Mary Poppins' Rückkehr (2018)

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„Mary Poppins’ Rückkehr“ ist zugleich Fortsetzung und Remake des legendären Musicals um ein unkonventionelles Kindermädchen. Nur scheinen die Kinder diesmal am allerwenigsten Hilfe von dem britischen Nationalheiligtum zu benötigen.

Mary Poppins' Rückkehr (2018)

Eine Filmkritik von Katrin Doerksen

Post-Brexit-Trostpflaster

Im letzten Song, der in „Mary Poppins’ Rückkehr“ gesungen wird, heißt es: „There is nowhere to go but up.“ Es formuliert zwar niemand so direkt, aber genau genommen impliziert das ja, dass man ganz unten angekommen sein muss. Der Film ist ein spaßiger, ein bunter Strauß an eskapistischen Revuenummern, an Liedern und Tänzen, skurrilen Figuren, bunten Kostümen und sogar Delfinen, aber der gereizte Blick auf den Status quo Großbritanniens ist ihm durchweg anzumerken.

Mary Poppins’ Rückkehr ist eine Fortsetzung des 1964er Originals mit Julie Andrews – Jane und Michael, die Kinder von damals, sind mittlerweile erwachsen – und zugleich ein sich aus den gleichen Gestaltungs- und Handlungselementen zusammensetzendes Remake. Die Familie Banks bewohnt ein herrschaftliches Londoner Haus in einer sanft geschwungenen Straße gegenüber eines kleinen Parks und in direkter Nachbarschaft eines verrenteten Admirals mit Schiffsbrücke auf dem Dach. Mary Poppins, diesmal mit würdevoller Strenge und dem Anflug eines verschmitzten Lächeln verkörpert von Emily Blunt, kommt vom Himmel herab, um die drei Kinder der jüngsten Banks-Generation zu hüten, obwohl die wie kleine Erwachsene daherreden und von allen Figuren des Films überhaupt am allerwenigsten Hilfe zu benötigen scheinen. Zentraler Konflikt ist vielmehr ein klaffendes finanzielles Loch, aufgrund dessen die Familie Banks ihr Haus zu verlieren droht.

Verschuldet ist dieses unwillkommene Problem nicht nur von Michael Banks (Ben Whishaw), der seit dem Tod seiner Frau ein wenig den Überblick verloren hat. Vielmehr scheint es sich um ein übergreifendes Problem zu handeln, verursacht von Politik und Hochfinanz. Ungerechtigkeit herrscht in diesem von heimlichen fantastischen Schlupfwinkeln durchdrungenen London und so sehr sich Mary Poppins auch unter Aufbietung all ihrer fantastischen Tricks bemüht – immer wieder drängt die ungemütliche Realität in diese Welt hinein: Während im Originalmusical noch die Mutter der Banks-Sprosse eine stolze Suffragette war, engagiert sich nun die erwachsene Jane (Emily Mortimer) für Arbeiterrechte in dieser von snobistischen Bösewichten regierten Welt, die sich an ihre goldbeketteten Taschenuhren krallen, als hätten sie das Vorrecht darauf gepachtet, die aktuelle Zeitrechnung vorzugeben. Wenn später im Film einmal eine Gruppe Arbeiter auf Fahrrädern mit Lampen in den Händen durch den dichten Londoner Nebel auf die Bank zufahren, die Michael um sein Haus bringen will, erinnern sie nicht umsonst an entschlossene Demonstranten, wenn nicht gar an Barrikadenkämpfer.

In seinem Bewusstsein für ausbeuterischen Strukturen und der Sympathie für verschiedene Grade des zivilen Ungehorsams erinnert Mary Poppins’ Rückkehr an Paul Kings zwei Paddington-Filme, bis hin zu einander wie ein Ei dem anderen gleichende Sets, ähnlichen Familienkonstellationen und denselben Darstellern, etwa Julie Walters als resolute Haushälterin in allen drei Filmen. Auch in Paddington und der 2017 erschienenen Fortsetzung beschwört Paul King das Bild eines nostalgisch idealisierten Großbritanniens herauf, im Kern bestehend aus quirky Figuren und altbekannten Wahrzeichen, leicht verschrobenen Gepflogenheiten bei jeder Menge Liebenswürdigkeit und Humor. Eine Welt, die nicht etwa bedroht ist von Außenstehenden, die an ihr teilhaben wollen. Sondern von innen heraus, von einer Tendenz zur Selbstisolation, von Engherzigkeit, Angst und Raffgier.

Da muss erst ein britisches Nationalheiligtum erscheinen, ob nun mit Marmeladenbroten unter dem roten Schlapphut oder in der etwas zahnloseren Variante mit einer bodenlosen magischen Tasche und einem sprechenden Schirm unterm Arm, um mithilfe einer Mischung aus harter Arbeit, zuckerummantelter Pädagogik (ein von Emily Blunt und Lin-Manuel Miranda zum Besten gegebenes Lied heißt A Cover is not the Book) und einer hübschen Portion Magie daran zu erinnern, was auf dem Spiel steht. Vielleicht werden wir in 20 Jahren alle drei Filme erneut in einer Post-Brexit-Retrospektive sehen.

Mary Poppins' Rückkehr (2018)

London zur Zeit der Wirtschaftskrise: Jane (Emily Mortimer) und Michael Banks (Ben Whishaw) sind inzwischen selbst erwachsen und Michael hat bereits drei Kinder. Nachdem die Familie einen schweren persönlichen Verlust zu verkraften hat, werden sie von ihrer Kindheitsgefährtin Mary Poppins (Emily Blunt) besucht, die, mit Hilfe ihrer Magie und Freund Jack (Lin-Manuel Miranda), wieder Freude in deren Leben bringen möchte.

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Meinungen
Kati · 08.01.2019

Der Film war sehr schön, allerdings fehlten die alten Lieder komplett, das war sehr schade und nicht verständlich das sie dies nicht mit eingebaut haben !-

Kommentare

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