Destroyer (2018)

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Wenn Karyn Kusama Nicole Kidmans Körper, von Alkohol und Schlafmangel gezeichnet, auf einen persönlichen Rachefeldzug schickt – gelingt ihrem Film „Destroyer“ damit die feministische Aneignung selbstzerstörerischer Cop-Figuren?

Destroyer (2018)

Eine Filmkritik von Lucia Wiedergrün

Unsichtbar

Von Jahrzehnten der Alkoholsucht, von Selbst- und Fremdhass gezeichnet, inszeniert Karyn Kusama ihre Protagonistin Erin Bell. Nicole Kidman spielt in „Destroyer“ diese vom Leben gezeichnete Frau auf ihrem einsamen Rachefeldzug. Erin Bell ist Detective des Los Angeles Police Department. Sie ist ein Cop, wie das Kino sie liebt. Ihre Gedanken hängen in der Vergangenheit, die über Rückblenden immer wieder Einzug in die Gegenwart hält. Der Körper ist nur Arbeitswerkzeug und wird vom Alkohol aufrechtgehalten, die menschlichen Beziehungen haben diesen jahrelangen emotionalen Raubbau nicht gut überstanden und so ist Ellens Beziehung zu ihrer Tochter zerrüttet. So weit, so bekannt – was daran neu erscheint: Kusama schickt mit Erin Bell eine einsame Wölfin in L.A.s staubige Weiten.

Der Fall, der Erins Leben für immer verändert, liegt sechzehn Jahre zurück. Als junge, aufstrebende FBI-Agentin wurde sie mit ihrem Partner Chris (Sebastian Stan) in eine Bankraub-Gang eingeschleust. Die Ereignisse von damals werden den ZuschauerInnen erst langsam enthüllt und suchen die Gegenwartsbilder des Films wie ein Trauma immer wieder heim. Dabei wird deutlich, dass es kein Entkommen vor der Vergangenheit gibt. Und so begibt sich Erin Bell auf die unvermeidliche Suche nach den Geistern des Gestern. Ihr Ziel ist es, Silas (Toby Kebbell), den Anführer der Bankräuber zu finden, den sie für ihr Leid verantwortlich macht. Nicht, um sich eine Zukunft zu erstreiten, sondern weil es außer dem Damals nichts mehr zu geben scheint.

In der Gegenüberstellung der zwei Zeitebenen wird ein diskursives Anliegen des Films besonders deutlich: der Fokus auf Erin Bells gebrochenen, alternden Körper. Der Feminismus hat früh erkannt, dass der alternde Frauenkörper ein ikonographisches Tabu darstellt und genau daran arbeitet sich Destroyer ab. In den weiten ockerfarbenen Landschafsaufnahmen, den körnigen, braunen Highways, die immer nur durch das vom Staub in der Luft gebrochene Licht zu sehen sind, verschwindet Erins fragiler Körper scheinbar, obwohl sie fast in jeder Einstellung zu sehen ist. Das ist ein spannender Ansatz, doch schafft dieses ästhetische Konzept leider in erster Linie Distanz. Die Unsichtbarkeit und der Versuch, sich mit Gewalt daraus zu befreien, bleiben für das Publikum immer nur beobachtbar, nicht erfahrbar.

Dass der Film so weit hinter seinem emotionalen Potential zurückbleibt, hat aber noch einen anderen Grund: seine Unentschiedenheit. Destroyer wird zerrieben zwischen einerseits für einen Thriller eher unterkomplexen Handlung, die sich so langsam entfaltet, dass lange unklar bleibt, was eigentlich passiert, und andererseits dem emotionalen Gewicht, das Erins Kampf mit ihren eigenen Schuldgefühlen entfalten könnte. Dass der Film dabei letzteres als eine Art Twist den Thriller-Anteilen gegenüberstellt, steigert diese Zerrissenheit noch.

Destroyer hätte vieles sein können. Ein spannender Thriller, eine Studie über alternde Frauenkörper als die großen Unsichtbaren oder eine einfühlsame Erfahrung von Schuldkomplexen und der immer wiederkehrenden Zeitstruktur von Traumata. Stattdessen erzeugen die langsamen Kamerafahrten, die Zeitlupen- und -sprünge sowie der Aufschub des Handlungsverlaufs mitunter ein quälendes Gefühl der Langeweile, das dem Potential des Films bei weitem nicht gerecht wird.

Destroyer (2018)

Als ein neuer Fall schlimme Erinnerungen an eine vergangene Undercover-Ermittlung hervorruft, muss sich eine Polizistin des LAPD ihren persönlichen wie beruflichen Dämonen stellen.

 

 

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