Emmas Glück

Emmas Glück

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Liebe und Tod, nah beieinander

Es gibt Filme, die berühren einen zutiefst und schaffen es, jenen Balanceakt zwischen Freude und Trauer einzuhalten, der mittlerweile eine Seltenheit geworden ist. Emmas Glück ist eine dieser raren filmischen Perlen, die sich ohne falsches Pathos, aber mit viel Gefühl an die wirklich großen Themen des Lebens heranwagen und dabei auf ganzer Linie gewinnen.
Als Max (Jürgen Vogel), ein allein stehender Autoverkäufer, eines Tages von seinem Arzt mitgeteilt bekommt, dass er Krebs im Endstadium hat und dass ihm deswegen nur noch wenig Zeit bleibt, bricht von einem Tag auf den anderen seine Welt zusammen. Max will nur noch weg, fliehen aus diesem Albtraum, in den sich sein Leben auf einen Schlag verwandelt hat. Er, der immer treu und loyal seinem Arbeitgeber gegenüber war, vergreift sich an der Firmenkasse und klaut zu allem Überfluss auch noch den Jaguar seines Chefs und Freundes Hans (Martin Feifel). Sein Ziel: Irgendwo in den Süden, alles hinter sich lassen und die letzten Tage genießen, die ihm noch bleiben. Die rasende Fahrt in der schnellen Limousine ist aber schneller zu Ende als gedacht, Max kommt von der Straße ab, überschlägt sich mehrmals und findet sich schließlich verletzt auf einer Wiese wieder. Die gehört der jungen Schweinezüchterin Emma (Jördis Triebel), deren Hof kurz vor dem Bankrott und der Zwangsversteigerung steht.

Emma zögert nicht lange und nimmt den Verletzten, um dessen Erkrankung sie nichts weiß, erst einmal bei sich auf, um ihn gesund zu pflegen. Als sie schließlich in dem Wrack noch das entwendete Bargeld findet, sieht sie die Chance gekommen, doch noch ihren Hof zu retten. Max allerdings, der gewissenhafte Pedant und Ordnungsfanatiker, will so schnell wie möglich vom Hof verschwinden, um endlich ans Meer zu kommen. Allerdings sind ihm sowohl die Polizei als auch Hans auf den Fersen, so dass er sich widerwillig auf Emmas Hof verstecken muss. Ohne dass die beiden voneinander wissen, in welcher ausweglosen Situation sich der jeweils andere befindet, kommen sie sich langsam näher, freilich ohne es zu wollen. Doch die Zeit wird knapp, denn die Uhr läuft gegen die beiden, die sich ineinander verlieben…

Sven Taddicken ist mit seinem zweiten Langfilm nach Mein Bruder, der Vampir ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswerter und beinahe schon sensationeller Film gelungen, der mit großer Sorgfalt und einem sagenhaften Gespür für Emotionen ein ernstes Thema nahezu leichtfüßig erzählt und in den Zuschauer in beinahe jeder Minute des Films mitzureißen versteht. Außergewöhnlich ist allein schon die Besetzung des todkranken Max mit dem vor Energie und Leben nur so strotzenden Jürgen Vogel, der zudem entgegen seinen bisherigen Rollen hier einen ordnungssüchtigen und äußerst peniblen Menschen spielen muss, doch Vogel meistert dieses Aufgabe mit Bravour und gibt eine eindrucksvolle Proben seines ganzen Schauspieltalents. Noch auffälliger ist seine weibliche Partnerin Jördi Triebel, die vom Theater kommt und mit Emmas Glück ihre erste, aber sicher nicht ihre letzte Hauptrolle in einem Kinofilm spielt. Mit umwerfender, hemdsärmeliger und in Gummistiefel gewandeter Erotik erobert sie nicht nur Max, sondern spielt sich bravourös auch ins Gedächtnis und in die Herzen der Zuschauer. Selten sah man Liebe und Tod, Lust und Schmerz, Trauer und Lebensfreude auf solch eindrucksvolle Weise in einem Film vereint wie hier.

