El Ardor - Der Krieger aus dem Regenwald

El Ardor - Der Krieger aus dem Regenwald

Die Rache des Urwalds

El ardor ist ein Dschungelfilm, wie man ihn zu kennen meint: Überwältigend sind die Bilder vom satten Grün, vom Fluss, es dampft über den Wipfeln des Waldes, die Urwaldtiere entfalten - auch wenn sie noch so klein sind - im Detailbild ihre Wirkung, und dann taucht in El ardor immer wieder der Jaguar auf - gefährlich, majestätisch, in sich ruhend. Ebenso mysteriös wie der Wald und seine Bewohner ist die Figur, die da aus dem Flusswasser auftaucht, ein Schamane, so scheint es, oder auch nur ein Junge, der seine Heimat verloren hat und nun orientierungslos in der Wildnis herumstreift. Dieser junge Mann wird zum Rächer - für seine Familie, aber auch für andere. Und hier beginnt der Western, der im südamerikanischen Urwald spielt.
Wie aus dem Nichts steigt Kai (Gael García Bernal) an den Ufern des Paraná aus dem Wasser und will die Familie einer kleinen Tabakfarm im Widerstand gegen die skrupellosen Fremden unterstützen, die Feuer im Urwald legen und die arme Landbevölkerung einschüchtern, zur Not auch mit Gewalt am Menschen, um gut gelegene Ländereien einzunehmen. Kai ist gerade erst angekommen, da wird die Farm auch schon von den Söldnern angegriffen, und Kai muss dabei zusehen, wie die beiden Männer angeschossen beziehungsweise getötet und die Tochter des Farmers, Vania (Alice Braga), verschleppt wird. Er sieht tatenlos und ruhig zu und doch merkt man ihm das Grollen (ardor im Spanischen bedeutet Glut oder Inbrunst) an, das in ihm wütet, und es ist dieser Moment, in dem er Rache schwört.

Kai folgt dem Trupp aus drei Soldaten und Vania zurück in den Urwald hinein, und das ist sein Vorteil. Hier kennt er sich aus und schnell findet er einen Weg, Vania aus den Fängen der Landräuber zu befreien. Doch es ist nur eine Rettung auf Zeit - die beiden wissen: Die Gewalttäter werden wiederkommen. Zusammen mit dem sich erholenden Vando (Julián Tello) verschanzen sie sich auf der Farm und bereiten ihre Verteidigung vor.

Das Gute kämpft also gegen das Böse, Klassiker! Und doch ist El ardor kein gewöhnlicher Genre-Film. Er bewegt sich zwischen Western und Abenteuerfilm, beschreibt den Dschungel und die Rache für die Liebe einer Frau ebenso wie die Verschiebung der Grenze zwischen Zivilisation und Natur. Ein Western im Regenwald, heißt es an vielen Stellen, und da ist wahrhaftig etwas dran. Auch wenn die Duell-Szene am Filmende nicht hätte sein müssen: Sie unterminiert die sonstige Ernsthaftigkeit des Films und rückt ihn in die Richtung Persiflage, was schade ist.

Gespielt wird Kai, der rätselhafte Rächer, von Gael García Bernal, der gerne auch Lateinamerikas Helden spielt wie Ernesto 'Che' Guevara in The Motorcycle Diaries. In El ardor bleibt er allerdings etwas verhalten, das Mysteriöse der Figur scheint durch, ist aber nicht ganz rund. Alice Braga dagegen überzeugt in ihrer Rolle als Vania wie es auch die Söldner-Darsteller tun, denen man ihre Skrupellosigkeit gegenüber den Menschen ebenso glaubt wie ihr Desinteresse an Natur und Umwelt.

El ardor ist ein leiser Film mit wenig Dialog, aber vielen sprechenden Bildern. Sorgfältig inszeniert Regisseur Pablo Fendrik seine Filmbilder, das Grün des Waldes, die weichen Bewegungen des Jaguars, den Urwald, der selbst zur Figur wird und den Kampf um Freiheit unterstützt. Und es ist ein langsamer Film. Selbst der finale Kampf ist in Ton und Rhythmus zurückgenommen, und das macht die Filmszenen so eindrucksvoll. Damit ist El ardor ein Film für verschiedene Publikumstypen: für Genre-Liebhaber ebenso wie für Freunde des lateinamerikanischen Films.

(Verena Schmöller)

El Ardor - Der Krieger aus dem Regenwald

"El ardor" ist ein Dschungelfilm, wie man ihn zu kennen meint: Überwältigend sind die Bilder vom satten Grün, vom Fluss, es dampft über den Wipfeln des Waldes, die Urwaldtiere entfalten - auch wenn sie noch so klein sind - im Detailbild ihre Wirkung, und dann taucht in "El ardor" immer wieder der Jaguar auf - gefährlich, majestätisch, in sich ruhend.
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