Bright

Bright

Eine Filmkritik von Lars Dolkemeyer

Nicht besonders bright

Wenn David Ayer sich nach seinem Suicide Squad-Debakel (2016) dem Cop-Thriller zuwendet, dann ist dies eine Rückkehr in heimatliche Gefilde: Training Day (2001) verhalf ihm zum Durchbruch als Drehbuchautor, mit Filmen wie End of Watch (2012) gelangen ihm im Genre auch Erfolge als Regisseur. Grund genug, bei der Netflix-Eigenproduktion Bright (2017) bester Dinge zu sein, oder zumindest neugierig: Die bekannte Formel eines ungleichen Duos im Kampf gegen die bad guys wird in eine Fantasy-Welt voller Orks, Elfen und Feen versetzt. Ein bewährtes Schema, eine interessante Drehung, das müsste eigentlich irgendwie aufgehen. – Oder? Nur irgendwie? Bitte, irgendwas muss doch aufgehen! Bitte ...
Elfin Tikka (Lucy Fry) hat einen magischen Zauberstab geklaut, den die abtrünnige Elfin Leilah (Noomi Rapace) zurückhaben möchte. Durch unglückliche Verstrickungen ist Polizist Ward (Will Smith) mit seinem Ork-Partner Jakoby (Joel Edgerton) auf Tikka gestoßen und nun müssen sie Zauberstab und Mädchen beschützen. Aber auch zwei Agenten der Magic Task Force des FBI sind hinter ihnen her. Dabei ist es nicht gerade hilfreich, dass Jakoby als erster Ork bei der Polizei einer Menge Vorurteilen ausgesetzt ist und auch sein Partner Zweifel an der Aufrichtigkeit eines Orks hegt. Außerdem gibt es noch einen Dark Lord, den man irgendwie mit Zauberstäben beschwören kann. Aber es gab diesen riesigen Krieg, der das Böse aus der Welt geschafft hat und bis heute die Klassen-Gesellschaft in Orks, Menschen und Elfen spaltet. Und es gibt einen Geheimbund, der auch irgendwas kann. Und Ork-Clans, die das organisierte Verbrechen steuern, oder so. Aber, ganz ehrlich, so sicher bin ich mir da nicht. Gut, dass der Film in regelmäßigen Abständen zwei Figuren einander den Plot erklären lässt („What a shitshow. You want to unpack this for me, boss?“).

Zu sagen, dass Bright Potenzial gehabt und verschenkt hätte, wäre zu viel des Lobes: So interessant die ursprüngliche Idee einer Verbindung von Großstadt-Thriller und Fantasy-Welt gewesen sein mag, so sehr wird sie begraben unter den Trümmern einer kolossal in sich kollabierenden Erzählkonstruktion, deren zahllose überflüssige, undurchsichtige und in Sackgassen mündende Nebenstränge ihren Beitrag höchstens zur Ermüdung des Zuschauers leisten. Und die stellt sich bei Bright verdammt schnell ein: Wenn die zitierte Sequenz zwischen Handlanger und Bösewicht kommt, ziemlich genau in der Mitte des Films, um noch einmal Punkt für Punkt den Film zu erklären – wer hat jetzt gerade warum welchen Stab und kämpft gegen wen? – hat man längst schon kein Interesse mehr daran, dem noch zu folgen. Aber was ist so schief gelaufen bei Bright?

In den ersten Bildern des Films sind Protest-Graffitis zu sehen, wie man sie aus allen Großstädten kennt – nur geht es hier um Protest gegen die Trennung von Elfen, Menschen und Orks in herrschende Klasse, Arbeiter und kriminalisierte Unterschicht. Die interessanten Einfälle der politischen Allegorie des Films enden allerdings mit dem Vorspann: Der erste Ork bei der Polizei muss nun selbst Polizeigewalt und Korruption mitansehen. Sein Wunsch, ein richtig guter Polizist zu werden, scheint allenfalls naiv in dieser verkommenen Welt zwielichtiger Gestalten. Und plötzlich geht es überhaupt nicht mehr um Rassentrennung, um politische Veränderung, um das Sozialsystem, das der Film in seiner ersten Hälfte ausführlich präsentierte, sondern nur um eine allgemeine Düsternis und diese krassen magischen Stäbe! Yeah! Und Boom Boom Schießerei im Stripclub, woooho!

Nachdem die beiden Figuren Ward und Jakoby sich als generische Abziehbildchen enthüllt haben, macht der Film bei Leilah, Tikka und dem bösen Elfen-Dude gar keine Anstalten mehr so zu tun, als hätte er irgendein Ziel, eine Idee, oder eine Vision, in der die Figuren eine Rolle spielen könnten. In nachtschwarzen Bildern versinkt über weite Strecken die Welt des Films und von den Figuren ist niemand mehr zu erkennen. Gelegentlich gibt es unübersichtliche und uninspiriert weginszenierte Schießereien, die so hektisch sind, dass auch dort die Fraktionen nicht zu unterscheiden sind. Die gleichförmig-dunkle Tönung des Bildes, das sich damit verschließt, und der auch abseits der Action-Sequenzen eklatante Mangel an rhythmischem Gefühl sind die zentralen Probleme des Films. Am Ende ist alles plötzlich vorbei und dass das gerade also ein Endkampf sein sollte, ist erst mit der obligatorischen Medaillenübergabe-Szene klar.

Bright ist ein Film, dessen eigenes Desinteresse an seinen Figuren, seiner Welt und seiner Erzählung so gravierend ist, dass die unvorstellbare Lieblosigkeit, mit der die zwei Stunden Laufzeit den Zuschauern zugemutet werden, nur als Beleidigung empfunden werden kann.

Bright

Wenn David Ayer sich nach seinem "Suicide Squad"-Debakel (2016) dem Cop-Thriller zuwendet, dann ist dies eine Rückkehr in heimatliche Gefilde: "Training Day" (2001) verhalf ihm zum Durchbruch als Drehbuchautor, mit Filmen wie "End of Watch" (2012) gelangen ihm im Genre auch Erfolge als Regisseur. Grund genug, bei der Netflix-Eigenproduktion "Bright" (2017) bester Dinge zu sein, oder zumindest neugierig.
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Bright von David Ayer
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117 Min
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