Emmas Glück

Es gibt Filme, die berühren einen zutiefst und schaffen es, jenen Balanceakt zwischen Freude und Trauer einzuhalten, der mittlerweile eine Seltenheit geworden ist.
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Meinungen
Ulf · 31.03.2013

Ein wirklich sehr sehenswerter Film, an dessen Ende man aber schon ein wenig zu kauen hat.

Joachim Bartels · 10.01.2012

Hervorragend, einfühlsam. Habe selten so einen guten Film gesehen. Großartige Hauptdarsteller, herrliche Bildscenen.

· 07.10.2008

EINFACH GENIAL GESPIELT und sehr, sehr schöne Story. Absolut sehenswert.

Martin Zopick · 10.09.2008

Wenn ein todkranker Autoverkäufer, seinem Kumpel viel Schwarzgeld gestohlen hat und eine hochverschuldete, einsame Bäuerin zusammentreffen, wäre das ein Stoff für eine romantische Schmonzette. Doch der Film ist alles andere. Die Bilder in warmen Herbstfarben vorwiegend braun, gelb und ocker gehalten zeigen Hessisch-Sibirien von seiner schönsten Seite. Und die Diskrepanz zwischen den beiden Welten von Max und Emma könnte nicht größer sein. Sie verlieben sich in einander, gestehen sich ihre Diebstähle und genießen ihr Glück. Aber wie das so ist mit dem Glück – es ist nicht von Dauer und Emma setzt ihrem Glück auch noch eigenhändig ein Ende. Wer den Schock, wie sie das macht, verkraftet, kann sich eventuell noch mit der Frage der Sterbehilfe gedanklich auseinander setzen.

Marion Thomas · 02.02.2007

Die Geschichte von Emma,die in einer einsamen aber dennoch spürbar glücklichen Welt lebt, hat mich auf wundervolle Weise an mein eigenes Leben auf einem Hof während meiner Kindheit erinnert.Der besonders natürliche Umgang mit dem Leben und dem Tod von Mensch und Tier auf einem Bauernhof greift ein, wie ich finde, beonderes Thema auf und läßt dem Film nachhaltig wirken.
Die großartigen Schauspieler sorgen für die Authentizität der Handlung.

Eva · 21.10.2006

Habe den Film gemeinsam mit meiner Freundin gesehen. Auch uns hat er sehr berührt und nachdenklich gestimmt.Gelungene Mischung aus Komödie und Drama. Es gab einiges an Gesprächsstoff beim Kaffee nach dem Film. Solltet Ihr Euch unbedingt ansehen.

Zephyr · 14.10.2006

Ein wundervoll poetischer Film, den man so schnell nicht vergessen will

moma · 14.10.2006

Ein eindrucksvoller, zu Herzen gehender Film, mit Schauspielern, die keine Schönlinge sind, sondern "echt" wirken. Toll - ich bin immer noch begeistert!

Lolo · 13.10.2006

Ein toller Film mit Gefühl, Tiefgang und sehr guten Schauspielern. Für mich einer der besten Filme der letzten Zeit. Weiss nicht welchen Film sich Helmut Dersch angeschaut hat und wen er für gute Schauspieler hält.

heike · 22.09.2006

der film berührt ein thema, dass in deutschland aus bekannten geschichtlichen gründen tabuisiert ist, die euthanasie. das wort wird nicht mehr benutzt. eigentlich bedeutet es leichter tod. nun gibt es kein wort mehr dafür und aktive sterbehilfe ist verboten. dieser film hat mich sehr nachdenklich gemacht und sehr gut gefallen. jördis triebel ist grandios. leider ist der film in berlin schon wieder aus den großen kinos raus, auf grund zuschauermangels. aber mein eindruck ist, dass er auch wenig beworben wurde, im gegensatz zu parfüm. ist dies der brisanz des themas geschuldet? wer weiß?! ich hätte den film gern als dvd, hoffentlich wird diese auf den markt gebracht.

Helmut Dersch · 18.09.2006

Es war wohl nur ein Filmchen.
Empfehlenswert ist er nicht. Schlechte Regie und Kameraführung sowie keine guten Schauspieler.

