Becky (2020)

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Komiker Kevin James in seiner ersten ernsten Rolle und die jugendliche Lulu Wilson prallen an einem blutigen Wochenende aufeinander. Der Thriller der „Cooties“-Macher Jonathan Milott und Cary Murnion erscheint hierzulande direkt auf DVD und Blu-ray.

Becky (2020)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Nichts zu verlieren

Die Regisseure Jonathan Milott und Cary Murnion werfen ihr Publikum gemeinsam mit ihren Figuren mit Vorliebe in Ausnahmesituationen. Nach einer Zombie-Apokalypse im Klassenzimmer und einer Militärinvasion in New York erzählt das Duo jetzt von einem Familienwochenende, das von entflohenen Sträflingen in Geiselhaft genommen wird. Doch die Schwerverbrecher haben die Rechnung ohne eine rebellische Teenagerin gemacht. Ihr simpler Plan geht gehörig ins Auge.

Schon vor dem Aufkreuzen der bösen Buben brennt die Luft. Seit dem Tod ihrer Mutter ist das Verhältnis zwischen der 13-jährigen Becky (Lulu Wilson) und ihrem Vater Jeff (Joel McHale) angespannt. Als er jetzt auch noch seine Verlobte Kayla (Amanda Brugel) und deren Sohn Ty (Isaiah Rockcliffe) ungefragt ins Ferienhaus am See einlädt, platzt dem aufmüpfigen Mädchen endgültig der Kragen. Becky verkriecht sich in eine selbst gebaute Holzhütte im Wald und bekommt von den Eindringlingen zunächst nichts mit. Dem Publikum schildert das Regieduo den Weg der Verbrecher indes in einer eleganten Parallelmontage.

Jonathan Milott und Cary Murnion sind ein eingespieltes Team. Wie reibungslos sie am Set agieren, kommt in beiden im Bonusmaterial der DVD und Blu-ray enthaltenen Interviews zur Sprache. Die zwei lernten sich während ihres Studiums kennen, gründeten eine Animations-, Design- und Werbefirma und drehen seit 2014 gemeinsam Kinofilme. Mit ihrem Home-Invasion-Thriller erfinden sie das Rad zwar nicht neu. Die Verbrecherbande, an deren Spitze der brutale Neonazi Dominick (Kevin James) steht, will einen ganz bestimmten Gegenstand aus dem Haus und geht dafür über Leichen. So weit, so klassisch. Doch wie schon in ihrem Leinwanddebüt Cooties, in dem sich Elijah Wood als Aushilfslehrer mit zu Monstern mutierten Grundschülern herumschlägt, und Bushwick (2017), in dem sich Dave Bautista und Brittany Snow durch ein Bürgerkriegsszenario schlagen müssen, setzen Milott und Murnion durchaus beachtliche Akzente. 

Zunächst ist da das Casting, das die zwei männlichen Hauptdarsteller gegen den Strich besetzt. Für den aus der Sitcom Community (2009 bis 2015) bekannten Joel McHale ist es nicht die erste ernste Rolle. (Er hat beispielsweise im Horrorfilm Erlöse uns von dem Bösen gespielt, übrigens an der Seite der damals erst achtjährigen Lulu Wilson.) Für seinen Kollegen Kevin James hingegen schon. So hat das Publikum den ehemaligen King of Queens (1998 bis 2007), Kaufhaus Cop (2009) und Zoowärter (2011) in der Tat noch nie gesehen, wie es ein Zitat auf dem Cover der DVD- und Blu-ray-Hülle ankündigt. Ursprünglich sollte James Beckys Vater spielen. Für den bärtigen Neonazi war Simon Pegg vorgesehen. Nachdem dieser aus Termingründen absagen musste, übernahm James einfach dessen Rolle und schlägt sich darin – zumindest in den ersten zwei Akten – mehr als passabel. Der wahre Grund, warum man diesen Film ins Abspielgerät legen sollte, ist jedoch Lulu Wilson. 

Das 2005 geborene Nachwuchstalent liefert eine herausragende Leistung ab und spielt ihre erwachsenen Kollegen mühelos an die Wand, was diese im Bonusmaterial auch unumwunden zugeben. Die Motivation ihrer Figur gestaltet sich da schon schwieriger. Denn dass eine 13-Jährige furchtlos zu den Waffen greift und zur Killermaschine mutiert, anstatt sich verängstigt und traumatisiert in eine Ecke zu verkriechen, ist selbstredend völlig an den Haaren herbeigezogen. Aber hey, so funktioniert ein Großteil an Genrefilmen nun mal. Wer sich darauf einlässt – zumal das Drehbuch von Nick Morris, Ruckus und Lane Skye den graduellen Abstieg Beckys durchaus unterfüttert –, wird mit einem brutalen und geradeheraus erzählten Thriller belohnt. 

Die Gewalt ist der zweite heftige Akzent, den Milott und Murnion setzen. Während Dominick nie eine Familie hatte und in seinem wahnhaften Glauben an die Überlegenheit der weißen Rasse eine Ersatzfamilie aus Gleichgesinnten um sich schart, verliert Becky nach und nach ihre gesamte Familie, bis sie nichts mehr zu verlieren hat. Ein unschuldiges Mädchen wird zur Mörderin und zeigt einem Mörder seine Grenzen auf. Ihre Vorgehensweise wird immer grausamer und ruft beim Zusehen mal Amüsement und mal irritiertes Kopfschütteln hervor, wird alsbald aber ziemlich unappetitlich. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich der Film bis zum Schluss. Ein kleiner, dreckiger Genrestreifen; weit entfernt von einem erstklassigen, an den man sich lange erinnern wird, aber eben auch keiner, der einen kaltlässt.

Becky (2020)

Eigentlich soll es ein ruhiges Vater-Tochter-Wochenende in einem Haus am See werden, durch das Jeff sich eine Verbesserung des reichlich angespannten Verhältnisses zu seiner Tochter, der rebellischen Becky erhofft. Dich daraus wird nichts, als eine Band von ausgebrochenen Schwerverbrechern auf der Flucht ind as Haus eindringt.

 

 

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Meinungen
James brown · 01.11.2020

Der Film ist mehr als brutal, aber irgendwie nichts neues. Kevin allein im Wald könnte man da sagen.
Nur das hier ein Mädchen die Rolle spielt.
Aber fragt sich keiner was da nun versteckt ist ? Gibt es einen lächerlichen 2ten Teil?
Und dann kommt noch der Film wie Kevin zum nazi wurde ?
Eine Trilogie? Würde mich nicht wundern.

Aber vielleicht kommt ja mal was besseres auf die Leinwände..

Mitch · 27.10.2020

Was für ein Mist. Für mich wirkt Kevin James sehr unglaubwürdig in solch einer Brutalo Nazi Rolle. Schuster bleib bei Deinen Leisten kann ich da nur sagen. Ein Film den man schnell vergessen darf... aber Geschmäcker sind ja verschieden.

Mariam · 11.10.2020

Sehr schlecht gemachte Film,sehr unrealistisch. Einfach scheiße.

Kommentare

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