Wyssozki - Danke, für mein Leben

Wyssozki - Danke, für mein Leben

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Die Stimme des Volkes

Vladimir Wyssozki war der bedeutendste und populärste Liedermacher Russlands während der Sowjetdiktatur. Er benannte in seinen Texten Probleme, die offiziell totgeschwiegen wurden, wie Verbrechen, Prostitution und Antisemitismus. Deswegen wurden viele seiner Lieder nicht veröffentlicht, kursierten aber millionenfach als Tonbandmitschnitte illegaler Konzerte. Dem poetischen Chansonnier mit der tiefen Stimme, der 1980 im Alter von 42 Jahren starb, setzt nun der gleichnamige Spielfilm ein Denkmal, für den sein Sohn Nikita Wyssozki das Drehbuch schrieb und als Produzent fungiert.
Wyssozki – Danke, für mein Leben ist kein Biopic, das einen künstlerischen Werdegang aufzeigt. Es beschränkt sich hauptsächlich auf eine usbekische Konzertreise im Jahr 1979, als der Sänger von Drogensucht und Herzproblemen schon schwer gezeichnet war. Was schlug die Menschen in seinen Bann, was trieb ihn, mit dem KGB auf den Fersen und auf Morphiumspritzen angewiesen, unbeirrt mit seiner Gitarre auf die Bühne, scheint sich sein Sohn gefragt zu haben. Die zweistündige Antwort, inszeniert von Regisseur Piotr Buslow, fällt poetisch und ziemlich verklärend aus und wirkt dennoch auch zutreffend. Denn wie der Sohn sahen wohl die meisten in Wyssozki den todesmutigen Freigeist, der nicht zum Schweigen gebracht werden konnte. Dem Mysterium um die Person hinter der nationalen Berühmtheit fügt die Produktion ein zusätzliches, eher albernes hinzu, indem es die namentlich zwar genannten Schauspieler ihren Rollen im Film nicht, wie sonst üblich, auf einer Besetzungsliste zuordnet.

Man sieht den Film-Wyssozki in Jeans und schwarzer Lederjacke, wie er in Moskau Ratschläge missachtet, sich schleunigst in eine Entzugsklinik zu begeben. So, wie er am Steuer seines Mercedes durch die nächtliche Stadt rast, so pfeift er auch sonst auf die Vernunft. Begleitet von seinem Arzt, seinem Manager und einem Künstlerkollegen, fliegt er nach Taschkent, um die bereits abgesagte Tournee zu beginnen. Das freut den KGB, der den Veranstalter der ausverkauften, aber nicht offiziell genehmigten Aufführungen angeworben hat. Die Spione suchen nach konkreten Beweisen, um den unliebsamen Barden hinter Gitter zu bringen, weil er sich nicht auf seinen zweiten Beruf als Schauspieler beschränken will.

In der usbekischen Provinzstadt vollzieht sich das ganze absurde Polittheater des Machtapparates, der den Sänger zwar ausschalten will, andererseits aber Angst vor dem Volk hat, das ihn anhimmelt. Die Konzertveranstalter nutzen dieses Dilemma geschickt, indem sie zu ihrem Schutz Karten auch an Parteifunktionäre verteilen. Der Geheimdienst in Gestalt eines glatzköpfigen Offiziers und seiner Mitarbeiter hört die Gespräche in den Hotelzimmern der Künstlertruppe ab. Man fühlt sich deutlich an Das Leben der Anderen erinnert, wenn der Mann mit der Glatze und den Kopfhörern förmlich mitfiebert, während Wyssozkis Begleiter panisch versuchen, ihm das lebensrettende Morphium zu beschaffen. Ähnlich wie in dem deutschen Drama macht der Verfolger auch hier einen Prozess der Läuterung durch.

Mit der Spannung eines Thrillers springt der Film zwischen dem Geheimdienst-Szenario und dem dramatischen Geschehen in Wyssozkis Entourage hin und her. Seine junge Freundin aus Moskau wird mit einer Tasche voller Drogen herbeigerufen, weil vor Ort keine zu bekommen sind. Dann erleidet der Sänger eine Herzattacke und ist bereits klinisch tot, als ihn eine verwegene Rettungsmaßnahme seines längst überforderten Arztes doch noch ins Leben zurückholt. Dieser Künstler spielte offenbar ähnlich selbstzerstörerisch mit seiner Gesundheit wie Jahre später in Amerika Michael Jackson.

Es gibt glutrote Sonnenuntergänge über der Wüste Usbekistans, durch die die Guten wie die Bösen als verlorene Figuren in kleinen Autos fahren. Die Todessehnsucht des romantischen Helden hat ihre Entsprechung in der Hoffnungslosigkeit des unterdrückten Volkes. Das Konzertpublikum gibt dem erschöpften Sänger Standing Ovations, und eine Rückblende führt die Figur des kleinen Sohnes Nikita ein. Auch dieser bekam einst eine Kostprobe der charismatischen Willenskraft seines Vaters. Die Familie steckte symbolträchtig mit dem Taxi im Schlamm fest, inmitten einer verschneiten Einöde. Doch Wyssozki schob das Auto mit all seinen Insassen eigenhändig wieder hinaus, ein strahlender Held für das Kind auf dem Rücksitz.

Wyssozki - Danke, für mein Leben

Vladimir Wyssozki war der bedeutendste und populärste Liedermacher Russlands während der Sowjetdiktatur. Er benannte in seinen Texten Probleme, die offiziell totgeschwiegen wurden, wie Verbrechen, Prostitution und Antisemitismus. Deswegen wurden viele seiner Lieder nicht veröffentlicht, kursierten aber millionenfach als Tonbandmitschnitte illegaler Konzerte.
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Meinungen
Kasseopea · 30.12.2011

Die Übersetzung ist falsch, es heißt "Danke, dass ich am Leben bin". Danke für mein Leben würde "Spasibo sa moyu shisnj" heißen, kacknaps

Kommentare

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