Andrula · 17.09.2006

das ganze Kino hat gelacht und geheult... und dass das in Deutschland wieder möglich ist, ist auch diesem wunderbaren Film zu verdanken! Gehört für mich zur selben Klasse wie "Wie im Himmel"....

· 15.09.2006

Für mich, auch nach Ansicht von Parfum, der bisher beste deutsche Film in diesem Jahr.

Günter · 25.08.2006

Jördis Triebel und Jürgen Vogel einfach genial.

Ein Film der unter die Haut geht.

Bitte Bitte mehr solcher Filme.

Der Redaktör @schlotti123 · 01.09.2006

Ich hab den Soundtrack hier, da steht drauf:
Zarah Leander - Das Schlummerlied
Connected - Kristofer Aström
Older Chests - Damien Rice
Safe and Sound - Azure Ray

Der Rest sind wohl Eigenkompositionen. Hope this helps!

schlotti123 · 01.09.2006

toller film, tolle musik.
hat zufällig jemand noch die fünf titel im kopf, die im abspann gezeigt wurden?

I.C. · 31.08.2006

Eine sehr schöne Geschichte und eine Wohltat, Menschen zu sehen, die nicht nur aussehen wie Menschen und nicht wie geklonte Puppen, sondern sich auch so benehmen....

Vinconia · 31.08.2006

Wunderschön.

penny@schlotti · 03.09.2006

kauf dir den soundtrack, der ist wirklich richtig gut durchzuhören, auch die eigenkompositionen. läuft bei mir derzeit permanent. im film war ich schon 3mal und könnte schon wieder.

· 27.08.2006

Ein seeeeehr berührender Film. Jördis Treibel ist wirklich eine Entdeckung.

Ecki · 09.09.2006

Hat mich auch sehr berührt. Lässt wohl niemand kalt. Jördis Triebel ist spitze!

· 17.08.2006

endlich mal wieder ein richtig guter deutscher film ohne schmalz und pathos

Leoni · 18.08.2006

Super! Mit Herz und Hirn!

· 12.08.2006

Ein anrührendes Drama, eine gelungene Komödie, eine wunderschöne Liebesgeschichte. Es ist kaum zu fassen, wir haben in diesem Sommer zusammen mit "Wer früher stirbt, ist länger tot" zwei DEUTSCHE Filme im Kino, die der absoluten Spitzenklasse zuzuordnen sind. Keine Peinlichkeiten oder Dämlichkeiten. Einfach großes Kino, das meiner Meinung nach den Publikumsgeschmack trifft und zu Herzen geht, ohne banal zu sein.

Lotte Schmieder · 09.08.2006

Schon vom Buch begeistert fand ich die Kombination Lesung von Claudia Schreiber und Film bei uns einfach super. Obwohl ich das Buch liebe fand ich die teilweise abweichende Umsetzung im Film (besonders das Ende) hervorragend und kann den Film auch allen empfehlen, die das Buch nicht gelesen haben. Die Hauptdarstellerin ist eine echte Entdeckung!

Biggi · 09.08.2006

Soooo gut, heul!!!

Gast · 29.07.2006

Zu Beginn der Sneak wollte ich schon fast wieder gehn. Deutscher Film aufm Bauernhof. Auweija. Das Bleiben hat sich absolut gelohnt. Suoerfilm! Bin schon lange nicht mehr so positiv überrascht worden. Ohne Sneak wäre ich wahrscheinlich nie in den Film rein. Das ist das Tolle an den Sneaks.

noch n bernd · 28.07.2006

muss ich meinem vorredner recht geben. endlich mal ein deutscher film, abseits von sülze und plattheit und trotzdem sehr ergreifend. 6 sterne!!!

Bernd Mand · 26.07.2006

Da muss man doch mal ein großes Dankeschön in die Welt schicken. Lange keinen vergleichbar herrlichen Film gesehen.

Helga · 24.07.2006

Habe Emmas Glück am Donnerstag bei der Premiere in Düsseldorf gesehen und muß zufällig mal der Werbung recht geben. Der Film ist wirklich schweinisch gut. Unterhaltend, humorvoll und mit sehr viel Gefühl.

Kommentare

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