zweifel daran, dass die Hammer Horror Collection Box No.1 für Freunde des gediegenen britischen Gruselns eine erstklassige Wahl ist – den Zeitsprung in die eigene Kindheit und Jugend, als man sich vor all den Vampiren, Werwölfen und Ungeheuern noch zu Tode fürchtete, gibt’s gratis dazu.

Hinzu kommt die Gewissheit, dass Hammer Films nach einer langen Pause in den letzten Jahren wieder aktiv geworden ist und mit Wake Wood ein spektakuläres und viel beachtetes Comeback feiern durfte, dass die Keimzelle des gepflegten Gothic Horror britischer Prägung als durchaus wandlungsfähig und auf der Höhe der Zeit präsentiert. Schön, dass sich manche Dinge dann doch als widerstandsfähig erweisen. Denn wie heißt es so schön bei einemk deutschen Edelversender des Wahren und Echten: "Es gibt sie noch, die guten Dinge..."

Hammer Horror Collection Box No. 1

Das waren noch Zeiten – damals in den späten 1950ern, 1960ern und frühen 1970ern, als die Briten der Welt das Fürchten beibrachten. Wobei hier weniger die (nicht vorhandene) Dominanz des Fußballs von der Insel gemeint ist (okay, Wembley 1966 lassen wir in diesem Zusammenhang mal außen vor, zumal der Ball NICHT hinter der Linie war, wie jeder weiß).
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