Bully - Diese Kids schockten Amerika (2001)

Bully - Diese Kids schockten Amerika (2001)

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Eine wahre Geschichte

Larry Clark spaltet die Gemüter. Das ist ihm im Jahr 2001 auch mit seinem dritten Film gelungen, der wie eine Synthese aus Kids und Another Day in Paradise erscheint. Er ist Bestandsaufnahme einer verlorenen Jugend auf der einen und Crime-Drama auf der anderen Seite. Wie bei Clark üblich, gestaltet er seinen auf einer wahren Geschichte beruhenden Film kontrovers, aber auch äußerst direkt. Mit der Handkamera hält er immer mitten drauf. Roh, unmittelbar, voll dabei – als Zuschauer kann man sich der ungelenken, aber spürbaren Kraft des Films nicht entziehen.

Marty (Brad Renfro) wird von seinem Kumpel Bobby (Nick Stahl) schikaniert, wie eigentlich jeder in Bobbys Umgebung. Er liebt es, Menschen zu quälen. Das weiß auch Marty, aber er kann sich dem nicht entziehen. Als er Lisa (Rachel Miner) kennen- und lieben lernt, findet Bobby neue Opfer: Lisa und ihre Freundin Ali (Bijou Phillips). Marty, Lisa und Ali ist klar, dass es mit Bobby so nicht weitergehen kann. Sie beschließen, dass Bobby sterben muss.

Man kann darüber philosophieren, ob Clark, ein Baby Boomer, überhaupt die Sensibilität – oder das Verständnis – besitzt, sich in die Gemütslage der Generation Y zu versetzen. Er versteht es aber, auf starkes Quellmaterial zu setzen. Wo Kids einst noch vom Independent-Enfant-Terrible Harmony Korine geschrieben wurde, basiert Bully auf einem Sachbuch von Jim Schulze, der in seinem Text plädiert, dass die Teenager, die zu Mördern wurden, ganz normale Kids waren. Auch der Film nimmt diese These auf und porträtiert die Teenager als Mitglieder der weißen Mittelklasse; Menschen, denen so etwas eigentlich nicht zuzutrauen wäre. Wer sich von Bully eine Antwort erwartet, was diese Kids zu Mördern machte, der wird sie nicht bekommen.

Es kann sie auch gar nicht geben. Die Tat ist unfassbar, ein Stück weit gilt das sogar für die Motivation, denn es ist tatsächlich mehr als eine simple Rachegeschichte, die hier stattfindet. Es ist auch Eifersucht auf den Bully, der anders als seine „Freunde“, so etwas wie eine Zukunft hat, die aus mehr besteht, als den Eltern auf der Tasche zu liegen. Diese Kids leben in den Tag hinein: Sie trinken, sie nehmen Drogen, sie ficken miteinander – und dann bringen sie einen der ihren um. Der Film wählt einen semidokumentarischen Ansatz. Clark zeigt, was geschehen ist, er enthält sich aber eines moralischen Urteils, sondern lässt die Geschichte für sich sprechen. Daraus bezieht Bully auch seine Wucht. Dies ist ein Film, der nicht kalt lassen kann, und der keineswegs darauf limitiert werden darf, dass Clarks Kamera immer nahe am Objekt bleibt, selbst in den intimsten Momenten. Das verleiht dem Ganzen ein schmuddeliges Gefühl, das ist gar keine Frage, aber es ist weit mehr als nur Selbstzweck. Clark nutzt den bedeutungslosen Sex seiner Figuren auch, um ihre innere Leere zu illustrieren. Es ist das Porträt einer verlorenen Jugend, aufgerieben zwischen dem Wohlstand der Eltern und einer Zukunft, die alles andere als strahlend ist.
 

Bully - Diese Kids schockten Amerika (2001)

Larry Clark spaltet die Gemüter. Das ist ihm im Jahr 2001 auch mit seinem dritten Film gelungen, der wie eine Synthese aus "Kids" und "Another Day in Paradise" erscheint. Er ist Bestandsaufnahme einer verlorenen Jugend auf der einen und Crime-Drama auf der anderen Seite. Wie bei Clark üblich, gestaltet er seinen auf einer wahren Geschichte beruhenden Film kontrovers, aber auch äußerst direkt. Mit der Handkamera hält er immer mitten drauf. Roh, unmittelbar, voll dabei – als Zuschauer kann man sich der ungelenken, aber spürbaren Kraft des Films nicht entziehen.

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