Somewhere in Time - Ein tödlicher Traum

Somewhere in Time - Ein tödlicher Traum

Eine Filmkritik von Martin Beck

"Bist du es?"

Bevor man sich Somewhere in Time — Ein tödlicher Traum überhaupt nähern kann, lauern schon diverse Vorurteile: ein schmalziger „chick flick“, Christopher Reeve auf verzweifeltem Romantik-Kurs, pures Box Office-Gift und als Regisseur ein französischer Auftragskurbler zwischen Der weiße Hai 2 und J.A.G. – Im Auftrag der Ehre. Wieso kommt so ein Film jetzt, über 30 Jahre nach seiner Premiere, auf DVD heraus?
Die Antwort ist so einfach wie Somewhere in Time selbst: Weil hier ein traumhaft schönes Drama auf seine Entdeckung wartet, eine zutiefst romantische und wunderbar altmodische Liebesgeschichte, die ganz ohne Sex und fast ohne Küsse auskommt. Im Vordergrund steht nur die einzig wahre, die ganz große Liebe — die absolut bedingungslos gelebt wird und dabei so stark ist, dass sie selbst Raum und Zeit überwinden kann.

Was Somewhere in Time bei seinem Kinostart 1980 das Genick gebrochen hat, ist inzwischen seine größte Attraktion: Der völlig ironiefreie Umgang mit Gefühlen, die möglichst direkte Zurschaustellung von Emotionen. Wenn Christopher Reeve sich zu Beginn in ein Foto von Jane Seymour verliebt, ist das natürlich eine kuriose Sache – doch wenn er sich dann selbst hypnotisiert, um in die Vergangenheit zu reisen und seine Angebetete zu treffen, wandert das ironische Lächeln langsam in die Waagrechte.

Somewhere in Time meint seine Geschichte absolut ernst und schafft durch die damit verbundene Ehrlichkeit eine entwaffnende Romantik, der man sich nur schwer entziehen kann. Nachdem Christopher Reeve im Jahr 1912 aufwacht, taucht er in ein distinguiertes Weichzeichner-Tableau aus wunderschönen Kostümen, adretten Menschen und einem großartigen Hotel, das wie geschaffen ist für tiefe Blicke und sanftes Händchenhalten. Die Probleme der Welt da draußen sind nicht existent; der elegante Fluss des Films, wunderbar unterstrichen durch einen meisterhaften Score von John Barry, lädt ein zum Träumen und, jawohl, zum Schmachten.

Man hat bei Somewhere in Time nur eine Chance: sich auf ihn einlassen, einen Gang zurückschalten. Und dann erkennen, dass hier ein Regisseur am Werk war, der mit absoluter Überzeugung inszeniert. Der Bid Time Return, die zugrunde liegende Geschichte von Richard Matheson, in ein perfekt stilisiertes impressionistisches Gemälde packt. Der Jane Seymour und Christopher Reeve als traumhaft idealistisches Liebespaar inszeniert. Und der selbst Bösewicht Christopher Plummer, der hier eine der besten Leistungen seiner Karriere zeigt, eine rührend taktvolle Aura gebrochener Emotionen gestattet.

Von dem unsterblichen Satz „Bist du es?“ bis zu einer Theateraufführung, in der Jane Seymour auf einmal direkt Christopher Reeve anspricht: Somewhere in Time trifft stets die richtigen Töne und strahlt dabei unbedingte Würde aus. Dass der Film 1980 sang- und klanglos unterging, ist eigentlich kein Wunder, so radikal und mutig wie hier eine Vision umgesetzt wird, die auf den ersten Blick alles andere als radikal und mutig ist. Zurück auf ein klassisches Hollywood-Melodram à la Jennie – das Portrait einer Liebe, zurück auf Geigen und tiefe Blicke.

Seit seinem Kinostart konnte sich Somewhere in Time vor allem in Amerika gewissermaßen rehabilitieren und gilt inzwischen als Klassiker. In Deutschland gab es den Film bisher nur auf Videokassette, so dass die anstehende DVD nun auch hier eine Neuentdeckung ermöglicht – überzeugend unterstützt durch exzellente Bild- und Tonqualität, eine einstündige Doku und vor allem den hervorragenden Audiokommentar von Regisseur Jeannot Szwarc – dem man mit jedem Wort anhört, dass dieser Film eine klare Herzensangelegenheit war.

Was soll man noch sagen: Somewhere in Time ist eine echte Entdeckung und einfach nur wunderschön.

Somewhere in Time - Ein tödlicher Traum

Bevor man sich „Somewhere in Time — Ein tödlicher Traum“ überhaupt nähern kann, lauern schon diverse Vorurteile: ein schmalziger „chick flick“, Christopher Reeve auf verzweifeltem Romantik-Kurs, pures Box Office-Gift und als Regisseur ein französischer Auftragskurbler zwischen „Der weiße Hai 2“ und „J.A.G. – Im Auftrag der Ehre“. Wieso kommt so ein Film jetzt, über 30 Jahre nach seiner Premiere, auf DVD heraus?
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