The Boys Are Back

The Boys Are Back

Eine Filmkritik von Florian Koch

Das Leben danach

Lange Zeit war er als James Bond im Gespräch, aber letzten Endes wanderte die Agentenfackel von Pierce Brosnan doch an Daniel Craig weiter. Der Makel der verpassten Chance haftet Clive Owen seit Jahren an. Immer wieder scheint der smarte Brite kurz vor dem Durchbruch zu stehen, profiliert sich mit überdurchschnittlichen Leistungen in anerkannten Filmen wie Sin City, Inside Man oder Children of Men, aber dann gerät seine Karriere dank bitterer kommerzielle Misserfolge (The International) doch wieder ins Stocken. Mit der Literaturverfilmung The Boys Are Back arbeitet Owen an einem Imagewechsel. Weg vom harten Thrillerfach, hin zu dramatischen Sujets.
Joe (Clive Owen) ist ein renommierter Sportreporter, der sich mit seiner zweiten Frau Katy (Laura Fraser) in einem abgeschiedenen australischen Landstrich eine neue Existenz aufgebaut hat. Als Katy nach langem Kampf an einer Krebserkrankung stirbt fällt Joe in ein tiefes Loch. Plötzlich soll er sich ganz allein um ihren gemeinsamen sechsjährigen Sohn Artie (Nicolas McAnulty) kümmern, dabei ringt er selbst noch mit dem Verlust der Liebe seines Lebens. Statt die Hilfe seiner Schwiegereltern anzunehmen zieht sich Joe immer mehr mit Artie zurück. Ihr fragiles Trauergespann erhält eine neue Dynamik, als mit Harry (George MacKay) Joes pubertierender Sohn aus erster Ehe vor der Türe steht. Zunächst sieht es so aus, als könnte die Zweckgemeinschaft nicht miteinander existieren, bis sich die drei psychisch angeschlagenen Familienmitglieder zusammenreißen, und sogar den Spaßfaktor neu entdecken.

The Boys Are Back beruht auf der autobiografischen Vorlage des Journalisten Simon Carr. Er verarbeitet darin seine eigene Existenzkrise nach dem Tod seiner Frau Susie. Carr erzählt in The Boys are back in town von der Schwierigkeit, nach so einem Verlust wieder Optimismus und Freude im Familienleben zuzulassen. Ein Aspekt, der in der Trauerarbeit häufig vernachlässigt wird.

Diesen Gedankengang übernimmt Scott Hicks (Shine) auch für seine Filmadaption. Immer wieder lässt er Momente des absoluten Verzweifelns auf enthemmte Fröhlichkeit folgen. Diese manchmal irritierende Bilderfolge spiegelt sehr anschaulich die zerbrechliche Seelenlage der Figuren wieder. Besonders die beiden jungen Schauspieler wissen dabei mit ausgesprochener Natürlichkeit zu überzeugen. Die vorsichtige Annäherung der beiden Söhne gehört dann auch zu den stärksten Momenten von The Boys Are Back. Owen kann sich in seinem Ausflug ins dramatische Fach nicht ganz so auszeichnen. Allerdings liegt das weniger an seiner darstellerischer Leistung als an seiner Rolle. Der stets zu adrett gekleidete Joe bleibt ein oberflächlicher, konfliktarmer Charakter. Außer seiner Liebe zum Sport und zum Alkohol zeichnen ihn kaum spannende Eigenschaften aus. Viel zu oft zeigt ihn Hicks mit einem Glas Wein in der Hand beim Sinnieren. Das sieht im sonnigen Gegenlicht leider häufig so aus wie in einem Werbeclip für den australischen Süden.

Die wunderbaren Landschaftsaufnahmen und die verträumt-leisen Songs der isländischen Band Sigur Rós lassen einen dabei manchmal vergessen, dass The Boys Are Back dramaturgisch häufig nur auf der Stelle tritt. Die Ereignislosigkeit wandelt sich erst im spektakulären Schlussdrittel – das in seiner Heftigkeit aber wieder überzogen wird. The Boys Are Back hat durchaus seine bewegenden und stimmigen Momente, aber Szenen, in denen Joe seine verstorbene Frau wiedertrifft, überschreiten das ein oder andere Mal die Schwelle zum Kitsch. Deswegen verwundert es auch nicht, dass der Film an den Kinokassen international durchfiel und in Deutschland nach etlichen Startterminverzögerungen doch nur auf DVD erscheint.

The Boys Are Back

Lange Zeit war er als James Bond im Gespräch, aber letzten Endes wanderte die Agentenfackel von Pierce Brosnan doch an Daniel Craig weiter. Der Makel der verpassten Chance haftet Clive Owen seit Jahren an.
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