Alles was Du willst (2017)

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Ein orientierungsloser Studienabbrecher leistet einem dementen Dichter Gesellschaft. Francesco Bruni macht daraus eine poetische Tragikomödie mit unerwarteten Seiten.

Alles was Du willst (2017)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Der Dichter und der Taugenichts

Die Geschichte vom Lehrmeister, der seinen Schüler auf den richtigen Weg bringt, ist uralt. Drehbuchautor Francesco Bruni erzählt sie nicht zum ersten Mal, eine Variante davon brachte er in seinem Regiedebüt „Scialla!“ (2011) auf die Leinwand. In seiner dritten Regiearbeit versetzt er dem Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler einen entscheidenden Twist: Der eine leidet an Alzheimer, was ihn beinahe genauso einfältig wie den anderen macht.

Alessandro (Andrea Carpenzano) ist ein Taugenichts. Sein Studium hat er geschmissen. Seither sitzt der 22-Jährige den ganzen Tag im Café und unterhält sich mit seinen Kumpels Riccardo (Arturo Bruni), Tommi (Emanuele Propizio) und Leo (Riccardo Vitiello) hochtrabend über aussichtslose Zukunftsträume und abfällig über vorbeiflanierende Frauen. Die Kellnerin Zoe (Carolina Pavone) findet er süß, hat stattdessen aber ein heimliches Verhältnis mit Riccardos Mutter Claudia (Donatella Finocchiaro). Kommt ihm einer dumm, lässt er die Fäuste sprechen. Doch dann wird es seinem Vater Stefano (Antonio Gerardi) zu bunt. Er drückt dem Sprössling einen Job aufs Auge, der dessen Leben verändern wird.

Widerwillig heuert Alessandro als Aufpasser des an Alzheimer erkrankten Dichters Giorgio (Giuliano Montaldo) an. Die ruhige, großzügige und wohlerzogene Art des 85-Jährigen färbt schließlich auf Alessandro ab. Und sein Wechsel vom hellwachen zum verwirrten Zustand erzeugt manch heitere Situation. Ein wirkliches Lehrer-Schüler-Verhältnis ist das freilich nicht. Das Belehren liegt Giorgio ebenso fern wie Filmemacher Bruni. Der greise Poet erzieht den jungen Herumtreiber nicht durch Regeln und Ratschläge, sondern durch seine bloße Anwesenheit. Alessandro schaut Giorgio schlicht auf die Finger und sich dabei jede Menge ab.

Wie bei allen Filmen, die vorgefertigten Mustern folgen, geht es auch hier um deren Variation. Alessandros Wandel ist erwartbar, ebenso sein Konflikt mit Riccardo und der Bruch mit Claudia. Unterwegs schlägt Bruni allerdings manch unvorhergesehenen Nebenweg ein, unter anderem eine kuriose Schatzsuche. Wie die beiden Hauptfiguren stellen sich auch Alessandros nichtsnutzige Kumpels als liebenswerte Möchtegerne heraus. Statt den greisen Giorgio abzuzocken, sind gerade ihre vermeintlich unnützen Alltagsbeschäftigungen für den Alten von Nutzen. Beim nächtlichen Spiel am Pokertisch oder dem nachmittäglichen vor der Videokonsole kommen Erinnerungen hoch: an sportliche Triumphe oder Verwundungen aus dem Krieg – je nachdem, ob gerade ein Fußball- oder ein Ballerspiel im Gerät steckt.

Mit augenzwinkernden Wendungen wie diesen und viel Sympathie für seine mal schlitzohrigen, meist ziemlich begriffsstutzigen Figuren nimmt Bruni sein Publikum für sich ein. Sein Humor ist nicht immer subtil, aber leise. Giuliano Montaldo verleiht dem von der Öffentlichkeit vergessenen Dichter, der sich mitunter nicht einmal mehr an seine eigene Profession erinnert, selbst in albernen Momenten Würde. Andrea Carpenzano ist in seiner erst zweiten Rolle eine echte Entdeckung.

Mit dem jungen Protagonisten kommt auch der Film zur Ruhe. Arnaldo Catinaris anfangs ruhelose Kameraführung ist am Ende kaum mehr wahrzunehmen. Carlo Virzìs zurückhaltende Musik erdet die Bilder. „Man schreibt, wenn man nicht weiß, wohin mit all der Liebe“, sagt Giorgio an einer Stelle zu Alessandro. Francesco Bruni hat einen Film über Nächstenliebe, Fürsorge, unerwartete Freundschaft und Verbundenheit geschrieben und seine ganze Liebe in seine Figuren gepackt.

Alles was Du willst (2017)

Alessandro, der ein ziemliches Lotterleben führt, wird von seinem Vater dazu gezwungen, als Betreuer für den betagten Dichter Giorgio (Giuliano Montaldo) zu arbeiten. Zwischen dem ungebildeten Jungen und dem intellektuellen Greis, der bereits mit einigen Gedächtnislücken zu kämpfen hat, entwickelt sich eine Freundschaft mit ganz unvorhersehbarem Ausgang.

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