Ein mörderischer Sommer

Ein mörderischer Sommer

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Dienstag, 18. August 2009, arte, 21:00 Uhr

Es gibt schreckliche Ereignisse innerhalb einer Familiengeschichte, die sich trotz oder auch gerade wegen ihrer strikten Tabuisierung aus der Vergangenheit erheben und einem schleichenden Gift gleich das Gegenwärtige infiltrieren. Eine derartige Konstellation liegt dem Film Ein mörderischer Sommer aus dem Jahre 1982 von Jean Becker nach dem Roman Blutiger Sommer / L’été meurtrier von Sébastien Japrisot (alias Jean-Baptiste Rossi) zu Grunde, der auch gemeinsam mit dem Regisseur das Drehbuch verfasste.
In der gleißenden Sommerhitze eines südfranzösischen Provinzstädtchens sorgt die 19jährige Eliane (Isabelle Adjani) vor allem unter den männlichen Einwohnern für einigen Aufruhr, denn die respektlos auftretende Schönheit verkörpert in aufreizender Manier eine blutjunge Femme fatale, die nur scheinbar zufällig in der Gegend gelandet ist. Als sich der brave Mechaniker und Feuerwehrmann Pin Pon (Alain Souchon) in Eliane verliebt, werden die beiden trotz anfänglicher Schwierigkeiten bald darauf ein Paar. Die junge Frau zieht sogar zu Pin Pon auf den Bauernhof, wo er gemeinsam mit seiner Mutter (Jenny Clève), seinen Brüdern Mickey (François Cluzet) und Boubou (Manuel Gélin) sowie seiner ein wenig kauzigen Tante Cognata (Suzanne Flon) lebt.

So verwunderlich das Verhalten der explosiv ambivalenten Eliane auch erscheint, steckt dahinter die zielstrebige Absicht, einem so geheimnisvollen wie quälenden Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen. Denn ihre Mutter Eva (Maria Machado) wurde vor zwanzig Jahren das Opfer einer Vergewaltigung durch drei Männer, von denen einer der leibliche Vater Elianes sein muss, die nicht ahnt, dass ihr Stiefvater Gabriel (Michel Galabru) ebenfalls in die damaligen Geschehnisse verstrickt ist. Als Eliane glaubt, in dem Makler Touret (Max Morel) und dem Holzfabrikanten Leballech (Jean Gaven) zwei der Schuldigen gefunden zu haben, nimmt eine verhängnisvolle Katastrophe ihren Lauf …

Ein mörderischer Sommer, der 1983 im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes antrat, wurde im Jahre darauf für neun Césars nominiert, von denen er schließlich vier gewann, unter anderem für Isabelle Adjani als Beste Hauptdarstellerin in der Rolle der herausfordernd erotischen Eliane. Der auch beim Publikum seinerzeit überaus erfolgreiche Film über eine zunehmend verwirrte junge Frau, die ihre mächtige Wirkung auf Männer bewusst einsetzt, um ihre geheimen Rachepläne zu verfolgen, entwickelt sich mit anregender, wachsender Spannung zu einer psychologisch tiefgründigen, letztlich tragischen Geschichte von flirrender Dichte. Regisseur Jean Becker (Dialog mit meinem Gärtner / Dialogue avec mon jardinier, 2007, Tage oder Stunden / Deux jours à tuer, 2008) gibt seinen Figuren sowie den dramaturgischen Wendungen innerhalb seiner variantenreichen Erzählperspektiven ausreichend Zeit und Raum, eine beklemmende Intensität zu entfalten, die den sinnlich vorgekochten Zuschauer unbarmherzig verschmoren lässt.

Ein mörderischer Sommer

Es gibt schreckliche Ereignisse innerhalb einer Familiengeschichte, die sich trotz oder auch gerade wegen ihrer strikten Tabuisierung aus der Vergangenheit erheben und einem schleichenden Gift gleich das Gegenwärtige infiltrieren. Eine derartige Konstellation liegt dem Film Ein mörderischer Sommer aus dem Jahre 1982 von Jean Becker nach dem Roman Blutiger Sommer / L’été meurtrier von Sébastien Japrisot (alias Jean-Baptiste Rossi) zu Grunde, der auch gemeinsam mit dem Regisseur das Drehbuch verfasste.
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