Ich, die Sklavin

Ich, die Sklavin

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Der letzte Film von Gabriel Range, Death of a President, ein fiktiver Dokumentarfilm über die Ermordung George W. Bushs, hatte viel Aufsehen erregt. Nicht nur wegen des Themas, sondern auch wegen der recht exploitativen und teils Effekt heischenden Art, wie der Film gemacht wurde. Dass sich Ranges neuer Film, Ich, die Sklavin, nun mit der Geschichte moderner Sklaverei befasst, schürt sofort die Befürchtung, dass es auch hier vor allem zu einer Ausbeutung der Schaulust, der Attraktion kommen könnte.
Ich, die Sklavin basiert auf wahren Begebenheiten, die die Sudanesin Mende Nazer in ihrem Buch Befreit aufgearbeitet hat. Der Film ist keine fiktive Dokumentation, sondern klassisches Erzählkino mit dokumentarischem Hintergrund, auch wenn der Topos anfänglich vermuten ließe, es wäre ein Märchen. Doch Sklavenhandel ist bis zum heutigen Tage vor allem in Afrika und im Nahen Osten an der Tagesordnung. Im Abspann des Filmes heißt es, dass allein in London im Augenblick zirka 5.000 Sklaven leben und arbeiten. Range baut seinen Film chronologisch auf und erzählt die Geschichte der zwölfjährigen Malia (Wunmi Mosaku), in ihrem südsudanesischen Stamm eine Prinzessin, die nach einem Überfall eines befeindeten Stammes gekidnappt und in Khartum auf dem Sklavenmarkt verkauft wird. Sie landet bei einer Diplomatenfamilie, für die sie fortan putzt und kocht. Folgt sie nicht den Anweisungen ihrer Herrschaft wird das Mädchen geschlagen. Als sie eines Tages die Tochter ihrer Eigentümer berührt, kommt die Mutter (Hiam Abbas) mit einer Peitsche. Während die Jahre ins Land ziehen, sucht ihr Vater (Isaach de Bankolé) sie überall und landet schließlich auch in Khartum, dem größten Umschlagplatz für menschliche Ware. Eine zufällige Begegnung der beiden kann die Eigentümerin Malias gerade so verhindern, doch sie hat genug vom dem aufmüpfigen Mädchen und schickt es nach London zu Verwandten – ein Schritt, der Malia noch gefangener macht, da sie weder die Sprache spricht, noch den Kulturkreis und dessen Sitten kennt. Und doch versucht sie in London mehrmals zu fliehen.

Ich, die Sklavin ist ein recht leiser Film. Die kahlen, oft von Leere dominierten Bilder spiegeln durch ihre eigene Ästhetik das Leben Malias wider, ohne dass dies in Worte gefasst werden muss. Das ist ein kluger Schachzug, um nicht in die Ecke der gefühlstriefenden, amerikanischen „Lifetime“ TV-Filme zu geraten. Doch ganz und gar gelingt dies nicht. Vor allem im letzten Drittel des Filmes kann sich Range nicht verkneifen, die schon tragische Geschichte inszenatorisch doch zum Schmachtfetzen verkommen zu lassen. Dabei wäre dies nötig, denn allein die unglaubliche darstellerische Arbeit Wunmi Mosakus trägt die Geschichte von Anfang bis Ende und das mit zahllosen Untertönen und Facetten. Ihr Minenspiel und der bewusste Einsatz ihrer Augen erzählem mehr über die Innenwelt der oftmals stummen jungen Frau als die Inszenierung selbst. Doch es scheint, dass Range sich nicht darauf verlassen wollte und, um sicher zu gehen, doch ein paar klassisch-schnulzige Momente einbringt, die dem Werk einen unnötig exploitativen Beigeschmack geben.

Dem sollte man sich beim Sehen dieses Filmes bewusst sein, doch abhalten lassen sollte man sich davon auf keinen Fall. Ich, die Sklavin bietet Einblick in eine Welt, die man im modernen Europa fälschlicherweise für ausgestorben hält, zusammen mit einer der besten dramatischen Performances des gesamten Kinojahres.

Ich, die Sklavin

Der letzte Film von Gabriel Range, „Death of a President“, ein fiktiver Dokumentarfilm über die Ermordung George W. Bushs, hatte viel Aufsehen erregt. Nicht nur wegen des Themas, sondern auch wegen der recht exploitativen und teils Effekt heischenden Art, wie der Film gemacht wurde. Dass sich Ranges neuer Film, „Ich, die Sklavin“, nun mit der Geschichte moderner Sklaverei befasst, schürt sofort die Befürchtung, dass es auch hier vor allem zu einer Ausbeutung der Schaulust, der Attraktion kommen könnte.
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