Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot (2019)

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Der schönste Tag im Leben als mörderisches Spiel! In ihrer Hochzeitsnacht muss sich eine junge Frau einer blutigen Familientradition stellen. Kombiniert der Film Nervenkitzel und makabren Humor auf gewinnbringende Weise?

Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot (2019)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Eine schrecklich durchgeknallte Familie

Traditionen können etwas Schönes sein, sind manchmal aber auch äußerst unheimlich. Ein böses Erwachen erlebt im Horrorthriller-Spaß „Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot“ die junge Grace (Samara Weaving), die in eine stinkreiche Familie einheiratet, deren Hochzeitsbräuche mit dem Prädikat „fragwürdig“ noch nett umschrieben sind. Der von Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett inszenierte Film ist sicherlich kein Meisterwerk, serviert dem Betrachter allerdings einen kurzweilig-augenzwinkernden Überlebenskampf, der durch Tempo und eine patente Hauptdarstellerin zu glänzen weiß.

Noch hätten sie die Möglichkeit, einfach zu verschwinden, lässt Alex Le Domas (Mark O’Brien) seine Zukünftige kurz vor der Trauung auf dem Anwesen seiner Familie wissen, die mit Gesellschaftsspielen ein beachtliches Vermögen angesammelt hat. Grace jedoch zerstreut im Nu seine Sorgen und Zweifel, da sie ihre Liebe endlich offiziell besiegeln möchte. Nach der Zeremonie, bei der die Braut einige abschätzige Blicke über sich ergehen lassen muss, erfährt sie von einem Aufnahmeritual, das sie endgültig in eine Dynastieangehörige verwandeln soll. Wie jedes Mal, wenn es ein neues Mitglied zu begrüßen gilt, muss die angeheiratete Person aus einem Holzkästchen eine Karte ziehen, die festlegt, welches Spiel am Hochzeitsabend auf dem Programm steht. Grace fischt das gute, alte Versteckspiel aus dem Stapel, findet nur wenig später ein Örtchen zum Verkriechen und staunt nicht schlecht, als sie erkennt, dass die Verwandten ihres Mannes bei der Suche schweres, altmodisches Waffengerät mit sich herumtragen.

Schon der Handlungsabriss macht eines deutlich: Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot ist kein kunstvoll verschachtelter Spannungsstreifen, der eine clevere Geschichte erzählt, sondern ein räumlich begrenzter Reißer, der alles seiner Hetzjagd unterordnet. Was die Figurenzeichnung betrifft, arbeitet das von Guy Busick und Ryan Murphy verfasste Drehbuch mit kleinen Happen. Über Alex erfährt man beispielsweise, dass er sich von seiner Familie entfremdet hat, und erst vor kurzem in ihren Schoß zurückgekehrt ist. Viele Protagonisten – vor allem die exzentrische, von Anfang an maliziös dreinschauende Tante Helene (Nicky Guadagni) – sind unübersehbar als Karikaturen angelegt und geben dementsprechend wenig her. 

Dem Unterhaltungswert tut das allerdings keinen großen Abbruch, da die Regisseure den blutigen Wettstreit knackig inszenieren und Samara Weaving in der Rolle der verfolgten Braut das Klischee des hilflosen Blondchens mit Verve und Witz unterläuft. Ungemein amüsant ist es, dabei zuzusehen, wie sich die mit der Situation zunächst überforderte Grace langsam freischwimmt und zu einer wehrhaften Gegnerin entwickelt. Rückhaltlos drückt man ihr die Daumen. Und nicht selten schaffen es die Macher, den Puls des Zuschauers nach oben zu treiben. Etwa dann, als sich Grace mit dem Butler Stevens (John Ralston) ein Katz-und-Maus-Spiel rund um den Küchenblock liefert. Nervenkitzel erzeugt der Film freilich auch dank seines labyrinthischen Settings, dessen gediegene Einrichtung und spärlich ausgeleuchtete Räume ein klaustrophobisches Gefühl heraufbeschwören. Ähnliches gilt für die farblich entsättigten, stets einen Retro-Hauch versprühenden Bilder, die das Ganze ein wenig wie ein altes Homevideo erscheinen lassen.

Recht überzeugend springt der garstige Survival-Thriller zwischen beklemmenden und makaber-spaßigen Momenten hin und her. Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot feuert einige schwarzhumorige Pointen ab und zieht die an einem bizarren Brauch festhaltenden Le-Domas-Vertreter lustvoll durch den Kakao. Als bissige Satire auf die Oberschicht und ihre mitunter verrückten Eigenarten ist der Film insgesamt vielleicht etwas zu plakativ. Und doch laden die gezeigten Absurditäten enorm zur Belustigung ein. Besonders schön ist der Seitenhieb auf patriarchale Strukturen. Ständig wird der Urgroßvater erwähnt, der – so viel sei verraten – vor vielen Jahren einen teuflischen Pakt geschlossen hat. Das schon früh angedeutete übernatürliche Element dient Bettinelli-Olpin und Gillett dazu, ihre Handlung auf der Zielgeraden vollends in Richtung Fun-Splatter zu lenken. Gefallen wird das sicherlich nicht jedem. Mit seiner unbekümmerten Verquickung von Spannung und böser Komik setzt der flott getaktete Horrorbeitrag aber durchaus einen Farbtupfer.

Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot (2019)

„Ready or Not“ folgt einer jungen Braut, die anlässlich ihrer Hochzeit die reichlich exzentrische Familie ihres Bräutigam trifft. Und die folgt einer uralten Tradition, die schnell in einen Kampf ums Überleben mündet.

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