The Station Agent

The Station Agent

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Von Newfoundland nach Sundance

Finbar McBride (Peter Dinklage) hasst die Blicke, die ihm alltäglich begegnen, denn als Kleinwüchsiger sieht er sich immer wieder den Reaktionen seiner Umwelt ausgesetzt. Die alltäglichen Demütigungen und kleinen Diskriminierungen versteckt er hinter einer Fassade der Schweigsamkeit und kompensiert dies mit seiner Leidenschaft für Eisenbahnen. Als sein Freund und Chef im Spielzeugladen Golden Spike, wo Fin arbeitet, eines Tages plötzlich tot umfällt und ihm ein Eisenbahndepot auf dem Land vererbt, zögert er keine Sekunde, das Stadtleben in Hoboken aufzugeben.

Doch auch in Newfoundland, New Jersey hat Fin nicht seine Ruhe, denn direkt vor seinem neuen Heim hat der junge Latino Joe (Bobby Cannavale) eine rollende Imbissbude aufgeschlagen und nutzt jede Gelegenheit, den neuen Nachbarn voll zu quatschen, ob Fin nun will oder nicht. Auch die Malerin Olivia (Patricia Clarkson) drängt sich mehr oder weniger in Fins Leben, denn zweimal überfährt überfährt die etwas chaotische alleinstehende Frau ihn beinahe und nötigt ihm danach eine Flasche Whiskey als „eine Art Willkommens – Schrägstrich – können Sie einer Fast-Überfahrerin verzeihn – Geschenk“ auf.

Nach und nach bricht Fins ablehnende Haltung auf, gemeinsam mit Joe verfolgt er Züge und filmt diese. Als sie den Film abends bei Olivia gemeinsam anschauen, entwickelt sich zwischen den dreien so etwas wie eine Vertrautheit. Doch Olivias Vergangenheit holt sie bereits am nächsten Morgen wieder ein, als ihr Ex-Mann Daniel auftaucht und sie mit Vorwürfen überhäuft, weil sie auf seine Telefonanrufe nicht reagiert. Als Joe und Fin in den darauf folgenden Tagen nichts von Olivia hören, beginnen sie sich Sorgen zu machen, doch Fins Versuche, sich nach ihr zu erkundigen, blockt Olivia kalt ab. Sie will alleine den Schock überwinden, dass ihr Ex-Mann nun noch einmal Vater wird, nachdem ihr gemeinsamer Sohn Sam vor zwei Jahren bei einem Unfall ums Leben kam. Ihre Verzweiflung mündet schließlich in einen Selbstmordversuch.

Auch Fin kommt dem Tod ganz nahe, als er nach einem missglücktem Barbesuch betrunken auf den Gleisen vor dem Depot einschläft und fast von einem Zug überfahren wird. Doch die neu gewonnenen Freundschaften helfen dabei, die Schicksalsschläge und kleinen Verletzungen ebenso zu ertragen wie die Momente des Glücks.

The Station Agent ist ein sehr ungewöhnlicher, stiller und schöner Film über die Freundschaft dreier sehr ungleicher Menschen, deren Lebenswege sich im Niemandsland New Jerseys kreuzen. Glaubt man sich am Anfang noch in einem Film, der vor allem das Schicksal kleinwüchsiger Menschen schildert, verschiebt sich nach und nach der Fokus hin zu einer weiteren und universelleren Perspektive, zu Themen wie Liebe, Freundschaft, Enttäuschung und Einsamkeit. Behutsam und mit leichter Hand inszeniert Regisseur Tom McCarthy, selbst ein erfahrener Schauspieler, vor allem die zwischenmenschlichen Aspekte der Beziehungen zwischen Fin, Joe und Olivia und deutet vieles nur an, was andere Regisseure ausgetreten hätten. So aber bleibt dem Zuschauer ein Film im Gedächtnis, der seine Personen respektiert, der mit ihnen lacht und weint und der dem Zuschauer vieles überlässt, ohne alles zu erklären. Und der auf diese Weise vieles ausdrückt, was sonst in Wortkaskaden untergeht. Tom McCarthys behutsame, fast europäisch anmutende Art zu erzählen, begeisterte bislang auf zahlreichen Festivals das Publikum und konnte zahlreiche Preise erringen, u.a. in Sundance, San Sebastian und in Marrakech sowie bei den BAFTA-Awards. Ein sehr großer Film über die kleinen Wechselfälle des Schicksals und über den Wert der Freundschaft.
 

The Station Agent

Finbar McBride (Peter Dinklage) hasst die Blicke, die ihm alltäglich begegnen, denn als Kleinwüchsiger sieht er sich immer wieder den Reaktionen seiner Umwelt ausgesetzt und ie alltäglichen Demütigungen und kleinen Diskriminierungen.

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Meinungen
Christian · 01.12.2008

einfach klasse! Die DVD ist schon länger erhältlich.

· 23.08.2008

ein film den einfach viel merh leute sehen muessten weil er wirklich was mitgibt. gibt es schon die dvd?

Kommentare

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