Ein wirklich junges Mädchen

Ein wirklich junges Mädchen

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Erwachsenwerden

Die Schriftstellerin Catherine Breillat gab mit Ein wirklich junges Mädchen ihr Regiedebüt. Aufgeführt wurde ihr 1976 produzierter Film jedoch erst fast ein Vierteljahrhundert später. Zur Zeit seiner Entstehung war das provokante Werk, das in seiner kruden Form eine erstaunliche Poesie offenbart, nicht auswertbar. Wie auch bei Breillats späteren Werken, z.B. Romance, stand der Pornographievorwurf im Raum.
Die 14-jährige Alice verbringt die Sommerferien bei ihren Eltern in der Provinz. Die junge Frau erscheint physisch schon weit reifer, ist jedoch noch ein Kind, das mit der in ihm aufkeimenden Sexualität zurechtzukommen versucht. Zwischen Lust und Scham taumelnd, erkundet Alice ihren eigenen Körper, aber auch die Wirkung, die sie bei Männern hervorruft. Im Sägewerk lernt sie den 20-jährigen Jim kennen und macht ihm schöne Augen. Aber ist er auch der Richtige, um ihre Phantasien umzusetzen?

Ein wirklich junges Mädchen ist kein erotischer Film. Breillats Intention ist es nicht, den Zuschauer zu erregen. Darum könnte er nicht weiter von Pornographie entfernt sein. Nahaufnahmen weiblicher Primärgeschlechtsteile ändern daran nichts, da sie im Rahmen einer höchst surrealen Sequenz in erster Linie als Ausdruck des geistigen Aufruhrs der Hauptfigur dienen. Für die junge Alice ist Sexualität mit Verfall und Tod verbunden, ekelt sie das eigene sexuelle Erwachen doch an. Breillat findet große und kleine Symbolismen für das sexuelle Erwachen ihrer Hauptfigur. Die drastischen Bilder, die sie dabei heraufbeschwört, brennen sich ins Gedächtnis des Zuschauers ein und bringen die Gefahr mit sich, ihn auszugrenzen, anstatt ihn für die emotionale Tiefe des Werks zu öffnen.

Breillat, die für ihren Debütfilm der Bildsprache des Pornofilms jener Dekade verhaftet ist, arbeitet hier noch nicht so geschliffen und filigran wie in ihren späteren Werken. Umso interessanter ist der Blick auf Ein wirklich junges Mädchen aus der Retrospektive, wenn man das übrige Werk der Regisseurin in Kontext setzen kann. Viel von dem, was Breillats spätere Filme Schuhgröße 36 oder Romance auszeichnet, ist auch hier in seiner Protoform schon vorhanden.

Das sexuelle Erwachen junger Frauen, das Aufblühen, wenn man so will, ist filmisch betrachtet eine männliche Domäne. Breillat setzt dem eine dezidiert weibliche Sichtweise entgegen, die Einblicke gewährt, wie sie in männlich dominierter Erotica so nicht spür- und erlebbar sind. Ein in seiner drastischen Erzählweise schöner, aber auch verstörender Film über eine Alice, die nicht ins Wunderland, sondern in die wundersame Welt des Erwachsenwerdens aufbricht.

Ein wirklich junges Mädchen

Die Schriftstellerin Catherine Breillat gab mit „Ein wirklich junges Mädchen“ ihr Regiedebüt. Aufgeführt wurde ihr 1976 produzierter Film jedoch erst fast ein Vierteljahrhundert später. Zur Zeit seiner Entstehung war das provokante Werk, das in seiner kruden Form eine erstaunliche Poesie offenbart, nicht auswertbar. Wie auch bei Breillats späteren Werken, z.B. „Romance“, stand der Pornographievorwurf im Raum.
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