Der Wolf und der Löwe (2021)

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Nach „Mia und der weiße Löwe“ hat Regisseur Gilles de Maistre erneut eine außergewöhnliche Tiergeschichte für die ganze Familie inszeniert. Zum ersten Mal sollten in einem Film ein Löwe und ein Wolf gleichzeitig zu sehen sein und sogar als unzertrennliche Freunde herumtollen.

Der Wolf und der Löwe (2021)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Zwei Raubtiere werden Brüder

Eigentlich wollte die junge Pianistin Alma (Molly Kunz) nach der Beerdigung ihres Großvaters nur eine Nacht in seinem Haus verbringen. Doch dann tritt sie nach einer Gewitternacht vor die Tür auf der idyllischen Privatinsel in den kanadischen Wäldern und befreit eine Schneewölfin von den Resten einer Netzfalle. Dann fällt ihr auch noch ein Löwenjunges direkt in die Arme, das bei einem Flugzeugabsturz in einem Vogelnest gelandet war. Die Wölfin, die Zutrauen zu Almas Großvater entwickelt hatte, kommt mit ihrem Jungen im Maul ins Haus gelaufen. Alma beschließt, nun doch etwas länger zu bleiben. Die Wölfin nährt auch das Löwenkind, und so wachsen die beiden Tierkinder zu unzertrennlichen Brüdern heran. 

Der französische Regisseur Gilles de Maistre und seine Frau, die Drehbuchautorin Prune de Maistre, bringen nach ihrem großen Erfolg Mia und der weiße Löwe von 2018 erneut einen Familien-Abenteuerfilm auf die Kinoleinwand, der Kinder vom Thema her fesseln dürfte. Auch diesmal geht es um die Freundschaft zwischen Mensch und Raubtier, die schwierig wird, sobald sich das flauschige Tierbaby in einen stattlichen Vierbeiner verwandelt, der seine wilde Natur nicht mehr verbergen kann. Noch mehr aber setzt der Film auf die Faszination, die von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Wolf und dem Löwen ausgeht. Denn diese Tiere wären, würden sie in der Natur aufeinandertreffen, Feinde. Hier aber wachsen der Wolf Mozart und der Löwe Dreamer, wie Alma sie nennt, als Brüder auf und halten auch später zusammen, gegen den Willen von Tierforschern, Wildhütern und einem Zirkusmann, die in die Idylle hineingrätschen.

Erneut beschäftigte de Maistre einen Tiertrainer für die Dreharbeiten. Andrew Simpson ließ die Löwen und Wölfe, welche Dreamer und Mozart im Film verkörpern, miteinander aufwachsen. Ihre Bindung entwickelte sich tatsächlich und wurde nicht am Computer simuliert. Man sieht erst die kleinen, später die heranwachsenden Raubtiere miteinander tollen und durch die Wälder stromern, als wären sie für diese Zweisamkeit geschaffen. Aber auch auf der Insel, die Alma allein gehört, ist dieser Zustand zu paradiesisch, um ungestört zu bleiben. 

Die Wölfin wird gefangen, und Alma, die sich um die Tiere kümmert, muss irgendwann mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Ihr indigener Patenonkel Joe (Graham Greene) rief Polizei und Wildschützer, sonst wäre er gar nicht an die von den Tieren bewachte Verletzte herangekommen. Dreamer kommt zum Zirkus, für den er vor dem Flugzeugabsturz bestimmt war, Mozart in ein Gehege, wo schon seine Mutter in der Obhut des Forschers Eli (Charlie Carrick) lebt. Eli möchte die bedrohten Schneewölfe vermehren und dann wieder in die Natur entlassen. Aber Mozart hat andere Pläne, und Alma sucht die beiden Tiere, die ihr genommen wurden.

In Mia und der weiße Löwe machte de Maistre auf das Leid der südafrikanischen Löwen aufmerksam, die gezüchtet werden, um weißen Jägern als Trophäe zu dienen. Hier wird die Misshandlung der Raubkatzen im Zirkus thematisiert. Der Dompteur aber hat einen kleinen Jungen (Rhys Slack), dem das Wohl Dreamers ebenso wichtig ist wie Alma. Die 20-Jährige wiederum muss sich zwischendurch mit Eli herumstreiten, der sie für verrückt hält, weil sie die beiden Tiere bei sich aufwachsen ließ. Dass es problematisch ist, wilde Tiere an den Menschen zu gewöhnen, erkennt auch Alma selbst, rechtfertigt sich aber damit, dass sie keine andere Wahl hatte. Den Filmemachern geht es letztlich dann doch mehr um den Reiz dieser unwahrscheinlichen Geschichte als um die Fragen artgerechter Haltung. Aber selbst ein solches fiktionales Schwelgen mit fast märchenhaftem Einschlag kann Kinder für die Natur und die Tierwelt begeistern. Die wunderschönen Aufnahmen in der insel- und waldreichen Seenlandschaft Kanadas sind im Scope-Format ein Genuss.

Der Film ist allerdings nicht frei von Kitsch und wohlmeinender Überfrachtung mit schönen Dingen. Warum muss Alma eine begabte Pianistin sein, die es gerade ins philharmonische Orchester von Los Angeles geschafft hat, und dann auch noch alles für das Leben mit den Tieren auf der Insel aufgeben? Molly Kunz hat auch ganz offensichtlich die Aufgabe, in dieser Rolle gut auszusehen mit ihren langen Locken und der Angewohnheit, selbst in schwierigen Situationen entspannt zu lächeln. Insgesamt mutet die Geschichte oft ein wenig zu süß und zu gewollt an, um einen wirklich zu berühren. Da wäre ein schärferer Fokus auf die Tiere, auf den Naturschutzgedanken oder den zwiespältigen menschlichen Traum einer Freundschaft mit wilden Geschöpfen ergiebiger gewesen.

Der Wolf und der Löwe (2021)

Nach dem Tod ihres Großvaters beschließt die zwanzigjährige Alma dahin zurückzukehren, wo sie einst aufgewachsen ist: auf eine kleine Insel mitten im Herzen der kanadischen Wälder. Kaum hat sie sich dort eingerichtet, rettet sie auf ungewöhnliche Weise einen Wolfswelpen und ein Löwenjunges. Fortan unzertrennlich, wachsen die beiden ungleichen Freunde fernab der Zivilisation gemeinsam bei Alma auf. Bis eines Tages ein Ranger vor ihrer Hütte auftaucht und die beiden aus Almas Obhut entreißt. Eine aufregende Suche quer durch Kanada beginnt, welche die beiden mutigen Tierkinder mit ihrer geliebten Freundin Alma wieder vereinen soll. (Quelle: Verleih)

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