The Outpost - Überleben ist alles (2020)

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In seinem auf Tatsachen basierenden Kriegsdrama rekonstruiert Rod Lurie die sogenannte Schlacht von Kamdesh, bei der 54 US-Soldaten im afghanischen Hinterland gegen eine Taliban-Übermacht kämpften. Wird das Ganze zu einer triefend pathetischen Heldenshow?

The Outpost - Überleben ist alles (2020)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Denkbar schlechte Lage

Die kurzen Infotexte zu Beginn von Rod Luries tatsachenbasiertem Kriegsdrama „The Outpost – Überleben ist alles“ scheinen bereits die Richtung vorzugeben. Das kleine US-Lager in der nordafghanischen Einöde, von dem im Titel die Rede ist, lag – laut Analysten – derart schlecht, dass bei einem Großangriff alle Bewohner sterben würden. Ein Hinweis, der nach einem perfekten Aufhänger für eine in Heldenpathos badende Aufarbeitung klingt, die man aus dem US-Kino zur Genüge kennt. „Lone Survior“ und „Operation: 12 Strong sind nur zwei filmische Beispiele aus den letzten Jahren, die dem Kampf amerikanischer Soldaten in Afghanistan mit Inbrunst huldigen. Erfreulicherweise macht sich Luries Rekonstruktion der sogenannten Schlacht von Kamdesh häufig frei von salbungsvollem Gehabe und bemüht sich, die US-Abgesandten als Normalsterbliche mit Schwächen und Ängsten zu zeigen.

Ihrer Aufgabe, die Beziehungen zur einheimischen Bevölkerung zu festigen und sie mit Wiederaufbauprogrammen zu unterstützen, kommen Captain Ben Keating (Orlando Bloom) und seine Mitstreiter nur schleppend nach. Denn immer wieder müssen sich die nahe der pakistanischen Grenze in einem Tal stationierten Männer Taliban-Attacken erwehren, die aus den unübersichtlichen Berghängen über den kleinen Lagerkomplex hereinbrechen. Dass Feuergefechte ständige Begleiter sind, erkennen auch die Neuankömmlinge rund um Sergeant Clint Romesha (Scott Eastwood). Nicht wenige freuen sich, als irgendwann – zuvor sind bereits zwei Kommandanten verstorben – die Nachricht von der baldigen Schließung des Camps eintrifft. Anfang Oktober 2009 sehen sich die 54 US-Soldaten allerdings einem großangelegten Taliban-Angriff gegenüber.

Auf eben diese fulminante Auseinandersetzung arbeitet Luries Kriegsfilm hin, versucht dem Publikum zunächst aber einen Eindruck vom Innenleben des Außenpostens zu vermitteln. Einen echten Protagonisten gibt es ebenso wenig wie eine klassische Dramaturgie. Vielmehr blendet sich das auf einem Sachbuch des Journalisten und CNN-Moderators Jake Tapper basierende Skript fortlaufend in unterschiedlichste Situationen ein. Die kleinen Scharmützel, die sich die Soldaten mit den gesichtslosen, in den steilen Felswänden versteckten Angreifern liefern, unterstreichen die permanent lauernde Gefahr, sind aber nur eine Facette des Lageralltags. Es wird gescherzt, geflucht, gestritten und musiziert. Kurzum: Nicht nur Kameradschaft, auch handfeste Spannungen und Zweifel an den Befehlen von oben treten zu Tage. Auch wenn die Fülle an Figuren keine vielschichtige Charakterzeichnung zulässt, bleiben aus manchen Gesprächen Fragmente über die Hintergründe einzelner Personen hängen.

Die Begegnungen der Amerikaner mit den Einheimischen sind leider rar gesät und kratzen bloß an der Oberfläche. Eine kritische Haltung darf der als Dolmetscher eingesetzte Mohammed (Sharif Dorani) zwar vorbringen. Den örtlichen Gegebenheiten und der Frage nach den Problemen und Fehlern des US-Einsatzes in Afghanistan schenkt The Outpost – Überleben ist alles jedoch, wie so viele andere Hollywood-Kriegsfilme, nahezu keine Beachtung. Das konkrete Erleben der Soldaten steht im Fokus. Nicht das komplexe Drumherum.

Nach etwas mehr als einer Stunde setzt schließlich die verheerende Taliban-Offensive ein. Den Kampf orchestriert Lurie als atemlosen, rund 45 Minuten andauernden Höllenritt, bei dem die Kamera nicht einfach nur dabei ist, sondern mitten im Getümmel steckt. Fortlaufend wanken die Bilder. Explosionen wirbeln Erde auf, hauen Soldaten von den Beinen. Aus allen Richtungen scheinen Kugeln auf das Lager niederzuprasseln. Verzweiflungsschreie werden ausgestoßen. Und mehr als einmal folgen wir einem Beteiligten in längeren, schnittlosen Einstellungen quer über das Schlachtfeld. Obschon das Dauerfeuer mitunter etwas ermüdet, wird das Grauen des Krieges in diesem technisch und logistisch höchst anspruchsvollen Gefechtsabschnitt deutlich spürbar. Zeit, um eine pathetische Stimmung zu beschwören, bleibt während des nackten, dreckigen Überlebenskampfes nicht. Dazu lassen sich die Macher erst am Ende hinreißen, wenn erklärende Texte, Fotos und Interviewausschnitte das blutige Geschehen noch einmal einordnen.

The Outpost - Überleben ist alles (2020)

„The Outpost“ erzählt die wahre Geschichte von 53  US-Soldaten, die sich auf einem Vorposten in Afghanistan während der Operation „Enduring Freedom“ den Angriffen einer Übermacht von Taliban-Kämpfern ausgesetzt sehen.

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