Invisible Sue - Plötzlich unsichtbar (2019)

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Nach dem erfolgreichen „Sputnik“ kehrt Markus Dietrich mit einer wahren Schatzgrube für Genrefans in die Kinos zurück – inklusive einer Heldin mit einer wirklich praktischen Superkraft, die sich vor allem in der Pubertät als hilfreich erweist.

Invisible Sue - Plötzlich unsichtbar (2019)

Eine Filmkritik von Rochus Wolff

Selbstgemacht ist die Frau

„Meine Superkraft: Ich bin unsichtbar.“ Susanne Hartmann (Ruby M. Lichtenberg) meint das eher ironisch. In der Schule ist sie die einzige, die nicht zur großen Halloween-Party eingeladen wird, und sie wird sogar gelegentlich im Klassenraum eingeschlossen, weil die Lehrerin übersehen hat, dass sie an ihrem Pult eingeschlafen war. Sie träumt sich hinein in eine Welt mit echten Superkräften, wie „Super Moon“, ihre Comicheldin; in der realen Welt schafft sie es noch nicht einmal, ihre Mutter davon zu überzeugen, dass sie sie Sue und nicht Susanne nennen soll.

Überhaupt, die Mutter: Maria Hartmann (Victoria Mayer) ist weltbekannte Naturwissenschaftlerin, aber vielleicht etwas zu fixiert auf ihre Arbeit – und als Sue mit ihrem Vater in Marias Labor auftaucht, um ihr einen Geburtstagskuchen und ein Geschenk vorbeizubringen, ist die Mutter alles andere als amüsiert – da platzt Sue der Kragen, sie schmeißt mit der Torte um sich, und, nunja: Das ist in einem Hightech-Labor halt keine gute Idee.

Am Ende steht eine Explosion, und Sue kommt in Kontakt mit einer experimentellen Substanz: NT26D macht aus ihrer ironisch gemeinten ihre echte Superkraft: Sue kann sich unsichtbar machen. So richtig toll ist das erstmal nicht, aber als dann Sues Mutter entführt wird, kommt ihr die neue Fähigkeit vielleicht doch ganz gut zupass…

Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar schnappt sich das Konzept der Superheld_in-Origin-Story und kippt sie in ein europäisches Schulsetting: Ein diesmal weiblicher Nerd, der anschließend mit zwei Sidekicks (Lui Eckardt als sympathischer und gut aussehender, aber schüchterne Junge für alles Tobi und Anna Shirin Habedank als Computernerd Kaya, die alle nur „App“ nennen) eine Herausforderung bestehen muss – und sich mitten in einem, nunja, Wissenschaftsthriller wiederfindet.

Leichte Vorbehalte zur Genrezuordnung müssen sein, denn Regisseur und Drehbuchautor Markus Dietrich, der zuletzt vor einigen Jahren mit dem schönen Sputnik aufgefallen war, traut sich nicht so ganz, den Kinderfilm als Superheldenfilm oder Thriller zu besetzen, sondern übersetzt vielleicht zu viel in kindertaugliche Größen. So werden zwar einige falsche Fährten gelegt, die die Zuschauer_innen verwirren sollen, andererseits werden aber andere Hinweise so offensichtlich (und an einer Stelle wörtlich) ins Bild geschoben, dass wirklich nur sehr junge und sehr unerfahrene Kinogänger_innen sie übersehen könnten.

Der Film hätte sich, anders gesagt, ein wenig mehr Handlung, etwas mehr Charakterentwicklung gönnen können; nun steht narrative Kohärenz nicht immer weit im Vordergrund, stattdessen sollen Topoi des Superheldenfilms vor allem visuell für Eindruck sorgen. Das funktioniert so lange gut, wie Dietrich die Glaubwürdigkeit des Geschehens nicht völlig überdehnt; wenn dann ein kleines Mofa zum Flug mit Looping ansetzt, nunja, dann klappt das nicht mehr so gut. Der Film soll da mehr sein wie die Comics, die Sue so liebt, zugleich traut sich Dietrich aber nicht, die mögliche Nähe zum Comic konsequenter einzusetzen und als ästhetische Entscheidung für den ganzen Film zu wählen (wie das zum Beispiel Antboy – Der Biss der Ameise versucht hat).

Das ist vor allem schade, weil Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar nicht nur gekonnt und mit Tempo seine Origin-Story erzählt, sondern auch eine Fundgrube für Genrefans ist: Überall finden sich kleine und große Verweise auf Superheld_innen-Comics und Filme. Sues Name, der auf Sue Storm von den Fantastischen Vier verweist, und der virtuelle Assistent Alfred, gesprochen in meist wunderbar indigniertem Tonfall von Michael Caines deutscher Synchronstimme Jürgen Thormann, sind da nur die offensichtlichsten.

Invisible Sue macht am meisten Spaß, wenn die drei Hauptfiguren nur unter- und miteinander agieren, wenn die Eltern und diese komische Welt da draußen mit ihrer Geldgier und Geltungssucht ebenso außen vor bleiben wie die etwas zu pompösen Drehorte: Dann bricht immer wieder die pure Freude am Möglichen heraus, der Spaß daran, den Supertraum in Bilder umzusetzen, in wenigstens ephemere Realität. Dann bekommt diese angenehm unheroische Superheldin eine strahlende Aura, und ihr Wunsch geht in Erfüllung: Unsichtbar sein für die Welt, außer für ihre besten Freund_innen.

In der Tat: die perfekte Superkraft für ein Kind am Eintritt in die Pubertät.

Invisible Sue - Plötzlich unsichtbar (2019)

Die zwölfjährige Sue ist am liebsten allein. Als sie mit einem Serum in Berührung kommt, das ihre Mutter, eine Wissenschaftlerin hergestellt hat, wird sie plötzlich unsichtbar. Kurz danach wird ihre Mutter entführt. Und nun sind es ihre beiden neuen Freunde Tobi und App, die Sue bei der Jagd nach den Entführern helfen müssen.

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Meinungen
Wanda · 14.12.2019

Schöner, spannender Film, wir mussten ihn unbedingt zweimal gucken und warten jetzt auf die DVD. Sehr gute Schauspieler, v.a. die Hauptdarstellerin.

Leena · 31.10.2019

Ich habe als Elter auch so ein paar Mal „hmmmmm“ gemacht; allerdings war Kind9 wirklich permanent so begeistert, dass ich mich da als nicht eigentlich dem Zielpublikum zugehörig in den Hintergrund gestellt habe. Der Film ist auch tatsächlich geschlechtsübergreifend bei beiden Kinder sehr gut angekommen!
Danke für die Erwähnung! :)

Kommentare

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