One Way Trip

One Way Trip

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Hände weg von diesen Pilzen!

Auch wenn Michael Steiners Sennentuntschi gemeinhin als der erste Schweizer Horrorfilm gilt – bei Lichte besehen ist dieser eher ein Mystery-Drama mit gezielten, aber vergleichsweise harmlosen Schockeinlagen. Markus Welters One Way Trip hingegen soll nun zeigen, dass lupenreine Genrekost aus der Schweiz durchaus im internationalen Vergleich mithalten kann – zumal der Film damit wirbt, der erste Schweizer 3D-Film zu sein.
Weil der Film offensichtlich als eine Art Leistungsschau mit deutlichen Bezügen auf den internationalen Markt ist, könnte die Geschichte – abgesehen von den ersten zehn Minuten – genauso gut auch in den nordamerikanischen Backwoods spielen. Sechs junge Leute brechen in den Jura auf, um dort gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen. Am Zielort treffen sie dann noch auf ein weiteres Pärchen, so dass sie nun zu acht sind. Der Plan ist einfach: Bier und reichlich Proviant sowie die mitgebrachten Zelte und die Suche nach einem halluzinogenen Pilz namens „Spitzkegeliger Kahlkopf“ sollen diesen Campingausflug zu einem unvergesslichen Trip werden lassen. Klar, dass diese kleine Reise geradewegs in die Hölle führt – und das liegt weniger an dem Pilz als vielmehr an der Tatsache, dass es offensichtlich jemand auf sie abgesehen hat. Als das erste Opfer übel zugerichtet in den Lichtschein des Lagerfeuers stolpert und dort zusammenbricht und die Handys und Autos nicht mehr funktionieren, wie sie sollten, bricht Panik aus. Rettung verspricht da ein nahe gelegenes Gehöft, doch dort angekommen, wird schnell klar, dass sie nun richtig in der Falle sitzen.
 
Atmosphärisch kann man an One Way Trip eigentlich wenig aussetzen – souverän, aber gleichwohl wenig innovativ rauscht der Wald, wallen die Nebel, alles Üble kommt aus dem Dunkel und ist dank entsprechender Kennzeichnung leicht als solches identifizierbar. Das kennt man so aus vielen anderen Filmen ähnlicher Bauart und das funktioniert dort wie hier leidlich, sofern man ein Fan repetitiver Strukturen und Muster ist. Wobei die Würze, gerade angesichts der unzähligen Filme, die nach diesem dramaturgischen Schema und mit diesen inszenatorischen Zutaten fabriziert wurden, gerade in der Abwandlung, der Variation, der (musikalisch gesprochen) Improvisation über ein Thema liegt. Und davon hat One Way Trip – abgesehen von den 3D-Effekten – nahezu nichts Neues zu bieten.

Leider – und das ist das eigentliche Grundproblem – braucht der Film für einen ordentlichen Slasher viel zu lange, um endlich in die Gänge zu kommen. Bis es (endlich) zur Sache geht, ist bereits mehr als eine Stunde vergangen. Das wäre zwar durchaus zu verwinden, wenn die Story zuvor ausreichend interessante Charaktere geschaffen hätte, denen der Zuschauer mit Sympathie oder gar Empathie folgen würde. Doch auch das ist nicht der Fall. Dass die Figuren allesamt reichlich eindimensional bleiben, daran können auch die 3D-Effekte nichts ändern.

One Way Trip ist sicherlich kein Meisterwerk und für Hardcore-Fans der rauen Gangart eher nicht zu empfehlen, weil sie nahezu jeden Kniff und jede Wendung anderswo schon einmal (und zwar besser) gesehen haben dürften, Vielleicht markiert er aber – und das wäre dann doch noch ein gutes Ende dieser Geschichte – den Beginn eines Umdenkprozesses, der Genrekost aus Europa endlich mal eine Chance gibt. Dazu bedarf es freilich auch des Nachweises, dass man gegen Produktionen aus den USA durch Eigenständigkeit, Witz und Fantasie mithalten. Zumindest an dieser Mission muss dann doch noch ein wenig gefeilt werden.

One Way Trip

Auch wenn Michael Steiners „Sennentuntschi“ gemeinhin als der erste Schweizer Horrorfilm gilt – bei Lichte besehen ist dieser eher ein Mystery-Drama mit gezielten, aber vergleichsweise harmlosen Schockeinlagen. Markus Welters „One Way Trip“ hingegen soll nun zeigen, dass lupenreine Genrekost aus der Schweiz durchaus im internationalen Vergleich mithalten kann – zumal der Film damit wirbt, der erste Schweizer 3D-Film zu sein.
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