Tiger & Dragon

Tiger & Dragon

Eine stilvollendete Attacke gegen die irdischen Gesetze des Daseins

Die chronologisch letzte Literaturverfilmung, die in die hübsche gelbe „Arthaus Reclam Edition“ aufgenommen wurde, die zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse erschien, stammt aus dem Jahre 2000 und präsentiert mit Tiger & Dragon einen klassischen Stoff des chinesischen Schriftstellers Wang Dulu (1909-1977), dessen Roman Kauernder Tiger, verborgener Drache / Wò hǔ cáng lóng als vierter Teil seiner berühmten Kranich und Eisen-Romanreihe dieses Bravourstück von Ang Lee mit seiner dichten Geschichte um das Leben und den Wandel des alternden Wudan-Kämpfers Li Mu Bai (Chow Yun-Fat), seiner treuen Gefährtin und heimlichen Liebe Yu Xiu Lian (Michelle Yeoh), der kriminellen Kampfkünstlerin Jadefuchs (Cheng Pei-pei) und der rebellischen jungen Yu Jiao Long (Ziyi Zhang) inspiriert hat.
Seinerzeit bei den Filmfestspielen von Cannes uraufgeführt, international ein enormer Publikumserfolg und mit über hundert Filmpreisen ausgezeichnet, vereint Tiger & Dragon filigran und mit ungeheurer Sorgfalt faszinierende Choreographien meisterhafter Kampfkunst mit den hehren Elementen des Epos einer sich ihrem Niedergang zuneigenden Ära gegen Ende der Qing-Dynastie. Hier brillieren starke Charaktere mit ihrer ureigenen Würde in den mitunter verborgenen, dann wieder exaltierten Schlachten der Liebe, der Loyalität und der Magie des Kampfes, der stets auch das Ringen um die eigene Identität im Wandel der gesellschaftlichen und persönlichen Wertpräferenzen markiert. Hier herrscht die tragische Poesie des Untergangs, in Bilder von gewaltiger Schönheit und präzisen Bewegungen gebannt.

Der schwermütige, von starken Momenten der unverbrüchlichen Sehnsucht, Aufrichtigkeit und Verbundenheit flankierte Pessimismus, mit dem Regissseur Ang Lee den Bemühungen seiner Protagonisten um Befreiung und letztlich Erlösung begegnet, findet seine Entsprechung im konsequent vorbereiteten Finale, in dem die Fäden von Philosophie und Fantasie zu einem existenziellen Aufbäumen der Lebenskräfte zusammmenlaufen. Am Ende gilt es, ungeachtet der scheinbar unüberwindbaren Widrigkeiten das Wagnis einzugehen, sich in den unauslotbaren Abgrund der Überzeugung zu stürzen, dass das Vertrauen in die eigene Fähigkeit kostbarer und mächtiger ist als die irdischen Gesetze des Daseins, die innerhalb dieses Films auf so manche Weise stilvollendet attackiert werden.

Tiger & Dragon

In den letzten Jahren der Qing-Dynastie steht China vor einem tiefgreifenden gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Wandel.

  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.