Die Hamburger Krankheit

Die Hamburger Krankheit

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein abgefahrenes Spektakel mit Weltuntergangsstimmung hat der Regisseur Peter Fleischmann mit diesem Film von 1979 inszeniert, der seinerzeit zwar wenig erfolgreich an den Kinokassen war, aber vor allem im Fantasy-Bereich seine Fans fand. Auf dem Fantasporto Filmfestival im portugiesischen Porto für den Besten Film nominiert und beim italienischen Mystfest in Cattolica für die Beste Regie ausgezeichnet erscheint Die Hamburger Krankheit nun im Rahmen der Filmverlag der Autoren Edition von Arthaus mit ausführlichem Begleitmaterial – darunter auch die sehenswerte Dokumentation Herbst der Gammler von Peter Fleischmann aus dem Jahre 1968, die den Charakter eines spannenden soziopolitischen Zeitzeugnisses aufweist – erstmals auf DVD.
Während auf einer Fachtagung in Hamburg, an der auch der innovative Mediziner Sebastian (Helmut Griem) als Redner teilnimmt, über das Thema der Verlängerung des menschlichen Daseins diskutiert wird, nimmt eine Serie von seltsamen Todesfällen ihren Anfang. Auffallend ist dabei, dass die Sterbenden durchweg die typische Haltung eines Embryos einnehmen, und Sebastians Interesse an derartig aufgefundenen Leichen wächst. Doch rasch wird der Arzt aus dem Verkehr gezogen und mit einigen anderen Personen, die ebenfalls Kontakt mit den offensichtlich von einer mysteriösen Seuche dahingerafften Toten hatten, im Krankenhaus unter Quarantäne gestellt. Gemeinsam mit einem Imbissverkäufer, einer jungen Frau (Carline Seiser) und einem aufgekratzten Freak im Rollstuhl (Fernando Arrabal) flüchtet Sebastian aus der Klinik, und es beginnt ein Roadmovie durch ein chaotisches Deutschland im Ausnahmezustand.

Ein ungewöhnlicher Film, bizarr verstärkt durch die elektronische Musik des mittlerweile weltbekannten Komponisten Jean-Michel Jarre, ist Die Hamburger Krankheit allemal. Und was aus damaliger Sicht noch unausgereift, allzu albern und defizitär gewirkt haben mag, lässt sich heute durchaus als Trash im positiven Sinn dieser Begrifflichkeit bezeichnen, vernachlässigt man einmal die hintergründigen Aspekte einer Interpretation als schräg sitzende Gesellschaftssatire. Da wird der Tod des deutschen Bundeskanzlers – damals Helmut Schmidt, der mit nunmehr 90 Jahren noch so manche Gestalten überlebt hat – verkündet, es erheben sich die Profiteure der Krisensituation und der anfängliche Hauptcharakter, durch den sich der Zuschauer die völlig ausbleibende Aufklärung erhofft hatte, stirbt unvermittelt, woraufhin die Handlung eine drastische Fokusverschiebung erfährt: Das ist unorthodoxes, binahe mitunter trotzig wirkendes Filmschaffen, wie man es von Peter Fleischmann (Dorotheas Rache, 1974, Es ist nicht leicht ein Gott zu sein, 1990, Mein Freund, der Mörder, 2006) kennt, der im Interview auf der DVD so manche Anekdote zur Entstehung und Drehzeit des Films zum Besten gibt.

Die Hamburger Krankheit

Ein abgefahrenes Spektakel mit Weltuntergangsstimmung hat der Regisseur Peter Fleischmann mit diesem Film von 1979 inszeniert, der seinerzeit zwar wenig erfolgreich an den Kinokassen war, aber vor allem im Fantasy-Bereich seine Fans fand.
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